Geldanlage 17. Nov. 2022 Von Dieter W. Heumann Lesezeit: ca. 5 Minuten

Warum Fondslegende Jens Ehrhardt von Investments in deutsche Auto- und Maschinenbauer abrät

Die Aktienmärkte haben sich jüngst vom Inflationsschock erholt. Ist der Bärenmarkt schon zu Ende? Fondsmanager Jens Ehrhardt verrät, auf welche Branchen er mit seiner Gesellschaft DJE Kapital setzt – und welche er meidet.

Jens Ehrhardt gilt als einer der bedeutendsten Fondsmanager in Deutschland.
Foto: imago images/argum/Falk Heller

VDI nachrichten: Bis Ende September hatten deutsche Aktien kräftig an Wert verloren. Seitdem geht es aufwärts. Erwartet uns eine Jahresendrallye?

Jens Ehrhardt: Letztlich sind wir immer noch in einer Baisse, also im Abwärtstrend. Wir befinden uns aber nicht in einer typischen Situation der konsequenten Inflationsbekämpfung, wie das früher – vor allem bei der Bundesbank – der Fall war. Zwar erhöht die Europäische Zentralbank (EZB) mittlerweile ihren Leitzins. Aber gleichzeitig wird auch sehr gegengehalten – vor allem von den Regierungen, die mit Sonderprogrammen versuchen, dem wirtschaftlichen Druck der Coronakrise und der Energiekrise auf Unternehmen und private Haushalte entgegenzuwirken.

Was hat die EZB im Sinn?

Die EZB könnte – so glaube ich – ein Interesse an einem gewissen Maß an Inflation haben, damit die hoch verschuldeten Euroländer von ihren erheblichen Verschuldungsquoten herunterkommen. Wenn die Wirtschaft durch hohe Inflation nominal deutlich wächst und die Schulden langsamer steigen, dann fällt der Schuldenquotient. So versucht man langfristig „gesündere“ Verschuldungszahlen zu bekommen.

Die EZB hat sich ein selbst gestecktes Inflationsziel von 2 % vorgegeben. Kann man unter den geschilderten Vermutungen davon ausgehen, dass das Ziel mittelfristig erreicht wird?

Die EZB und die US-Notenbank Fed haben sich jeweils ein Inflationsziel von 2 % vorgegeben. In den USA scheint mir dies aber wesentlich realistischer wegen der konsequenteren Antiinflationspolitik. In Europa dürfte sich die Inflation dagegen auf höherem Niveau als in der Vergangenheit einpendeln.

Was die EZB bewegen könnte, das Tempo der Zinserhöhungen zu drosseln

In Ihren Worten schwingt erhebliche Skepsis angesichts der gegenwärtig besseren Börsenentwicklung mit?

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