12. Jun 2018, 12:09 Uhr Claudia Burger

17% der CEOs hat technischen Background


Foto: panthermedia.net / garagestock

Mehr als ein Fünftel (21 %) der Vorstandschefs der größten an der Deutschen Börse gelisteten Unternehmen war zuvor Chef einer operativen Geschäftseinheit. 17 % haben bereits CEO-Verantwortung in einem anderen Unternehmen getragen. Ein Fünftel derjenigen, die zum ersten Mal ein Unternehmen geführt haben, war zuvor Finanzvorstand (CFO).

„Selbst als ‚Chief Operating Officer‘ sind die Chancen in Deutschland deutlich geringer, direkt im Folgeschritt CEO zu werden. Und das, obwohl in der angelsächsischen Region der COO häufig das Sprungbrett zum Chefposten ist“, sagt Marcus Schneider, Senior Client Partner und Studienleiter bei Korn Ferry.  Nur 6 %  der CEOs war zuvor COO. „Das mag in Deutschland aber auch daran liegen, dass viele Unternehmen einen hauptamtlichen Stellvertreter des CEO berufen. Dieser nimmt teils ähnliche Funktionen wahr wie ein COO.“ Immerhin 10% der heutigen CEOs waren vor ihrer Berufung Stellvertreter.

Kaum ein CEO war bei seiner ersten Amtsübernahme Marketing- (CMO), Einkaufs- (CPO), oder Technik-Chef (CTO). „Dazu gibt es zwei Erklärungen“, sagt Marcus Schneider. „Ein Teil der Führungskräfte, die eine solche Fach-Führungsposition übernommen haben, bleiben dort und bauen ihr Fach-Know-how weiter aus. Der andere, kleinere Teil nutzt es als Sprungbrett nicht direkt in die CEO-Funktion, sondern ins General Management zur Führung eines operativen Geschäftsbereichs.“

Gute Chancen habe aber,  wer sich zum Anfang der Karriere technischen Themen widmet und in Forschung und Entwicklung beginnt. 17 % der Vorstandschefs haben hier ihre beruflichen Wurzeln, im TecDax ist es jeder Dritte (35 %). „Ähnlich dem Vertrieb sind die Schnittstellen und damit die Visibilität im Konzern in diesem Bereich enorm“, sagt Marcus Schneider. „Hinzu kommt: Innovationsfähigkeit an der Spitze wird immer wichtiger. Wer Technik versteht und wem es gleichzeitig gelingt, mit diesem Wissen ins General Management zu gelangen, der hat später gute Chance, für den Spitzenposten berücksichtigt zu werden.“

Während rund 17 % der heutigen CEOs zuvor keinerlei Vorstandsrang hatten – im TecDax sind es sogar ein fast ein Drittel (32 %) – gibt es im Leitindex Dax keine Chance, Sprecher eines Vorstands zu werden, ohne selbst bereits Organ gewesen zu sein. Das gilt sogar für die Erstberufung in der Karriere. Nur ein einziger heutiger Dax-Chef war kein Vorstand, bevor er das erste Mal in seiner Karriere zum CEO ernannt worden ist.

„Die Größe der Vorstandsgremien unterhalb des Dax sind deutlich kleiner“, sagt Marcus Schneider. „Teils gibt es im SDax nur die Posten des CEO und CFO zu verteilen. Das erklärt, warum ein hoher Anteil von Neu-CEOs zuvor keine Organverantwortung übernommen hat. Im Dax dagegen sei das undenkbar. Wer die Top-Verantwortung in einem der 30 größten deutschen Unternehmen übernehmen will, von dem erwartet ein Aufsichtsrat Vorstandsrang. Sonst kommen Kandidaten schlicht nicht in Betracht.“

Der Anteil der CEOs, die ihre Karriere in der Beratung begonnen haben, hält Schneider für überraschend hoch: Jeder Fünfte.  Im TecDax sind es laut sogar 26 %.  Daran schließt als Einstiegsbereich der Vertrieb direkt an. „Wer in Deutschland ‚Vertrieb‘ hört, denkt gleich an Strukturvertrieb. Dass Vertrieb heute deutlich komplexer ist, wird häufig übersehen. Kaum eine Funktion ist neben IT so gefragt in Unternehmen – und so schwer zu besetzen. Wer in einer vertrieblich orientierten Funktion anfängt, arbeitet in dieser mit einer Vielzahl an Schnittstellen innerhalb seines Unternehmens. Und hat Kontakt mit denjenigen, die am Ende für den wirtschaftlichen Erfolg sorgen: Kunden. Ein solcher Einstieg bietet darum die idealen Voraussetzungen, sich intern wie extern exzellent zu vernetzen und bei entsprechendem Erfolg rasch General-Management- und ergebnisrelevante Aufgaben zu übernehmen“, betont Schneider. 11 %  der CEOs haben ihre berufliche Karriere im Vertrieb begonnen, im DAX sind es sogar 17 %.

 

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