Online-Dating in Coronazeiten beliebt 12. Feb 2021 Von Regine Bönsch

Erfolgreiche Liebe im Netz

Der Valentinstag in Corona-Zeiten dürfte für Singles auf Partnersuche einer der schwersten Tage sein. Onlineplattformen sind daher, so zeigen Untersuchungen, beliebter denn je. Doch es droht auch Gefahr durch sogenanntes Love Scamming.


Foto: panthermedia.net/Andriy Popov

Liebe in Zeiten von Corona ist für Singles auf der Suche nach potenziellen Partnern eine echte Herausforderung: Kontaktbeschränkungen, geschlossene Restaurants, Bars, Cafés – das Virus erschwert reale Treffen jeglicher Couleur. So soll sich laut Wera Aretz, Psychologin an der Hochschule Fresenius in Köln, auch das Online-Dating in der Pandemie verändert haben. Im Rahmen einer Studie während des ersten Lockdowns befragten die Kölnerin und ihr Team rund 2000 Personen zu ihrem Onlineverhalten und ihrem subjektiven Stresserlebnis. Mit von der Partie: die Anbieter Parship und Elitepartner.

Gespräche werden tiefsinniger

Die meisten Probanden geben als Grund für die Nutzung an, den Kontakt zu anderen in der Zeit des Lockdowns zu vermissen und sich einsam zu fühlen. Ein weiteres Ergebnis: Corona hat die Form der Kommunikation deutlich verändert. Zum einen antworteten die Nutzer der Plattformen schneller und ausführlicher. Zum anderen sind die Gespräche tiefsinniger geworden. „Die schwierige Situation macht viele nachdenklicher, was sich auch im Online-Dating bemerkbar macht. Zu den Gesprächsthemen kommen sehr schnell auch Corona-Stressfaktoren: Wie geht man mit der Situation um? Wie verändert die Pandemie das Leben?“, erklärt Aretz.

Um sich besser kennenzulernen, nutzten Online-Dater verschiedene Kommunikationsmedien: Die jüngeren Social-Dater – sie nutzen Anbieter wie Tinder und Lavaoo, deren Angebote vor allem über das Smartphone abgerufen werden – verschicken deutlich häufiger textbasierte Nachrichten und Sprachnachrichten. Nutzer von Onlinepartnervermittlungen oder Singlebörsen dagegen greifen häufiger zum Telefon. Überraschenderweise werden Videochats wie Skype, Facetime oder Teams von allen Gruppen am wenigsten genutzt.


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70 % haben sich auch real getroffen

Und auch so viel darf verraten werden: Trotz der Kontaktbeschränkungen haben sich annähernd 70 % der Befragten in der Wirklichkeit miteinander getroffen. Ein gutes Drittel gab an, die Abstandsregeln nicht immer eingehalten zu haben und einander näher als die gebotenen 1,50 m gekommen zu sein. Nur 13 % haben die Treffen während des Lockdowns vollständig virtualisiert.

Nutzer und Nutzerinnen sind auch bereit, mehr fürs Online-Dating zu bezahlen. Das hat der Branchenverband Bitkom in einer aktuellen repräsentativen Umfrage herausgefunden. Die Zahlungsbereitschaft habe sich verdoppelt. Kein Wunder, denn jeder Dritte fühlt sich durch Online-Dating weniger einsam.

Liebesbetrüger im Netz unterwegs

Doch es droht auch Gefahr: Auf Datenplattformen sind Hochstapler unterwegs, davor warnen die Experten des IT-Sicherheitsdienstleisters Mimecast. Hinter dem Begriff Love Scamming verbirgt sich eine Internetbetrugsmasche, bei der ein Chatpartner seinem potenziellen Opfer vorspielt, unsterblich verliebt zu sein, um an dessen Geld oder Daten zu gelangen.Die Täter erschleichen sich über Monate das Vertrauen der Opfer und schließlich deren Geld, bevor sie plötzlich den Kontakt abbrechen.

Gerade jetzt, während der Pandemie und erst recht zum Valentinstag raten die IT-Sicherheitsdienstleister zur Vorsicht. Und ihr Appell geht auch ins Homeoffice. Laut einer Mimecast-Studie nutzen 58 % der Befragten ihre Firmengeräte zu privaten Zwecken – unter anderem zur digitalen Partnersuche: 10 % der Befragten in Deutschland loggen sich mit ihren Firmengeräten auf Dating-Plattformen ein.

Ihre Tipps an die einsamen Herzen lauten: Seien Sie aufmerksam bei zu professionellen Fotos, bleiben Sie zum Chat auf der Dating-Plattform, überweisen Sie unter keinen Umständen Geld und seien Sie vorsichtig bei zu schnellen Liebesbekundungen!

Erfolgsmodell Online-Dating

Unterm Strich jedoch, das bestätigt die Bitkom-Umfrage, ist Online-Dating hierzulande durchaus ein Erfolgsmodell: 5 % der Menschen in Deutschland haben während der Pandemie erstmals den virtuellen Kontakt gesucht. Jeder Zehnte gibt an, in der Corona-Zeit im Internet die große Liebe gefunden zu haben. Insgesamt haben 55 % der Nutzer im Netz schon einmal einen festen Partner oder eine feste Partnerin kennengelernt. Bei 33 % besteht die Partnerschaft aktuell noch.

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