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Sonntag, 17. Dezember 2017

Hochschule

Ingenieure müssen in Hagen weichen

Von Monika Etspüler | 4. Mai 2017 | Ausgabe 18

An der Fernuni Hagen wird die Elektrotechnik gestrichen. Ein schlechtes Signal für den Industriestandort D, meinen Kritiker.

Uni BU
Foto: Fernuniversität Hagen/Hardy Welsch

An der Fernuni Hagen werden künftig weniger Ingenieurstudierende die Präsenzphasen besuchen – sehr zum Ärger der Elektrotechniker und Informatiker.

Thomas Preussiger schaffte es noch, seinen berufsbegleitenden Master in Mechatronik an der Fernuniversität Hagen fertigzustellen. Vor zwei Jahren erhielt er die Mitteilung, dass Ende des Sommersemesters 2018 der Masterstudiengang Elektrotechnik und Informationstechnik eingestampft wird. Zurzeit hängen noch rund 400 Studierende, die bis dahin fertig sein müssen, in der Pipeline.

Die größte Universität im Lande

Bei Lehrenden wie Lernenden hat das Ende des Masterstudiengangs für Kopfschütteln gesorgt, denn die Anfänge ließen eine Erfolgsstory vermuten. Zum Auftakt 2005 schrieben sich über 200 Studenten ein. Im Wintersemester 2012 verzeichnete Hagen bereits 1800 Ingenieurstudenten.

Trotz dieser Entwicklung beschloss die Hochschulleitung, den Studiengang zu kappen. Weder Unterschriftenaktionen seitens der Studenten noch Proteste der Professoren nutzten. „Man hat sich leider keine Gedanken gemacht, welche Bedeutung Deutschland als Land der Ingenieure hat“, meint Jürgen Jahns, Professor am Fachbereich Mikro- und Nanophotonik.

Gleichzeitig mit der Entscheidung, den Master für Ingenieure einzudampfen, entschied die Hochschulleitung, den Studiengang Psychologie auszubauen. „Man hat strategischen Überlegungen Vorrang eingeräumt. Die Psychologie garantiert eine erfolgreiche Entwicklung“, erklärt Susanne Bossemeyer aus der Uni-Pressestelle.

Aus Sicht von Jürgen Jahns lassen solche Entscheidungen die wirtschaftlichen Erfordernisse des Industriestandorts Deutschland außer Betracht. Doch dafür allein die Hochschule verantwortlich zu machen, sei zu kurz gegriffen. Vom Land NRW erhielten die Hochschulen den Auftrag, sich ein moderneres Profil zuzulegen. Laut Hochschulfreiheitsgesetz von 2006 wurde ihnen mehr Autonomie zugebilligt, gleichzeitig wurden sie finanziell stärker in die Pflicht genommen. „Das hat dazu geführt, dass viele kostengünstige Studienplätze geschaffen und dafür kostenintensive eingespart werden“, so Jahns. Anders gesagt: Studienplätze für angehende Juristen, Psychologen und Betriebswirte belasten das Budget der Universität weniger als Ingenieurstudiengänge, die Labors oder Einrichtungen wie die 2016 geschlossene mechanische Werkstatt erfordern.

Der Senat der Fernuniversität unterstützte zwar den Protest der Professoren und Studenten und sprach sich für den Erhalt des Studiengangs Elektrotechnik und Informationstechnik aus. Doch eine Petition, mit der sich die Betroffenen 2010 an den damaligen Forschungsminister Andreas Pinkwart wandten, blieb erfolglos. Pinkwart verwies auf die Autonomie der Hochschule, was bedeutete, dass an dem Schließungsbeschluss des Rektorats nicht mehr zu rütteln war.

Die Entscheidung war einschneidend, weil Hagen jahrelang die einzige Universität war, die einen Masterstudiengang mit Schwerpunkt regenerative Energietechnik, Informationstechnik, Mechatronik und Photonik als Fernstudium im Programm hatte. Inzwischen hat die Universität Duisburg-Essen zwar nachgezogen und auch einzelne Fachhochschulen wie die FH Darmstadt/ Aschaffenburg bieten einen Master of Science berufsbegleitend an. Doch die Möglichkeiten insgesamt sind für Weiterbildungswillige wie Thomas Preussiger rar. „Für mich war ein Fernstudium die einzige Chance, den Master in Mechatronik berufsbegleitend zu machen.“ Für rund 90 % der Ingenieurstudenten an der Fernuniversität Hagen gilt das Gleiche.

Den schrittweisen Niedergang des Hagener Ingenieurstudiums nennt Jürgen Jahns bedrückend und ärgerlich. Lehrstellen wurden umverteilt und akademische Mitarbeiter anderen Fachbereichen zugeordnet. Der Studiengang verfügt heute noch über drei von ehemals zehn Lehrstühlen. Im gleichen Zeitraum wurden andere Fakultäten, wie die expandierenden Kultur- und Sozialwissenschaften, zu denen auch die Psychologie zählt, zahlenmäßig aufgestockt.

Doch auch unter dieser Prämisse wäre es „problemlos möglich gewesen, den Ingenieurstudiengang auf dem Level der letzten fünf Jahre weiterzuführen“, meint Jahns. Jetzt werde er wohl derjenige sein, der 2018 das Licht ausmacht. 

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