Porträt 26. März 2026 Alexandra Ilina Lesezeit: ca. 4 Minuten

Klug oder hübsch? Warum diese Wissenschaftlerin beides sprengt

Im Miss-Germany-Finale: Biologin Amelie Reigl. Als „dieWissenschaftlerin“ bringt sie Forschung aus dem Labor ins Netz.

Amelie Reigl
Miss-Germany-Finalistin und Biologin Amelie Reigl zeigt als „dieWissenschaftlerin“, wie verständlich und nahbar Forschung sein kann.
Foto: picture alliance/dpa | Peter Kneffel

Klug oder hübsch? Hübsch oder klug? Im Fall von Amelie Reigl erübrigt sich diese Frage eigentlich. Die 31-Jährige vereint beides – und vor allem noch viel mehr: wissenschaftliche Neugier, Unternehmergeist und die Fähigkeit, komplizierte Forschung so zu erklären, dass sie plötzlich jeder verstehen kann.

Amelie Reigl ist Biologin, promoviert an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Gleichzeitig kennen sie Hunderttausende Menschen im Netz unter einem ganz anderen Namen: „dieWissenschaftlerin“. Auf TikTok und Instagram nimmt sie ihre Community mit in eine Welt, die sonst für viele verschlossen bleibt – ins Labor.

Mehr als 400.000 Menschen folgen ihr inzwischen. Für viele ist sie das Gesicht einer neuen Generation von Wissenschaftlerinnen – offen, neugierig und nahbar.

Wissenschaft verständlich machen: Vom Gefühl zur Mission

Dabei begann alles eher aus einem Gefühl der Verantwortung heraus. Während der Corona-Pandemie merkte Reigl, wie groß die Unsicherheit vieler Menschen war. Impfstoffe, Studien, Virusvarianten – überall kursierten Informationen, aber vieles blieb schwer verständlich. „Viele waren verunsichert“, sagt sie rückblickend. „Da habe ich gemerkt: Wissenschaft muss besser erklärt werden.“ Also begann sie, kurze Videos zu produzieren. Verständlich, unkompliziert und ohne Fachjargon. Die Resonanz war enorm. Amelie hat darüber ausführlich gegenüber ingenieur.de erzählt.

Heute postet sie fast täglich Einblicke in ihren Alltag. Mal steht sie im weißen Laborkittel vor dem Mikroskop, mal beantwortet sie Fragen aus der Community, manchmal erklärt sie auch einfach ein spannendes Phänomen aus Biologie oder Medizin. Ihr Ziel ist klar: Vertrauen in die Wissenschaft stärken und zeigen, wie Forschung wirklich funktioniert.

Forschung vorantreiben: Hautmodelle statt Tierversuche

Doch Reigl beschränkt sich nicht darauf, Wissenschaft zu erklären. Sie arbeitet selbst daran, Forschung voranzubringen und neue Lösungen zu entwickeln. Als Projektleiterin des geplanten Fraunhofer-Spin-offs TigerShark Science arbeitet sie mit ihrem Team daran, menschliche Hautmodelle im Labor zu züchten. Diese künstlich erzeugten Hautstrukturen sollen künftig genutzt werden, um Wirkstoffe zu testen – etwa in der Kosmetik- oder Pharmaforschung.

Der Ansatz dahinter ist klar: Noch immer werden viele Substanzen zunächst an Tieren getestet, beispielsweise an Mäusen. Doch die Ergebnisse lassen sich oft nur begrenzt auf den Menschen übertragen. „Die Daten, die man daraus generiert, sind kaum übertragbar auf menschliche Studien“, sagt die 31-Jährige. „Und genau da setzen wir an mit unseren Hautmodellen, weil sie aus menschlichen Zellen stammen, um wirklich gute und übertragbare Daten für unsere Kunden zu liefern.“

Für eine transparentere und ethischere Forschung

Die im Labor gezüchteten Hautmodelle sollen deshalb realistischere Ergebnisse ermöglichen – und gleichzeitig dazu beitragen, Tierversuche deutlich zu reduzieren. Für Reigl ist das ein wichtiger Schritt hin zu modernerer, präziserer und auch ethisch verantwortungsvollerer Forschung.

Damit möchte Amelie Reigl zeigen, dass moderne Forschung ethischer, präziser und transparenter werden kann.

Transparenz spielt für sie überhaupt eine große Rolle. Ihr Traum sei ein „gläsernes Labor“, erzählt sie. Ein Ort, an dem Forschung nicht hinter verschlossenen Türen stattfindet, sondern sichtbar wird. Wo Menschen beobachten können, wie Experimente entstehen, wie Ergebnisse überprüft werden – und wie Wissenschaft wirklich arbeitet.

Bühne für Ideen: Vom Labor ins Finale der Miss Germany

Diese Mischung aus Forschung, Kommunikation und Unternehmertum hat ihr in diesem Jahr auch eine ungewöhnliche Bühne verschafft: das Finale der Miss Germany-Wahl. Früher galt der Wettbewerb vor allem als Schönheitscontest. Doch inzwischen hat sich das Konzept stark verändert. Heute geht es um Frauen mit Ideen, Projekten und gesellschaftlichem Engagement.

Die Veranstalter betonen, dass der Wettbewerb heute bewusst anders verstanden werden soll als früher. Der Fokus liege nicht mehr auf klassischen Schönheitsidealen. Gesucht würden „nicht die nächsten Beauty-Influencerinnen, sondern zukünftige DAX-Vorständinnen und erfolgreiche Gründerinnen“.

Mehr als 2600 Bewerberinnen hatten sich beworben, neun standen schließlich im Finale. Sie traten in verschiedenen Kategorien an – darunter Unternehmerinnen, Kreative und Frauen aus der Bundeswehr.

Den Gesamttitel „Miss Germany 2026“ gewann sie zwar nicht. Doch während der Show wurde sie mit dem Female Founder Award ausgezeichnet – eine Anerkennung für ihr Start-up und ihre Arbeit in der Wissenschaftskommunikation.

Sichtbarkeit für Frauen in der Wissenschaft

Doch für Reigl war die Teilnahme ohnehin nie nur eine Frage des Titels. „Miss Germany ist kein Schönheitswettbewerb mehr“, sagt sie. „Es geht um Frauen, die die Zukunft gestalten wollen.“ Genau diese Plattform wollte sie nutzen – um ein Thema sichtbar zu machen, das ihr besonders am Herzen liegt: Frauen in der Wissenschaft.

„Ich will, dass Wissenschaftlerinnen gefeiert werden wie Kim Kardashian.“ – Ein Satz, der fast für sich allein steht – und eigentlich keine weitere Erklärung braucht.

Denn obwohl heute viele Frauen ein naturwissenschaftliches Studium beginnen, werden es auf dem Weg nach oben immer weniger. Weniger Professorinnen, weniger Gründerinnen, weniger sichtbare Vorbilder. Reigl möchte das ändern.

Gerade jungen Frauen und Mädchen möchte sie vermitteln: Wissenschaft ist kein exklusiver Raum – sie steht allen offen. „Was ich kann, kannst du auch“, lautet eine ihrer Botschaften.

Authentisch statt inszeniert

Dabei wirkt Reigl nie wie eine klassische Influencerin. Sie spricht ruhig, erklärt geduldig und bleibt immer nah an der Sache. Vielleicht liegt genau darin ihr Erfolg: Sie vermittelt Wissenschaft nicht als kompliziertes Fachgebiet, sondern als etwas, das uns alle betrifft.

Und während sie im Labor daran arbeitet, menschliche Hautmodelle zu entwickeln, arbeitet sie gleichzeitig daran, ein anderes Bild von Forschung zu schaffen – eines, das offen, verständlich und zugänglich ist.

Oder, wie sie es selbst formuliert: Wissenschaft fragt nicht danach, wie jemand aussieht. Sondern danach, wie neugierig er ist.

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