Personal 05. Jul 2019, 15:16 Uhr Henning Zander

Auf dem Kongress der Power-Frauen

Erfolgreiche Frauen sichtbar zu machen war das Anliegen des Kongresses WoMenPower auf der Hannover Messe.

Es ist eng geworden im Saal 2 des Convention Center auf dem Messegelände in Hannover. Die 852 Stühle sind restlos besetzt. Anwesend sind fast ausschließlich Frauen. Aufmerksam blicken sie auf Janina Kugel, Chief Human Resources Officer und Mitglied des Vorstands der Siemens AG.

„Viele Frauen denken, dass schon jemand merkt, wenn sie gute Arbeit machen“, sagt Kugel. Das stimme allerdings maximal für die ersten fünf Berufsjahre. Danach müsse man sich zeigen, sich auch mal selbst auf die Schultern klopfen. Selbstbewusstsein und Mut sind für Kugel wichtige Voraussetzungen, um sich im Job weiterzuentwickeln. „Mit ‚Ich hätte gerne‘ kommt man nirgendwo weiter, manchmal muss man auch sagen ‚Ich will‘“, sagt Kugel.

Der Kongress WoMenPower findet dieses Jahr zum 15. Mal statt. Mehr als 1400 Teilnehmerinnen hatten sich angemeldet, um die verschiedenen Veranstaltungen, Foren und Workshops zu besuchen. Ziel des Kongresses ist es, Frauen auf ihrem beruflichen Weg zu stärken und ihnen neue Impulse zu geben. Auch bietet er eine Möglichkeit, sich zu vernetzen.

Wie werden wir in Zukunft arbeiten? Welche Kompetenzen werden gefragt sein? Und wie verändert sich Führung? Dafür haben sich die Frauen für einen Tag im Zentrum der Hannover Messe zu der Veranstaltung zusammengefunden, bei der die VDI nachrichten Medienpartner sind.

Miriam Hübner (33) und Dana Vogt (26) arbeiten beide beim Autozulieferer Continental. Die beiden Frauen haben sich gemeinsam zum Kongress angemeldet. „Ich finde den Austausch unter den Frauen auf ganz unterschiedlichen Karrierestufen sehr spannend“, sagt Hübner. „Auf der Führungsebene sind Frauen ja immer noch in der Unterzahl.“ Dana Vogt ergänzt: „Früher mussten Frauen in Führungspositionen sehr hart kämpfen. Keine Emotionen zeigen, hart sein, stark sein. Das ändert sich jetzt langsam.“ Beide sind sich einig, dass das Geschlecht keine Rolle dabei spielen sollte, ob jemand Karriere macht. „Vielleicht ändert sich das mit der Generation, die jetzt kommt. Deren Mütter vielleicht selbst gearbeitet und Führungsverantwortung übernommen haben“, vermutet Hübner.

Nur wenige Schritte vom Convention Center entfernt zeigen Aussteller auf der Hannover Messe, wie die Digitalisierung Produktion und Entwicklung revolutioniert. Und auch in den Köpfen der Menschen ändert sich etwas. Hierarchien treten in den Hintergrund, Diversität wird wichtiger, ist die Botschaft der Rednerinnen auf dem Kongress. „In meinem Team arbeiten 14 verschiedene Nationalitäten“, erzählt Ingrid Ebner, Director EU Supply Chain bei Amazon. Die Zahl der beschäftigten Männer und Frauen habe zwar noch nicht das Verhältnis 50 zu 50 erreicht. „Aber daran arbeiten wir und deshalb bin ich auch hier.“ Sie selbst sei ihre Karriere nicht proaktiv angegangen, sondern habe die Augen offen gehalten und die sich bietenden Möglichkeiten genutzt.

Beim WoMenPower-Kongress werden erfolgreiche Frauen sichtbar. Das ist auch eines der wichtigen Ziele dieser Veranstaltung. Sie höre immer wieder, dass es gar nicht vorwärts gehe, sagt Barbara Schwarze, Jury-Vorsitzende beim Preis „Engineer Powerwoman 2018“ der Deutschen Messe AG, der während des Kongresses verliehen wird. „Wir möchten zeigen, was es für tolle Frauen in den Unternehmen gibt“, sagt die Professorin für Gender und Diversity Studies an der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik der Hochschule Osnabrück.

27 Frauen wurden in diesem Jahr für den Preis vorgeschlagen. Die Auszeichnung ist mit 5000 € dotiert und soll Unternehmen ermuntern, die Leistung und das besondere Engagement ihrer Mitarbeiterinnen in Mint-Berufen zu honorieren.

Sophia Hatzelmann heißt die diesjährige Siegerin. Sie ist Ingenieurin der Elektrotechnik und seit 20 Jahren als Projektleiterin und Beraterin in der Automobil- und Maschinenbaubranche tätig. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin der technischen Unternehmensberatung ahc GmbH und am Start-up Augmania beteiligt, das sich mit Augmented Reality beschäftigt. Rund 50 Mitarbeiter sind bei ihr angestellt. Auch sie höre immer wieder, dass es keine Frauen in den Ingenieurberufen gebe, man einfach keine finden würde. Dem hält sie entgegen, dass sie zu 70 % Frauen beschäftige. Diese Frauen hätten sich an das Unternehmen gewendet, weil sie als Person sichtbar gewesen sei. „Sie haben gesehen, dass Frauen eine Chance haben.“

Noch ist viel zu tun. Siemens-Vorstand Janina Kugel fasst die Daten zusammen: Während Frauen, nachdem sie ein Kind bekommen haben, deutlich weniger arbeiten als vorher, steigt die Arbeitszeit bei den Vätern sogar an. Während Frauen in Führungspositionen pro Tag rund 3,4 Stunden im Haushalt arbeiten, sind es bei Männern in Führungspositionen gerade einmal 2,1 Stunden pro Tag. Die Managerin schließt ihren Vortrag mit einem Zitat von George Bernard Shaw: „Freiheit bedeutet Verantwortlichkeit. Das ist der Grund, weshalb die meisten Menschen sich vor ihr fürchten.“

Kugel gibt den Zuhörerinnen stattdessen mit auf den Weg: „Fürchten Sie sich nicht!“ Und man merkt, wie tatsächlich ein Ruck durch die Menge geht.

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