Trinkwasserbelastung 09. Feb 2023 Von Susanne Donner Lesezeit: ca. 7 Minuten

PFAS: In Altötting tritt eine giftige Chemikalie aus einer Deponie aus

Zum ersten Mal in der Geschichte des Chemikalienrechts könnte eine riesige Gruppe von Chemikalien mit mehr 10 000 Substanzen auf einen Schlag reguliert werden. Warum es so gekommen ist, lehrt der oberbayerische Landkreis Altötting.

Trügerische Idylle: Im Wallfahrtsort Altötting, in den bis heute zahleiche Gläubige zur Schwarzen Mutter Gottes pilgern, sind Grund- und Trinkwasser mit einer Industriechemikalie belastet.
Foto: imago images/H. Tschanz-Hofmann

Die Menschen im Landkreis Altötting hätten gern mit dem Thema abgeschlossen. Aber seitdem sie 2018 erfuhren, dass sie überdurchschnittlich viel von der Chemikalie Perfluoroktansäure (PFOA) im Blut tragen, werden sie das Problem mit fluorierten Chemikalien nicht los. Ihr Grundwasser ist mit PFOA kontaminiert, deutlich über dem Leitwert für Trinkwasser von 0,1 µg/l. Und aus dem Grundwasser wird dort das Trinkwasser gewonnen.

Der Boden der Region ist auf 190 km², einer Fläche mehr als doppelt so groß wie der Chiemsee, mit dem Stoff befrachtet. Aktuell sucht der Landkreis deshalb eine Deponie, auf der das belastete Erdreich landen soll. Bis dahin liegen gewerbliche Bauarbeiten auf Eis, was so manche Wirtschaftstätigkeit aushebelt.

Bereits seit 2020 setzen die beiden wichtigsten Trinkwasserversorger in der Region Aktivkohlefilter ein. Das schwarze Pulver filtert viele organische Schadstoffe aus dem Wasser – so auch PFOA. Die durchschnittliche Belastung der betroffenen Bevölkerung hat sich daraufhin 2022 im Vergleich zu 2018 in etwa halbiert. Es hätte ein Aufatmen bedeuten können.

Hiobsbotschaft für die Bevölkerung: Weitere Giftstoffe im Trinkwasser

Doch dann kam im Oktober 2022 die nächste schlechte Nachricht: Im Trinkwasser sind die Analytiker auf eine weitere Fluorchemikalie gestoßen. Sie heißt HFPO-DA (2,3,3,3-Tetrafluor-2-Heptafluorpropoxypropansäure und ihre Salze) und wird oft vereinfachend „GenX“ genannt. Denn als „GenX-Technologie“ begann das Unternehmen DuPont die Chemikalie 2009 für den Weltmarkt zu produzieren – als Ersatz für das schon damals geächtete PFOA; sie sollte besser sein und weniger bedenklich.

Doch nun sind PFOA und GenX in Spuren da gelandet, wo sie nicht hingehören: im Trinkwasser. Die Belastung des Grundwassers mit PFOA wird bis 2030 steigen und erst ab 2050 fallen, geht aus einem Gutachten hervor. Da sich bei GenX ein ähnliches Belastungsmuster abzeichnet, befürchtet Gerhard Merches, Chemieingenieur und Vorstand der Kreisgruppe des Bunds Naturschutz im Landkreis Altötting, dass auch GenX zur Altlast für Generationen werden könnte.

Deutschland und vier weitere Staaten kämpfen für Regulierung der PFAS in Europa

PFOA und GenX sind sehr langlebige und toxische Chemikalien. Sie gehören zur Stoffgruppe der per- und polyfluorierten Alkylverbindungen, kurz: PFAS. Gerade hat Deutschland gemeinsam mit Dänemark, Norwegen, den Niederlanden und Schweden auf EU-Ebene den Vorschlag eingebracht, die Stoffgruppe der PFAS im nächsten Jahrzehnt massiv einzuschränken. Wo vermeidbar, sollen sie ersetzt werden. Es wäre die umfassendste Beschränkung von Chemikalien in der Geschichte des Chemikalienrechts. Denn zu den PFAS zählen mindestens 10 000 Substanzen. Mit einigen davon werden Milliardenumsätze gemacht.

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