27. Feb 2020, 20:00 Uhr Von Peter Steinmüller

In der Arbeitswelt gibt es keine Eindeutigkeit mehr

Personaldienstleister im Gespräch Hays-CEO Dirk Hahn über den Umgang mit wachsenden Unsicherheiten in der Arbeitswelt durch Mitarbeiter und Führungskräfte.


Foto: panthermedia.net/Wavebreakmedia ltd

VDI nachrichten: Herr Hahn, das aktuelle Umfeld, in dem sich Unternehmen bewegen, wird gerne mit der Abkürzung VUCA beschrieben, also Volatilität, Unsicherheit, Komplexität, Widersprüchlichkeit. Wie wirkt sich das auf die Mitarbeiterzufriedenheit aus?

Hahn: Für Mitarbeiter ist entscheidend, ob sie von ihrer Führungskraft wertgeschätzt werden, die Unternehmenskultur angenehm ist und ihr Gehalt stimmt. Das galt früher und gilt auch in der VUCA-Welt. Natürlich fordert das hohe Tempo an Veränderungen die Mitarbeiter heraus und beunruhigt sie. Daher befürworte ich Ansätze aus Unternehmen, die von Mitarbeitern Flexibilität erwarten und gleichzeitig selbst vieles tun, um Sicherheit zu bieten.

Wie sollen Führungskräfte mit der Situation umgehen?

Sie müssen die Unsicherheit ernst nehmen und nicht unter den Tisch kehren. Genauso wie die geringere Planbarkeit der Zukunft. Es gilt, diesen Entwicklungen mit einem hohen Maß an Kommunikation zu begegnen. Dazu gehört, sich und ihren Teams einzugestehen, dass sich die VUCA-Welt nicht auflösen wird, sondern unsere Arbeitswelt weiter prägen wird. In ihr gibt es keine langfristige Planbarkeit und keine klaren Antworten. Führungskräfte sollten daher eine hohe Ambiguitätstoleranz entwickeln und vorleben.

Welches persönliche Rüstzeug an sozialer und fachlicher Kompetenz benötigen Führungskräfte, um selbst ihrer Verantwortung als Manager gerecht zu werden?

Unser aktueller HR-Report zeigt auf: Führungskräfte sollen vor allem als Coaches agieren. Dazu bedarf es eines hohen Interesses an Menschen, verbunden mit Empathie. Natürlich spielt Kommunikation eine zentrale Rolle – nicht nur per Gießkanne, sondern immer bezogen auf mein persönliches Gegenüber. Und dann benötigen Führungskräfte Resilienz. In der oben genannten VUCA-Welt gibt es keine Eindeutigkeit mehr.

Fachlich halte ich es für wichtig, dass Führungskräfte die digitalen Themen verstehen. Nicht nur in Bezug auf einzelne Tools und Lösungen, sondern in der Gesamtschau. Was bedeutet Digitalisierung für unsere Wertschöpfung, wie müssen wir Themen neu aufstellen? Dazu bedarf es eines guten und ständig aktuellen Überblicks über die Optionen, die die Digitalisierung bietet. Daher bleiben fachliche Kompetenzen nach wie vor wichtig. Dies zeigt ebenfalls unser HR-Report: Sie spielen bei der Auswahl von Führungskräften eine größere Rolle als soziale Kompetenzen.

Inwieweit sind diese Kompetenzen bereits vorhanden, wo gibt es Nachholbedarf?

Bei sozialen und mentalen Kompetenzen gibt es keinen Anfang und kein Ende. Sie immer weiterzuentwickeln, ist ein Muss. In Bezug auf die fachlichen Kompetenzen in Sachen Digitalisierung gibt es sicher noch einiges aufzuholen – gerade in Bezug auf die Entwicklung neuer Wertschöpfungsnetzwerke und das Zusammenspiel der Komponenten.

Unter dem Stichwort Agilität bauen Unternehmen gerade Hierarchien ab, die Start-up-Kultur ist en vogue. Wie wirkt sich das auf die Karriereplanung von jungen Ingenieuren aus und was raten Sie ihnen?

Vorneweg: So weit sind wir mit der Agilität noch nicht fortgeschritten. Wir befinden uns in Organisationen, in denen agile Strukturen neben der klassischen Linienorganisation stehen. Das wird auch in nächster Zeit so sein.

Junge Ingenieure sollten sich fragen, welche Welt ihren persönlichen und fachlichen Kompetenzen eher gerecht wird. In einer Start-up-Kultur ist vieles selbstorganisiert, da gibt es keine Vorgaben. Klare Regulierungen sind dagegen in Großkonzernen gang und gäbe. Was liegt mir näher? Darauf sollten junge Ingenieure eine persönliche Antwort finden. Und grundsätzlich sollen sie sich von dem Bild verabschieden, über Jahre hinweg in einem festen Themengebiet zu arbeiten.

Der Jobmonitor von IW und VDI prognostizierte kürzlich für die nächste Zukunft Stellenabbau bei Berufseinsteigern und im Projektgeschäft. Inwieweit verändert sich damit Ihr Geschäft als Personaldienstleister?

In der Tat hat sich der Arbeitsmarkt etwas eingetrübt und das erschwert es Berufseinsteigern, einen ersten Job zu finden. Wir sollten aber nicht auf aktuelle Konjunkturzyklen schauen, sondern auf das, was begonnen hat und in den kommenden Jahren weiterläuft: die massive Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen und ganzen Wertschöpfungsnetzwerken. Dafür werden Spezialisten benötigt, auf unterschiedlichen Gebieten. Für uns bedeutet es, ein umfassendes Serviceportfolio bereitzustellen, damit wir auf die konkrete Situation unserer Kunden die passende Antwort finden. Diese reicht von Freiberuflern über qualifizierte Zeitarbeiter bis hin zu Werkverträgen – und alles compliance-konform.

Auf der Hannover Messe wird die verschlechternde Wirtschaftslage ein Thema sein. Was erhoffen Sie sich vom Auftritt von Hays auf dem Job Hub?

Für uns geht es in erster Linie darum, in Kontakt mit Fachkräften zu treten und uns mit ihnen zu vernetzen. Daraus entstehen oft berufliche Partnerschaften über Jahre hinweg. Denn unser Anliegen ist es, gute Fachkräfte mit passenden Kunden zu verbinden, damit beide Seiten gewinnen.

Dirk Hahn


Foto: Mathias Ernert

  • ist seit Beginn dieses Jahres Vorstandsvorsitzender der Hays AG. Er begann seine Karriere bei Hays im Jahr 1997.
  • Hays ist ein Personaldienstleister für die Rekrutierung hoch qualifizierter Spezialisten mit mehr als 11 500 Mitarbeitern in 33 Ländern.
  • Dirk Hahn ist Teilnehmer einer Podiumsdiskussion zu Karrierechancen für Ingenieure auf dem Job Hub von VDI nachrichten während der Hannover Messe. Termin: 23.4.20 um 15:20 Uhr.
  • Der HR-Report von Hays: www.hays.de/studien

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