Europäischer Erfinderpreis 2019 09. Mai 2019 Stefan Asche

Nominierte für den europäischen Innovationspreis

Das Europäische Patentamt (EPA) hat die 15 Nominierten für den prestigeträchtigen jährlichen Innovationspreis bekannt gegeben. Vergeben wird der Preis in fünf Kategorien: „Industrie“, „Forschung“, „Nicht-EPO-Staaten“, „KMU“ und „Lebenswerk“.

Esben Beck (Norway), nominated for the European Inventor Award 2019 in the category SMEs
Foto: Europäisches Patentamt/Heinz Troll

In der Kategorie „Industrie“ sind nominiert:

Klaus Feichtinger und Manfred Hackl. Die österreichischen Erfinder haben mit ihrem Ansatz das Kunststoffrecycling revolutioniert. Aus Kunststoffabfällen können so hochwertige Pellets zur Herstellung neuer Produkte gewonnen werden. Heute sind mehr als 6000 ihrer Maschinen im Einsatz.

Antonio Corredor Molguero und Carlos Fermín Menéndez Díaz. Das spanische Team hat den Wellenbrecher neu erfunden. Mit der innovativen Betonform für „Cubipods“ lassen sich einfachere und wirksamere Wellenbrecher für Hafenanlagen bauen, die Baukosten können damit um bis zu 45% gesenkt werden.

Alexander van der Lely und Karel van den Berg. Die niederländischen Ingenieure konzentrieren sich auf eine „kuhfreundliche“ Automatisierung der Milchwirtschaft. Dank ihrem Melkroboter können Kühe selbst bestimmen, wann und wie oft sie gemolken werden. Das System bietet Vorteile für das Tierwohl, verbessert die Milchleistung und steigert die Effizienz landwirtschaftlicher Betriebe.

In der Kategorie „Forschung“ sind nominiert:

Jérôme Galon. Das Diagnose-Tool des französischen Immunologen bewertet das Risiko eines Rezidivs bei Krebspatienten. Es nutzt dafür digitale Bilder von Tumorproben und hochentwickelte Software, um die Immunreaktion zu messen und verbessert so die Genauigkeit der Prognose. Dank der Erfindung von Galon, die bereits in Kliniken auf der ganzen Welt gegen Darmkrebs eingesetzt wird, können Ärzte eine effektivere individuelle Behandlung einleiten.

Matthias Mann. Der deutsche Pionier auf dem Gebiet der Proteomik hat ein Verfahren zur Analyse sämtlicher Proteine in menschlichen Zellen mit Hilfe von Massenspektrometrie entwickelt. So lassen sich verräterische Anzeichen von Krankheit schon feststellen, bevor der Mensch erkrankt ist. Die Erfindung hilft Medizinern, Krankheiten besser vorherzusagen, zu diagnostizieren und zu behandeln.

Patrizia Paterlini-Bréchot. Die in Paris ansässige italienische Molekularbiologin hat ein schnelles, nicht-invasives und hoch empfindliches Verfahren entwickelt, mit dem sich in einer 10-Milliliter-Blutprobe eine einzelne Tumorzelle auffinden lässt – also eine Zelle in etwa 50 Mrd. roten Blutkörperchen. Für die Behandlung von Krebs ist Früherkennung entscheidend und das neue Verfahren deshalb ein immenser Fortschritt.

In der Kategorie „Nicht-EPO-Staaten“ sind nominiert:

Eben Bayer and Gavin McIntyre. Die US-Erfinder und Produktdesigner waren fasziniert davon, wie Pilzgeflecht (Myzelium) organische Abfälle in der Natur bindet, und fingen daraufhin an, Verpackungen aus Pilzen zu „züchten“. Ihre Materialien können flexibel in Form gebracht werden, sie werden beim Erhitzen fest und sind biologisch abbaubar.

Gideon Stein. Um Gefahren im Straßenverkehr zu erkennen und zu umgehen, entwickelte der israelische Ingenieur ein hochmodernes Fahrerassistenzsystem, das eine einäugige Kamera mit künstlicher Intelligenz verbindet. Weltweit sind mehr als 30 Mio. Autos dank dieser Erfindung sicherer geworden.

Akira Yoshino. Der japanische Wissenschaftler gilt als Vater der Lithium-Ionen-Batterie (LIB). Die von ihm entwickelten wiederaufladbaren Batterien finden sich heute in fast 5 Mrd. Handys, in Elektroautos und zahlreichen weiteren Geräten. Seit über 30 Jahren arbeitet er kontinuierlich an der Weiterentwicklung der LIB.

In der Kategorie „Kleine und mittlere Unternehmen (KMU)“ sind nominiert:

Esben Beck. Der norwegische Erfinder hat Roboter entworfen, die mittels Bilderkennung und künstlicher Intelligenz Seeläuse auf Zuchtfischen erkennen, anvisieren und mit Laserstrahlen gezielt zerstören. Eine moderne Form der Schädlingsbekämpfung ohne Chemikalien oder Antibiotika und somit stressfrei für Fische und Umwelt.

Rik Breur. Inspiriert von der stachligen Oberfläche von Seeigeln entwickelte der niederländische Erfinder eine faserbasierte Antifouling-Folie. Auf ihr können sich Algen, Seepocken und Muscheln nicht ansiedeln, wodurch Schiffe bis zu 40% weniger Treibstoff verbrauchen. Außerdem ist die Erfindung eine umweltfreundliche Alternative zu den giftigen Antifouling-Lacken.

Richard Palmer und Philip Green. Die britischen Materialwissenschaftler haben einen imprägnierten, flexiblen Schaumstoff entwickelt, der bei einem Aufprall fest wird. Dabei kommen sogenannte dilatante Flüssigkeiten zum Einsatz, die ganz besondere Eigenschaften haben: Sie absorbieren Energie und verteilen Krafteinwirkungen. Somit ist das entstandene Material „D3O“ bestens für Protektoren in Sport- und Schutzkleidung geeignet.

In der Kategorie „Lebenswerk“ sind nominiert:

Margarita Salas Falgueras. Die spanische Wissenschaftlerin ist die Wegbereiterin der Molekulargenetik. Sie hat eine schnelle, einfache und zuverlässige Methode gefunden, um DNA-Spuren so stark zu vermehren, dass eine vollständige Genomanalyse möglich ist. Dabei setzt die Wissenschaftlerin das Enzym φ29-DNA-Polymerase ein. Ihre Erfindung ist heute weitverbreitet und kommt in der Onkologie, der Forensik und in der Archäologie zum Einsatz.

Maximilian Haider. Die Erfindung des österreichischen Physikers löst ein 60 Jahre altes Forschungsproblem: Es gelang ihm, die Bildauflösung im Transmissionselektronenmikroskop (TEM) um den Faktor 5 zu verbessern, sodass sogar einzelne Atome abgebildet werden können. Seine elektromagnetischen „Korrekturlinsen“ kommen heute in 90% aller TEMs zur Anwendung.

Marta Karczewicz. Die polnische Software-Ingenieurin und Mathematikerin Marta Karczewicz ist als Erfinderin in fast 130 europäischen Patenten über Videokompression genannt. Ihre Beiträge zu Technologie-Standards und Videocodecs haben Videostreaming in hoher Qualität auf mobilen Geräten möglich gemacht.

Die Preisträger werden am 20. Juni bei einer Galaveranstaltung in Wien bekanntgegeben. Der Europäische Erfinderpreis ist einer der prestigeträchtigsten Innovationspreise Europas. Er wurde 2006 vom EPA ins Leben gerufen und ehrt einzelne Erfinder und Erfinderteams, deren Erfindungen Lösungen für einige der drängendsten Probleme unserer Zeit darstellen. Die Finalisten und Gewinner werden von einer unabhängigen Jury bestehend aus internationalen Größen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Akademie und Forschung ausgewählt, welche die Vorschläge auf deren Beitrag zum technischen Fortschritt, zur gesellschaftlichen Entwicklung, zum wirtschaftlichen Wohlstand und zur Schaffung von Arbeitsplätzen in Europa hin überprüft.

 

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