Supply-Chain-Management 20. Apr 2020 Von André Weikard

Die Pandemie ändert Lieferketten dauerhaft

Das Coronavirus stellt die Globalisierung, wie sie bisher stattgefunden hat, infrage. Eine Umfrage der Unternehmensberatung Inverto zeigt auf, dass viele Einkäufer bereits daran arbeiten, lokale Lieferanten stärker in ihre Lieferketten zu integrieren. Neun von zehn der über 100 befragen Entscheider gehen davon aus, dass Risikomanagement und Lieferketten nach der Corona-Krise anders aussehen werden als bisher.


Foto: panthermedia.net / Oxana Zubov

Die aktuelle Studie gibt auch einen Einblick, wie massiv die Unternehmen quer durch alle Branchen von der Pandemie betroffen sind. So geben 86 % der Befragten an, dass sie in ihren Lieferketten bereits Engpässe wahrnehmen. Künftig erwarten sie noch eine Verschärfung der Situation. Spüren zurzeit noch 38 % nur geringe Auswirkungen, so erwarten dies für die Zukunft nur noch 17 %. Lediglich jeder zehnte Teilnehmer geht davon aus, dass die eigene Lieferkette nicht beeinträchtigt wird.

Quelle: Inverto GmbH

Die Auswirkungen auf den Unternehmensumsatz fallen bei den beteiligten Unternehmen je nach Branchenzugehörigkeit unterschiedlich aus. Während alle Befragten aus dem Automobilsektor sagen, dass sie einen Einbruch von mindestens 10 % verzeichnen, bestätigt dies im Maschinenbau nur jeder Zweite. Die restlichen Befragten erwarten keine eindeutigen Auswirkungen. Stark gespalten sind die Teilnehmer aus dem Handel: Zwei Drittel von ihnen befürchten eine Umsatzminderung von über 10 %, während das restliche Drittel eine Umsatzsteigerung von mindestens 10 % erreicht. Gespalten ist interessanterweise auch der Pharmasektor: Nur 20 % aus dieser Branche rechnen mit Umsatzsteigerungen, während je 40 % keine Auswirkungen oder gar eine Umsatzsenkung erwarten.

Fast alle Unternehmen haben Sofortmaßnahmen umgesetzt

Fast 90 % der Beteiligten haben Maßnahmen ergriffen oder zumindest geplant, um das Unternehmen krisenfest zu machen. Hierzu zählen zum Beispiel die Einrichtung von Kontrollgremien zur täglichen Bewertung und Steuerung von Versorgungsrisiken (75 %), die Auswahl neuer Lieferanten (86 %), die Reduzierung aller kurz- und mittelfristigen Investitionen (83 %) sowie ein striktes Cash Management zur Erhaltung der Liquidität (78 %).

Zwei wesentliche Hindernisse nehmen die Befragten dabei als problematisch wahr: 88 % monieren einen Mangel an Informationen angesichts sich schnell ändernder Bedingungen, während 47 % mangelnde Transparenz in der Lieferkette beanstanden.

Ganzheitliches Herangehen notwendig

Die Aktivitäten der Umfrageteilnehmer lassen sich den Handlungsfeldern Liquidität, Widerstandsfähigkeit des Business sowie Stabilität der Lieferkette zuordnen. Knapp zwei Drittel der Befragten konzentrieren sich dabei nicht auf ein Handlungsfeld, sondern haben in allen drei Bereichen Aktivitäten gestartet. Thibault Pucken, Geschäftsführer von Inverto und verantwortlich für die Studie, hält dies für notwendig: „Liquiditätserhöhung, Kostensenkung und Lieferkettenstabilisierung sollten ganzheitlich angegangen werden, denn isoliert erbringen sie nicht die erwünschten Effekte.“

Langfristige Auswirkungen der Pandamie

Zu der Zeit nach der Krise befragt, planen fast alle Teilnehmer Änderungen in ihrer bisherigen Einkaufsstrategie: 46 % der Befragten wollen sich demnach künftig besser auf Krisenszenarien vorbereiten, während 42 % lokale Lieferanten in ihre Lieferketten integrieren werden. 36 % der Befragten planen, die Transparenz in ihren Supply Chains – auch mithilfe von technischen Mitteln – zu erhöhen, während 35 % enger und partnerschaftlicher mit ihren Lieferanten zusammenarbeiten wollen. Lediglich 12 % gehen davon aus, dass sie nach der Pandemie weiterarbeiten wie zuvor. Thibault Pucken: „Keine dieser langfristigen Maßnahmen kommt überraschend, Covid-19 verstärkt hier bereits vorhandene Trends.“

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