13. Okt 2016

Was weiß der E-Reader über mich?

Bequemes Lesevergnügen: E-Reader speichern viele Bücher. Aber was passiert mit den Daten der Leser?
Foto: Deutsche Telekom

Aktuelle E-Reader von Amazon, Pocketbook, Tolino und Kobo wiegen knapp 200 g und bieten mit 4 GByte genügend Raum für eine anspruchsvolle Bibliothek. Die Buchbestellungen lassen sich online abwickeln. Wäre da nicht die Sorge, dass man mit dem digitalen Lesen zu viel über sich verraten könnte. „Immer wieder tragen die Buchhändler den Datenschutz an uns heran, weil die Kunden danach fragen“, erzählt Marcel Berndt, Marketingleiter des E-Reader-Herstellers Pocketbook.

Die Frage ist zum einen, was Familie und Freunde über die digitale Bibliothek herausfinden können. Zum anderen ist fraglich, wie viel der Gerätehersteller und der Onlinebuchhändler über ihren Kunden erfahren. Während Nutzer von Kindle und Tolino den Zugriff von Mitlesern auf das Gerät mit einem Passwort kontrollieren können, geht das bei Kobo und Pocketbook nicht.

Ganz anders sieht das beim Schutz vor den Verkäufern aus: Die beim Onlinehändler Amazon gespeicherte Bestellhistorie kann bis 1997 zurückreichen – und damit ein Stück Persönlichkeitsentwicklung dokumentieren. Kunden müssen ihr Konto löschen, damit auch ihre Daten gelöscht werden. Allerdings werden damit nicht nur die Käufe aus jüngster Zeit gelöscht, die für Empfehlungen wichtig sein könnten. Auch E-Books und andere digitale Waren, die in der Amazon-Cloud gespeichert werden, sind dann weg.

Der für Amazon zuständige Luxemburger Datenschutzbeauftragte hat bisher damit kein Problem, obwohl ihn schon etliche Beschwerden erreichten. Die Bayerische Datenschutzaufsicht, die seit einem entsprechenden Urteil des EuGH im Juli darüber entscheiden könnte, hat bisher keine Stellung bezogen.

Amazon gilt international als Schrittmacher, was die Verarbeitung von Lesedaten anbelangt: Von Anfang an konnten seine Kindle-Lesegeräte und -Apps die zuletzt gelesene Seite anzeigen. Sie wurde auf den Rechnern von Amazon gespeichert. Und egal mit welchem Gerät man das E-Book öffnete, es wurde die aktuelle Lesestelle angezeigt.

Inzwischen können das auch die Lesegeräte der Konkurrenz, da sie alle die Daten mit zentralen Rechnern in der Cloud synchronisieren. Das bedeutet, dass zentral der jeweils aktuelle Datenbestand gespeichert wird, den der Nutzer von all seinen Geräten aus abrufen kann. Dasselbe gilt auch für Notizen und Markierungen sowie Lesezeichen. Unterschiede gibt es aber darin, wie der Leser seine Daten organisiert. So muss er sich etwa beim Kindle bewusst gegen die Synchronisierung entscheiden, beim Pocketbook hingegen bewusst dafür. Der Kindle zeigt außerdem an, wie lange es dauert, bis man das Buch voraussichtlich zu Ende gelesen hat. Das setzt voraus, dass die Umblättergeschwindigkeit erfasst und berechnet wird. Pocketbook hat bewusst auf dieses Feature verzichtet. Marcel Berndt sagt: „Das ist ja, wie wenn man den Leser in einen Glaskasten steckt und eine unsichtbare Datenmaschinerie anwirft.“

Noch beeindruckender ist Amazons Fähigkeit, E-Books zu aktualisieren und zurückzurufen. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn ein Verlag etwa Fehler korrigiert und eine neue Auflage herausgegeben hat – oder ein Buch wegen Urheberrechtsstreitigkeiten vom Markt genommen werden muss. Bekannt wurde dieses Feature erstmals 2009, als Amazon ausgerechnet die Romane „1984“ und „Animal Farm“ von George Orwell von den Geräten seiner Kunden löschte. Ein Verlag hatte die E-Books über den Kindle vertrieben, obwohl er nicht über die nötigen Rechte verfügte. Die Kunden erhielten den Kaufpreis erstattet.

Eines unterscheidet Amazons Kindle von allen anderen Lesegeräten: die rigorose Bindung an den eigenen Shop. Bei Amazon gekaufte E-Books können nur mit dem Kindle-Lesegerät gelesen werden. Kindle-Nutzer können zwar auch in anderen Onlineshops E-Books erwerben, müssen diese aber zum Lesen in das Amazon-eigene Dateiformat umwandeln. Alle anderen Lesegeräte verbinden sich zwar erst einmal mit ihrem eigenen Shop, lassen jedoch auch Käufe über den Internet-Browser bei anderen Onlinebuchhändlern zu.

Bei Pocketbook legt der Kunde selbst fest, über welche Buchhandlung er seine E-Books beziehen will. Pocketbook kooperiert unter anderem mit dem Buchgroßhändler Umbreit aus Bietigheim-Bissingen, der für den Kauf von seinen Endkunden nur die Angabe einer E-Mail-Adresse verlangt und die Bezahlung per Paypal erlaubt. Damit ist ein pseudonymer Bucheinkauf im Onlinebuchhandel möglich. Lutz Saling, Leiter der Abteilung E-Commerce von Umbreit: „Wir wollen so wenig wie möglich über die Endkunden wissen. Und wir haben alle Geschäftsprozesse so eingerichtet, dass sie dem Ablauf in der Buchhandlung entsprechen.“

Die pseudonyme Nutzung ist allerdings ein Marketingargument, das Pocketbook nicht offensiv nutzt. Denn seine anderen Buchhandelspartner KNV und Buchmedia bieten die pseudonyme Nutzung den ihnen angeschlossenen Buchhändlern nicht in dieser Konsequenz. Zwischen Amazon und Pocketbook ist das Tolino-System anzusiedeln, das den Lesern pseudonyme Nutzungsprofile erlaubt. Gleichwohl ist hier die Verknüpfung mit dem realen Leser dank seiner Bezahldaten möglich. Ein genauer Blick lohnt sich also, wenn man Wert auf Datenschutz legt.

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