Human-Biomonitoring 02. Mai 2022

Weichmacher und andere Chemikalien belasten Kinder und Jugendliche

Schadstoffe finden sich überall auf der Welt – in der Umwelt und in den Menschen. Diese sind gerade in Europa teilweise bedenklich hoch belastet. Dieses Fazit zog die europäische Human-Biomonitoring-Initiative HBM4EU auf ihrer internationalen Abschlusskonferenz letzte Woche in Brüssel.

Erst bei Laboruntersuchungen und Bluttests stellt sich heraus, wie stark die Bevölkerung wirklich mit Schadstoffen belastet ist.
Foto: PantherMedia / fotoquique

Von Bettina Reckter

Chemikalien sind Teil der meisten Herstellungsprozesse, sie stecken in vielen Produkten und entweichen mitunter unbemerkt in die Umwelt, aus der sie wiederum vom Menschen über die Nahrung oder die Atmung aufgenommen werden können. Um herauszufinden, wie stark die Bevölkerung mit bestimmten Substanzen belastet ist, werden unter anderem Proben von menschlichem Blut, Urin und Speichel genommen und im Labor untersucht.

Könnte ein Weltchemierat Umweltchemikalien in den Griff bekommen?

Nun hat die vom Umweltbundesamt (UBA) initiierte Human-Biomonitoring-Initiative HBM4EU erstmals vergleichbar und nachvollziehbar Daten zu den wichtigsten Chemikalien europaweit erhoben, um sich einen Überblick über den Ist-Zustand bei der Belastung der Bevölkerung in Europa zu verschaffen. Trauriges Ergebnis: Gerade Weichmacher finden sich in allen untersuchten Kindern und Jugendlichen, aber auch polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), die zum Beispiel in beschichteten Pfannen verwendet werden – teilweise sogar in hohen Mengen.

Für viele Chemikalien herrscht dringender Handlungsbedarf

Die Initiative mahnt deshalb für viele der untersuchten Substanzen seitens der Politik Handlungsbedarf an. Die Verwendung und das Inverkehrbringen von Chemikalien regelt die Europäische Union (EU). Aus diesem Grund braucht es Daten, die auf EU-Ebene vergleichbar erhoben, aus- und bewertet werden.

Aus den Ergebnissen lassen sich Maßnahmen zum Schutz von Mensch und Umwelt ableiten. Nur so können europäische Institutionen effektive Maßnahmen zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt treffen, können Belastungsursachen und Vermeidungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Solche Daten erhebt, bündelt und bewertet HBM4EU europaweit seit 2017. Vergangene Woche fand in Brüssel die internationale Abschlusskonferenz des Projekts statt. Hier präsentierte HBM4EU erstmals die Belastungsdaten für die wichtigsten Schadstoffe.

Die Ergebnisse der Laboruntersuchungen im Detail

Weichmacher werden bei der Herstellung von Kunststoffen und Lacken benötigt. Obwohl sie bereits streng reguliert sind, wurden sie doch in bedenklich hohen Mengen in der gesamten europäischen Bevölkerung nachgewiesen. Alle untersuchten Proben von Kindern und Jugendlichen zeigten Funde an diesen fortpflanzungsschädigenden Substanzen.

Erfreulicherweise hat die mittlere Belastung mit Weichmachern, die bereits reguliert werden, abgenommen. Die politischen Instrumente zeigen also Wirkung. Dennoch ist die Summe der gefundenen Weichmacher immer noch zu hoch. Und: Anstelle der regulierten Weichmacher finden sich nun höhere Belastungen mit jenen Substanzen, die die ursprünglichen ersetzen sollen. Da wurde also möglicherweise der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben.

Jeder vierte Jugendliche mit perfluorierten Alkylsubstanzen belastet

Die temperaturstabilen per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) sind Industriechemikalien, die vor allem aufgrund ihrer fett- und wasserabweisenden Eigenschaften verwendet werden. Substanzen aus dieser Gruppe wurden im Blut aller untersuchten Jugendlichen aus Europa nachgewiesen.

Beinahe jeder vierte Jugendliche weist Konzentrationen in seinem Körper auf, bei denen gesundheitliche Wirkungen nicht ausgeschlossen werden können. Meist sind es bereits verbotene, jedoch äußerst langlebige Verbindungen, die die Laboruntersuchungen an den Tag brachten. Dies unterstreiche, so HBM4EU, dass PFAS grundsätzlich zu verbieten seien.

Gefährliche Mischeffekte verschiedener Chemikalien

Ein weiterer Schwerpunkt, den sich das HBM4EU gesetzt hatte, war die Untersuchung von Chemikaliengemischen. Dabei stellte sich heraus, dass eine Vielzahl von Industriechemikalien gleichzeitig im Körper nachweisbar sind. Wie die Auswirkungen solcher Chemikaliencocktails auf die Gesundheit zu bewerten ist, ist Bestandteil aktueller Forschungen.

Lesen Sie mehr über die gefährlichen Mischungseffekte im menschlichen Körper

Insgesamt hat das HBM4EU mit seinen Ergebnissen den Grundstein dafür gelegt, dass ein Humanbiomonitoring in Europa langfristig und nachhaltig etabliert werden kann. Auch wenn das Projekt HBM4EU Juni 2022 ausläuft, soll die Arbeit in der Europäischen Partnerschaft für Risikobewertung von Chemikalien (PARC) fortgeführt werden. Sie wird mit sieben Jahren Laufzeit von der EU-Kommission im Rahmen von „Horizon Europe“ gefördert.

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