ARBEITGEBER 01. Mrz 2018 Peter Steinmüller

„Mein Optimismus hält sich in Grenzen“

Dienstleister-Chef Frank Ferchau über Arbeitsbedingungen in seiner Branche, Erfahrungen mit Bewerbern und politischen Reformen.

Frank Ferchau wirbt mit übertariflichen Regelungen und wohnortnahem Einsatz um Mitarbeiter.
Foto: Ferchau

VDI nachrichten: Herr Ferchau, vor zwei Jahren haben Sie gesagt: „Brummt die Konjunktur, steigt unsere Fluktuation.“ Angesichts der aktuellen Wirtschaftsdaten müssten Sie gerade massive Probleme mit der Mitarbeiterbindung haben. Ist das so?

Ferchau: Ja, wir verlieren aktuell deutlich mehr Mitarbeiter, als das in konjunkturschwächeren Phasen der Fall ist – vielfach machen Kunden, die unsere Mitarbeiter in gemeinsamen Projekten sehr gut kennenlernen, ihnen Übernahmeangebote. Aber wenn ich mir alle möglichen Dramen an die Wand malen wollte, ist das eins, mit dem ich umgehen kann.

Frank Ferchau

-Vorsitzender der Geschäftsführung der Ferchau Engineering GmbH in Gummersbach
-Das Unternehmen ist eigenen Angaben zufolge der bundesweit größte Engineering- und IT-Dienstleister mit mehr als 8100 Mitarbeitern . pst

Und wie gehen Sie damit um?

Indem wir als Arbeitgeber so attraktiv sind, dass sich möglichst viele Ingenieure bei uns bewerben und dann möglichst lange und gerne bei uns bleiben. Wichtigstes Mittel für letzteres sind spannende Projekte. Da die großen Namen der deutschen Industrie bei uns Kunden sind, können wir eine Menge davon bieten, ob das nun in der Luft- und Raumfahrt, in der Automobilindustrie oder im Schiffbau ist. Ein weiteres Argument ist die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Mit knapp 100 Niederlassungen im Land finden wir ziemlich sicher eine Einsatzmöglichkeit in Wohnortnähe, sodass der Mitarbeiter seine Freizeit nicht auf der Autobahn verbringen muss. Und schließlich die Weiterbildung: In der Able Academy bieten wir mehr als 200 Schulungen zu technischen, Soft-Skill- oder Management-Themen, um die Mitarbeiter fit für die Kundenprojekte zu machen.

Last but not least: Mitarbeiter, die zum Kunden wechseln und mit uns als Arbeitgeber positive Erfahrungen gemacht haben, sind bei unseren Kunden schließlich positive Multiplikatoren.

Ingenieurdienstleister stehen im Ruch der schlechten Entlohnung. Wie ist das bei Ihnen?

Ganz einfach: Ohne eine faire und transparente Entlohnungspolitik könnten wir in einem Umfeld, das nahezu von Vollbeschäftigung und vom Fachkräfteengpass geprägt ist, gar nicht arbeiten. Daher bieten wir unseren Mitarbeitern über den tariflichen Rahmen hinaus unsere sogenannten ABLE- Zusatzleistungen. Dies sind übertarifliche Regelungen, u. a. in Bezug auf Urlaub, Reisekosten, Zuschläge für Mehrarbeit oder bezogen auf ggf. vereinbarte Arbeit an Sonn- und Feiertagen.

Wie sieht denn der typische Bewerber bei Ihnen aus?

Dass es ein Mann ist, dürfte für wenig Überraschung sorgen. Die Berufseinsteiger sind mit einem Alter von 24 oder 25 Jahren deutlich jünger als noch vor zehn Jahren. Wir haben auch viele Young Professionals, das Durchschnittsalter liegt Pi mal Daumen zwischen 35 und 38 Jahren. Weit mehr als die Hälfte haben ein Studium abgeschlossen, über ein Drittel davon im IT-Bereich.

Nimmt der Anteil an Migranten bei Ihnen zu?

Ja, das gilt vor allem für Kinder der nunmehr dritten Generation von Migranten. Die Ingenieurberufe sind traditionell Mittel für den sozialen Aufstieg. So war es auch bei meinem Vater, der als Flüchtling aus dem heutigen Polen gekommen ist und dann die Technik für sich entdeckt hat. Ich kann leider keine Zahl nennen, aber bei den Nachnamen der Kollegen stelle ich zunehmend fest, dass nicht alle Müller oder Schneider heißen. Und das ist doch alles gut so, denn wir können nicht sagen, „Wir sind ein europäisch agierendes Unternehmen“ und Menschen mit ausländischen Wurzeln ausschließen.

Immer mehr Staaten setzen auf wirtschaftliche Abschottung. Merken Sie etwas davon?

Nein, ganz im Gegenteil. Der Trend zur Internationalisierung ist ungebrochen. Dem werden wir nach wie vor folgen. Wir sind überzeugt, dass es wichtig ist, europaweit sowie in einigen anderen Ländern wie Indien vertreten zu sein.

Sie hatten vor einem Jahr in den VDI nachrichten gewarnt, die verschärften Anforderungen im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz schwächten die Innovationskraft der Industrie. Stehen Sie noch zu dieser Aussage?

Ja, absolut. Wir hatten einen riesigen bürokratischen Aufwand nach der Reform im April vergangenen Jahres zu stemmen. Wir müssen jetzt nicht nur stets die jeweilige Tarifzuordnung des Kunden berücksichtigen, sondern auch von dessen jeweiligem Betrieb. Wir müssen darauf achten, ob es in irgendeiner Form einen Vergleichstarif gibt, der den Mitarbeiter besser stellt, und Ähnliches. Dank der Gesetzesreform bekommt ein Mitarbeiter bei gleicher Tätigkeit in einem Chemieunternehmen ein anderes Gehalt als in der Metallbranche. Soviel zum Thema Equal Pay!

Die Reform hat unnötige Bürokratie geschaffen und verkompliziert es für Unternehmen unverhältnismäßig, mit externen Partnern zusammenzuarbeiten und auf externes Know-how zurückzugreifen. Das gilt sowohl für die Arbeitnehmerüberlassung als auch für die Zusammenarbeit in Werk- und Dienstverträgen – nicht zuletzt für dynamische und hoch spezialisierte und erfolgskritische IT-Projekte. Dieses wird sich – davon bin ich nach wie vor überzeugt – nachteilig auf die Dauer und auf die Qualität innovativer Projekte auswirken.

Was erwarten Sie von der großen Koalition?

Quasi jede Bundesregierung packt einmal das AÜG an. Läuft die Konjunktur schlecht, gibt es eine Liberalisierung, läuft sie gut, gibt es eine Verschärfung. Was ich mir wünsche, ist ein stärkeres Augenmaß der Politik im Umgang mit solchen gesetzgeberischen Initiativen, damit man im Vertrauen darauf vernünftig arbeiten kann. Hilfreich wäre es, wenn die Politik sich endlich ernsthaft mit unserer Branche Engineering-Dienstleistung auseinandersetzen und unsere wichtige Rolle für Arbeitsmarkt und Industrie ernst nehmen würde. Das wäre mein Wunsch.

Wie optimistisch sind Sie, dass Ihr Wunsch Wirklichkeit wird?

Mein Optimismus hält sich in Grenzen.

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