Technische Kühlanlagen 25. Apr. 2024 Von Bettina Reckter Lesezeit: ca. 2 Minuten

Mikroorganismen bekämpfen Keime in Kühlanlagen günstiger als giftige Biozide

Verdunstungskühlanlagen können zu wahren Keimschleudern werden. Deshalb werden hier große Mengen Biozide eingesetzt. Ein innovatives Konzept, das ohne Giftstoffe auskommt, wurde heute im Deutschen Bundestag vorgestellt.

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Kälte- und Klimaanlagen müssen regelmäßig gewartet werden, damit sie nicht bakteriell verkeimen.
Foto: PantherMedia / Andriy Popov

Ob Rechenzentren, Anlagen in der Produktion oder Kraftwerke zur Stromerzeugung: Sie alle müssen gekühlt werden, um volle Leistung zu garantieren. Oft geschieht das mit Verdunstungskühlanlagen, bei denen Wasser als Medium die Wärme aufnimmt und an der Luft wieder abgibt. Dieses Wasser aber ist ein idealer Lebensraum für Bakterien. Sie bilden regelrechte Biofilme und können sogar zur Gesundheitsgefahr der Bevölkerung werden.

Um das Verkeimen der Anlagen zu verhindern, müssen sie regelmäßig gewartet werden. Dazu gehört auch der Einsatz von Desinfektionsmitteln, sogenannten Bioziden, die den Aufwuchs von Bakterien verhindern sollen. Schätzungen zufolge werden in Deutschland mehr als 2 Mio. t Biozide, Polymere auf Erdölbasis und Phosphate eingesetzt, um die mikrobielle Verkeimung von Kühlwasser zu verhindern. Basis dafür ist die Verordnung über Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider (42. BImSchV).

„Gute Bakterien“ bekämpfen Verkeimung des Kühlwassers

In einer Ausschusssitzung des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung wurde heute im Deutschen Bundestag ein innovatives Konzept für die Wasserbehandlung von Verdunstungskühlanlagen vorgestellt. Es arbeitet mit Mikroorganismen anstelle von Bioziden. Zu den ökologischen wie auch ökonomischen Vorteilen zählten ein niedrigerer Wasserverbrauch sowie eine bessere Abwasserqualität, erklärte Michael Simon, Technischer Leiter bei der BlueActivity GmbH, die das Verfahren entwickelt hat.

Natürliche Gewässerbakterien bekämpfen schädliche Biofilme

Hauptakteure im System „BA-Synbiorex“ sind Bakterien, die auch von Natur aus in Gewässern vorkommen. Innerhalb des Kühlkreislaufs stürzen sie sich mit Vorliebe auf jene „Kollegen“, die üblicherweise Biofilme ausbilden. So entsteht ein effektives Netz gegen schadhafte Bakterien. Instandhaltungs- und Wartungskosten reduzieren sich dadurch.

Umweltschädliche Gefahrstoffe können zu 100 % ersetzt werden

Rund drei Viertel der Wassernutzung in Deutschland entfallen auf die Wirtschaft, sagte Simon. Etwa 85 % davon dienen der Kühlung von Anlagen. Würden diese mit Bioziden betrieben, aber nicht regelmäßig gewartet, könnten ungewünschte Keime resistent werden. Nutze man aber Mikroorganismen anstelle der giftigen Substanzen, würden umweltschädliche Gefahrstoffe zu 100 % substituiert, die Kosten für die Wasseraufbereitung um 47 % gesenkt und der Wasserverbrauch um 38 %, meint Simon.

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