Porträt 09. Aug 2023 Von Wolfgang Schmitz Lesezeit: ca. 3 Minuten

Die Frau mit dem „starken Signal“ leitet nun das Technische Hilfswerk

Sabine Lackner ist neue THW-Präsidentin. Neben der Arbeit in Krisengebieten erwarten sie auch intern einige Baustellen.

Sabine Lackner: „Bei vielen Menschen ist der Wunsch entstanden, bei der nächsten Katastrophe selbst helfen zu können.“
Foto: THW

In Slowenien leben die Menschen das nach, was vor fast genau zwei Jahren im Ahrtal geschah. Das Land erlebt die schwerste Naturkatastrophe in seiner jungen Geschichte. Über die Ufer getretene Flüsse, Überschwemmungen, Erdrutsche, evakuierte Dörfer und Tote – die Bilanz ist bereits katastrophal, obwohl das Drama noch nicht überstanden ist.

Schnelle Hilfe bei Erdbeben: Roboter und Drohnen sollen Einsätze des THW erleichtern

Slowenien braucht Unterstützung. Deutschland schickt mit dem Technischen Hilfswerk (THW) ein Team aus ehrenamtlichen Helfern und hauptamtlichen Mitarbeitern, das auf zahlreiche Einsätze im Dienste der Menschen verweisen kann. So zynisch es klingen mag, aber dem THW wird die Arbeit nicht ausgehen, die Klimakatastrophen werden den Helden des Alltags noch viele Aufträge bescheren.

Sabine Lackner erkennt das Potenzial moderner Technologien wie künstlicher Intelligenz, Drohnen und Robotik

Die spektakulären Einsätze verschleiern die massive Arbeit, die hinter der Menschenrettung und dem Schlammwegräumen steckt. Viele Baustellen liegen vor der eigenen Tür. „Ich denke, dass es verschiedene Themen gibt, denen wir uns als THW stellen und wo wir uns zukunftsfähig aufstellen müssen“, sagt Sabine Lackner, die seit Anfang Juli Präsidentin und erste Frau an der Spitze des THW mit seinen etwa 2000 hauptamtlichen Beschäftigten und mehr als 85 000 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern ist.

Zu den Herausforderungen zählt Lackner die Modernisierung des THW. „Sie erkennt das Potenzial moderner Technologien wie künstlicher Intelligenz, Drohnen und Robotik, um die Effizienz und Wirksamkeit des THW bei Rettungs- und Hilfseinsätzen zu verbessern und Einsatzkräfte besser zu schützen“, heißt es auf der Website. In den letzten Jahren sei es gelungen, die Fahrzeugflotte und Großgeräte auf den aktuellen Stand zu bringen, so Lackner. Die Investitionen aber hätten Löcher an anderen Stellen gerissen. „So sind viele unserer Liegenschaften in die Jahre gekommen und müssen erneuert werden. Und hierfür brauchen wir die entsprechenden Mittel.“ Dass die Ampelkoalition die Gelder für den Bundesfreiwilligendienst erheblich kürzen will, sieht Lackner relativ entspannt. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend habe Gespräche mit den zentralen Akteurinnen und Akteuren der Freiwilligendienste, also auch mit dem THW, angekündigt.

War das Technische Hilfswerk, das von dem Architekten und Bauingenieur Otto Lummitzsch 1950 gegründet wurde, in seiner Anfangsphase nur Männern vorbehalten und dadurch historisch an ein männliches Image gekoppelt, soll der Frauenanteil nun drastisch gesteigert werden und bis 2030 unter den ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen von rund 16 % auf 30 % anwachsen. Die Präsidentschaft von Sabine Lackner, die seit mehr als zwei Jahrzehnten in den Diensten des THW steht und mehrere Einsatzstäbe leitete, sei dafür ein „starkes Signal“, so Bundesinnenministerin Nancy Faeser bei der offiziellen Amtsübergabe. „Sabine Lackner weiß mit Herz und Verstand ehrenamtliche genauso wie hauptamtliche Kräfte zu motivieren. Sie wird als starke Führungspersönlichkeit außerordentlich geschätzt. Ich weiß die THW-Familie bei Sabine Lackner in den besten Händen.“

Die Einsätze des THW im Ahrtal und in der Türkei ziehen Nachwuchs an

Sabine Lackner wäre kein gutes Vorbild, würde sie die Zukunft in dunklen Farben malen. Warum auch? 2022 sei die Zahl der THW-Kräfte im Vergleich zum Vorjahr um fast 2400 gestiegen. Lackner: „Für diesen positiven Trend gibt es verschiedene Gründe. Zum einen haben Einsätze wie nach dem Starkregen 2021 oder nach dem Erdbeben in der Türkei die Aufmerksamkeit auf das THW gelenkt und dazu geführt, dass bei vielen Menschen der Wunsch entstanden ist, bei der nächsten Katastrophe selbst helfen zu können. Andererseits haben wir mit ,Deine Zeit ist jetzt!‘ eine tolle Marketingkampagne, die für ein Ehrenamt im THW wirbt.“ Über noch mehr Frauen würde sich Sabine Lackner freuen. Letztlich sieht sie aber im „Ehrenamt im THW etwas ganz Besonderes und eine Bereicherung für jeden Menschen, egal welchen Geschlechts“.

Hilfe für andere – wann der Arbeitgeber fürs Ehrenamt freistellt

Das THW sei ihre Leidenschaft, betont Sabine Lackner gerne. Erholung von ihrer Profession wird sich die neue Präsidentin erst einmal nur in kleinen Dosen gönnen können. Bleibt mehr Zeit als nur Feierabend und Wochenende zum Durchatmen, dann zieht sich die Naturliebhaberin am liebsten mit ihrem Mann nach Frankreich zurück, „in unser kleines Häuschen auf dem Land, auch da gilt: Natur pur mit einem guten Buch“.

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