Geldanlage 02. Feb. 2022 Von Dieter W. Heumann Lesezeit: ca. 6 Minuten

Börsenlegende Gottfried Heller: „So gewaltige Liquiditätsmengen und so niedrige Zinsen gab es noch nie“

Der Fondsmanager Gottfried Heller zieht Aktien auch weiterhin dem Kauf von Immobilien („vielfach überteuert“), Gold („keine großen Preissprünge“) und Kryptowährungen („Spekulationsinstrumente“) vor.

Die Verschuldung der südlichen Euroländer bereitet Börsenlegende Gottfried Heller Kopfzerbrechen. Im Interview mit VDI nachrichten sagt er: „Wären die Zinsen nicht schon seit vielen Jahren nahe null und würde die EZB nicht einen großen Teil der Staatsanleihen aufkaufen, hätten einige Staaten schon längst erhebliche Probleme, manche wären vermutlich pleite.“
Foto: imago images/argum/Thomas Einberger

VDI nachrichten: Herr Heller, die deutsche Börse hat den Aktionären im letzten Jahr große Freude bereitet: Der Dax stieg bis zum Jahresende um fast 16 %. Was waren die wesentlichen Gründe?

Gottfried Heller: Das war die zunächst sehr kraftvolle weltweite Konjunkturerholung nach der Coronarezession. Die extrem expansive Geldpolitik und weitere Hilfsprogramme der Regierungen haben den Wirtschaftsaufschwung in Gang gehalten. Das hat die Unternehmensgewinne nach dem Rückschlag 2020 geradezu explodieren lassen. Beim S&P 500 sind sie 2021 um über 50 % gestiegen, beim europäischen Stoxx 600 sogar um fast 70 %. Hinzu kommt, dass Zinsanlagen mit der kräftig zunehmenden Inflation noch uninteressanter geworden waren. Die Realrenditen sind so tief ins Minus gerutscht wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Allerdings blieb 2021 hierzulande der erwartete konjunkturelle Post-Corona-Boom aus. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg lediglich um 2,7 % …

Nicht nur in Deutschland hat die Wirtschaft im Jahresverlauf an Fahrt verloren. Angesichts mehrerer Coronawellen, der Unterbrechung vieler Lieferketten, insbesondere durch den Chipmangel sowie stark gestiegener Kosten für Energie und Rohstoffe hat sich die Konjunktur sogar noch recht achtbar aus der Affäre gezogen. Das lag auch daran, dass die Welt gelernt hat, mit der Pandemie zu leben und damit umzugehen, ohne die wirtschaftlichen Schäden zu sehr ausufern zu lassen.

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