Gefahren für Gesundheit und Umwelt 14. Mrz 2022 Von Bettina Reckter Lesezeit: ca. 2 Minuten

Chemikalien: Mischeffekte viel zu wenig beachtet

Eine Vielzahl von Stoffgemischen kann Mensch und Umwelt schädigen. Ein aktueller Report der Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation CHEM Trust zeigt, warum wir bisher nicht angemessen geschützt sind.

Die Wirkung von Chemikalien wird meist isoliert bewertet. Mischeffekte können das Gefahrenpotenzial erheblich steigern.
Foto: panthermedia.net/Olivier Le Queinec

Mensch und Umwelt sind permanent einem wahren Cocktail aus diversen Chemikalien ausgesetzt. Dabei kann es zu besonders gefährlichen Mischeffekten kommen. Viele der Vorschriften zum Umgang mit Chemikalien vernachlässigen diesen Aspekte und bewerten die Gefährlichkeit der Substanzen immer noch einzeln. Dabei hat eine Analyse der Verbraucherschutzorganisation CHEM Trust nun ergeben, dass es ebenso wirksame wie praktikable politische Lösungen gibt. Von der EU fordert sie deshalb, so schnell wie möglich Maßnahmen für eine giftfreie Umwelt zu ergreifen.

„Wenn wir Mensch und Umwelt angemessen schützen wollen, dürfen wir die Augen nicht länger vor der Tatsache verschließen, dass Chemikalien sich in ihren schädigenden Wirkungen verstärken können“, sagt Ninja Reineke, Head of Science und Vorstandsvorsitzende von CHEM Trust Europe. Die Bewertung der Stoffgemische dürfe nicht länger die Ausnahme sein, sie müsse zur Regel werden. „Unser Report liefert hier eine klare Beweislage und gut umsetzbare Lösungen. Die anstehenden Reformen der EU-Chemikalienpolitik REACH sowie anderer EU-Rechtsvorschriften müssen als Chance ergriffen werden, die jahrzehntelange Untätigkeit zu beenden und aktiv zu werden.“

Kein ausreichender Schutz gegenüber Chemikaliencocktails

Ob Flammschutzmittel, Pestizide oder Weichmacher – die Produktion an Chemikalien sowie die Zahl neuer Substanzen wächst stetig. Das macht es so schwierig, Mensch und Umwelt effektiv vor deren negativen Auswirkungen zu schützen. Die Gefährlichkeit einzelner Verbindungen ist zwar häufig bekannt, wie sich aber Stoffgemische im Körper verhalten, kann die Forschung kaum sagen. Möglicherweise addieren sich Chemikalienbelastungen auf und verstärken ihre negative Auswirkungen gegenseitig.

Mit ihrem Bericht „Chemical Cocktails – The Neglected Threat of Toxic Mixtures and How to Fix It“ („Chemikaliencocktails, die unterschätzte Bedrohung durch schädliche Mischungen sowie praktikable Lösungen“) fordert die Organisation CHEM Trust zum Umdenken auf.

EU-Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit

Die Giftigkeit eines Chemikaliengemisches abzuschätzen, wäre grundsätzlich möglich, wenn alle vorhandenen Chemikalien in ihrer jeweiligen Konzentration bekannt wären. Der Haken daran: Derzeit sind aufgrund von industrieller Tätigkeit Tausende von nicht genauer identifizierten Substanzen im Umlauf. Deren Risiko lässt sich praktisch nicht erfassen. In der EU-Chemikalienstrategie für Nachhaltigkeit heißt es dazu, es sei „weder realistisch noch wirtschaftlich machbar, eine nahezu unendliche Zahl möglicher Kombinationen von Chemikalien gezielt zu bewerten und zu regulieren“.

Als pragmatische Lösung schlägt die Chem-Trust-Studie vor, die Mischungseffekte künftig mit zu bewerten. Für jede einzelne Chemikalie solle eine „sichere“ Expositionshöhe ermittelt und anschließend durch einen zusätzlichen Unsicherheitsfaktor dividiert werden. Damit ergebe sich eine Art Sicherheitsfaktor auch für den Fall, dass unbekannte Substanzen auftreten.

Bewertung von Chemikalienmischeffekten auch in EU-Verordnung REACH aufnehmen

CHEM Trust schlägt vor, solche Gemischbewertungen künftig in alle EU-Chemikalienvorschriften zu übernehmen. Für den Unsicherheitsfaktor gibt die Verbraucherschutzorganisation die Zahl 100 an. Diese hält sie für optimal, um Mischtoxizitäten aus verschiedenen Expositionsquellen abzudecken. Die Bewertung von Mischungseffekten sollte zudem schnellstmöglich in die EU-Chemikalienverordnung REACH übernommen werden.

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