Künstliche Intelligenz 21. Apr 2021 Von Regine Bönsch

KI verändert die deutsche Industrie

Die EU-Kommission hat neue Regeln für den Umgang mit künstlicher Intelligenz bei Risikoanwendungen vorgestellt. Während Branchenverbände vor einer Innovationsbremse warnen, attestiert der IT-Verband Bitkom mehr Interesse bei deutschen Unternehmen für die Technologie.


Foto: panthermedia.net/Alexander kirch

Europa will in Sachen künstliche Intelligenz (KI) weltweit vorne mitspielen und dennoch den Einsatz der Technologie regulieren. Das verkündete die EU-Kommission heute. Mögliche Risiken sollen ebenso berücksichtig werden wie die Grundrechte aller EU-Bürger. Dabei definierte die Behörde sogenannte Hochrisikoanwendungen. Dazu zählen u. a. kritische Infrastruktur wie der Verkehrssektor und Programme zur Personaleinstellung. Hier müssten menschliche Aufsicht, umfangreiche Datensets und eine Risikobewertung sichergestellt werden, heißt es aus Brüssel. Die biometrische Identifikation im öffentlichen Raum soll nur in engen Grenzen und mit Genehmigung erlaubt werden – etwa bei der Suche nach einem vermissten Kind oder einem drohenden Terroranschlag. Technologien wie das Sozialkreditsystem aus China, das regelkonformes Verhalten belohnt und Fehlverhalten bestraft, will die Kommission gänzlich verbieten. Bei Regelverstößen sind hohe Strafen vorgesehen.

Von den allermeisten Anwendungen – wie Spam-Filtern, Computerspielen, die mit KI arbeiten, oder Optimierungstools für Prozesse und Dienstleistungen – gehen nach Ansicht der EU-Kommission jedoch keine oder nur geringe Risiken aus. Für sie sollen daher deutlich weniger strenge oder gar keine Auflagen gelten. Doch es dürfte ohnehin noch dauern, bis ein Regelwerk vorliegt. Die Vorschläge liegen jetzt auf dem Tisch. Nun dürften sie in den Nationalstaaten und im Europaparlament diskutiert werden.

Gebremste Innovation?

Der deutsche Branchenverband Bitkom hat bereits Position bezogen. Die geplante Prüfung und Zertifizierung von KI müsse sich auf den Einsatz echter Hochrisikoanwendungen konzentrieren, erklärte dazu Bitkom-Präsident Achim Berg. „Wir brauchen in Deutschland und Europa sichere und vertrauenswürdige KI – wir dürfen aber nicht alle und alles über einen Kamm scheren.“ Bei jeder neuen Regulierung müsse darauf geachtet werden, dass der bei Unternehmen entstehende Aufwand verhältnismäßig bleibe und notwendige Innovationen nicht verhindert würden. „Wichtig ist, dass die Politik schnell Klarheit und Rechtssicherheit für Unternehmen schafft. Unsicherheit und langwierige Abstimmungsprozesse würden dringend notwendige Investitionen verzögern oder verhindern.“

Wirtschaft mag künstliche Intelligenz

Die deutsche Wirtschaft hat derweil die Bedeutung der künstlichen Intelligenz als entscheidende Zukunftstechnologie erkannt. Jedes vierte Unternehmen plant Investitionen in KI. Doch nur 8 % aller Befragten sagen, dass sie KI-Anwendungen nutzen, immerhin planen 30 % die Nutzung. Im letzten Jahr waren das nur 22 %. So lauten einige Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter 600 Unternehmen, die im Auftrag des Branchenverbands Bitkom heute präsentiert wurde.

Die Hoffnungen, die mit KI – in diesem Fall dem Maschinellen Lernen – verbunden sind, steigen rasant. Da sind 62 % (2020: 55 %) davon überzeugt, dass die Technologie Chancen für das eigene Geschäft bietet. Der Anteil derer, bei denen KI kein Thema ist, ist deutlich gesunken – von 71 % im Jahr 2020 auf jetzt 59 %. „Vom autonomen Fahren bis zur medizinischen Diagnose, von der Unterstützung bei Kundenanfragen bis zur Qualitätskontrolle in der Produktion: Die Einsatzmöglichkeiten von künstlicher Intelligenz ziehen sich durch alle Branchen“, sagte am Morgen Bitkom-Präsident Achim Berg. Jetzt müsse es seiner Meinung nach darum gehen, KI mit noch mehr Schwung in die unternehmerische Praxis zu bringen.

Personal, Geld und Zeit fehlen für KI

Doch speziell beim konkreten Einsatz hakt es noch immer. Unternehmen, die sich aktuell nicht mit künstlicher Intelligenz beschäftigen, nennen dafür als wichtigste Gründe fehlendes Personal (49 %), fehlende Zeit (47 %) und fehlende finanzielle Mittel (46 %). Vier von zehn Unternehmen wollen zunächst einmal abwarten, wo sich in anderen Unternehmen der KI-Einsatz als sinnvoll erweist. 40 % verfügen nicht über die notwendigen Daten für den Einsatz von KI, 38 % fühlen sich verunsichert durch rechtliche Unklarheiten.

Grundsätzlich sehen die Unternehmen eine breite Palette von Vorteilen von KI, etwa durch die Optimierung von Prozessen. So erwarten 44 % schnellere und präzisere Problemanalysen durch KI, 35 % beschleunigte Prozesse und 30 % einen geringeren Ressourcenverbrauch, wovon auch die Umwelt profitieren würde. Mehr als ein Drittel rechnet mit einer Verringerung menschlicher Fehler im Arbeitsalltag, jedes fünfte Unternehmen glaubt, dass sich Geschäftsmodelle verändern. „Es gibt nicht den einen Grund, künstliche Intelligenz im Unternehmen zu nutzen. KI ist eine Basistechnologie, die eine Vielzahl neuer Möglichkeiten eröffnet“, betonte Berg.

Prozesse im Visier

Speziell die Industrie scheint schon weit beim KI-Einsatz zu sein. So nutzen zwar die meisten Unternehmen die Technik für personalisierte Werbung (71 %), doch direkt danach folgt mit 64 % die zur Verbesserung interner Abläufe in der Produktion und Instandhaltung. Häufig wird KI im Kundendienst oder bei der Analyse des Kundenverhaltens eingesetzt. Seltener, aber doch mit 35 % in der Logistik zur Optimierung von Routen und mit nur 25 % in Forschung und Entwicklung.

„Die Corona-Pandemie trägt sicherlich zur aktuellen Investitionszurückhaltung in KI bei“, Bitkom-Präsident Achim Berg

Kleine Unternehmen sind – wie bei vielen anderen neuen Technologien auch – deutlich zurückhaltender, wenn es um Investitionen in KI geht. So wollen 2021 nur 6 % der Unternehmen mit 20 bis 99 Beschäftigten in KI investieren, bei den Unternehmen mit 100 bis 499 Beschäftigten sind es 15 % und bei Großunternehmen ist es mehr als jedes fünfte. Berg hat dafür teilweise Verständnis: „Die Corona-Pandemie trägt sicherlich zur aktuellen Investitionszurückhaltung in KI bei.“ Zugleich wäre allerdings allerorten zu erkennen, dass Unternehmen, die in der Vergangenheit bereits in ihre Digitalisierung investiert hätten, besser durch die aktuelle Krise kämen.

Deutsche künstliche Intelligenz vorne

Nur 3 % der Unternehmen, die bereits KI nutzen oder den Einsatz planen oder diskutieren, entwickeln und programmieren eigenständig und ohne Unterstützung KI-Lösungen. Rund jedes zweite setzt dazu auf externe Partner, die fast ausschließlich aus Deutschland (71 %) und den USA (29 %) kommen. Sechs von zehn Unternehmen (57 %) kaufen oder mieten KI-Anwendungen von externen Anbietern, vor allem aus Deutschland, dann erst aus den USA. „Auch wenn die Entwicklung der Technologien für KI stark in den USA und China vorangetrieben wird: Deutsche Anbieter sind hier in vielen Bereichen Marktführer“, sagte Berg.

KI verändert Automobil- und Maschinenbau

Dennoch rechnen viele der Befragten weiter mit einer Führungsrolle der USA und zunehmend auch Chinas. „Wirtschaft und Politik müssen sich gemeinsam anstrengen, damit wir bei künstlicher Intelligenz die derzeit gute Position halten und ausbauen“, forderte Berg. „Schließlich verändert der Einsatz künstlicher Intelligenz gerade Kernindustrien, in denen Deutschland heute noch eine weltweite Spitzenposition hat, etwa im Automobil- und Maschinenbau. Wenn wir die Säulen der deutschen Industrie stärken wollen, müssen wir auch die KI stärken.“

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