Digitalisierung 26. Okt 2021 Von Regine Bönsch

Wachsendes Bewusstsein für die Klimarelevanz digitaler Technologien

Die Nutzung von Internet, TV und Mobilfunk hinterlässt einen deutlichen CO2-Fußabdruck. Doch die Deutschen achten bei der Nutzung immer mehr auf den stromsparenden Einsatz von Geräten, verrät eine Bitkom-Umfrage.


Foto: PantherMedia / cozyta

Wie nachhaltig bewegen sich die Deutschen im Internet? Das wollte der Branchenverband Bitkom wissen und befragte dazu repräsentativ 1005 Menschen ab 16 Jahren. Mehr als 60 Mio. Menschen in Deutschland nutzen das Internet zum Surfen, Streamen oder E-Mails schreiben. Damit produzieren sie indirekt erhebliche Mengen CO2.

Erst kürzlich attestierte eine Studie aus Großbritannien, dass die Nutzung von Internet oder Computer mindestens einen gleich großen oder sogar einen größeren CO2-Abdruck habe als der gesamte Flugverkehr weltweit. Schätzungsweise 1,8 % bis 2,8 % der globalen Treibhausgasemissionen werden laut den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen der Lancaster University durch den Betrieb von Rechnern verursacht.

Ähnliches hatte Ralph Hintemann, Energieforscher am Borderstep-Institut für Innovation und Nachhaltigkeit in Berlin, bereits zwei Jahre zuvor für Deutschland berechnet: Mit dem Schreiben von rund 1 Mrd. E-Mails pro Tag fallen 1000 t Kohlenstoffdioxid an, 1 g pro E-Mail. Eine Stunde Videostreaming produziert so viel CO2 wie 1 km Autofahren, so der Wissenschaftler.

Deutsche Verbraucher achten auf sparsamen Einsatz

Doch die Bitkom-Umfrage beruhigt: Viele Menschen achten hierzulande mittlerweile darauf, die mit der IT-Nutzung verbundenen Klimawirkungen zu begrenzen. Das gelingt den Verbraucherinnen und Verbrauchern bei der Online- und Gerätenutzung bereits gut – so verzichtet jeder und jede Zweite mittlerweile auf Stand-by und schaltet die Geräte vollständig aus. 61 % löschen überflüssige E-Mails, Daten und Apps auf ihren Geräten, um Speicherressourcen freizugeben und damit Energie zu sparen. 44 % verwenden, wenn möglich, die Energiesparfunktion bei Laptops oder Monitoren. Ein Fünftel reduziert die Helligkeit von Bildschirmen, um Energie zu sparen, fast ebenso viele setzen aus diesem Grund bewusst auf die Verwendung eines kleineren Bildschirms. Drei Viertel (74 %) achten auch darauf, Geräte möglichst lange zu nutzen, bevor sie ersetzt werden.

Nur wenige streamen Videos in geringerer Auflösung

Bei der Internetnutzung setzt mehr als die Hälfte aller Verbraucherinnen und Verbraucher auf LAN oder WLAN statt auf Mobilfunk – dies verbraucht in der Regel weniger Energie. Jeder und jede Dritte hat beim Videostreaming die Auto-play-Funktion deaktiviert, damit nicht unnötig Videos abgespielt werden. Noch nicht so weit verbreitet ist die Angewohnheit, Videos in geringerer Auflösung zu streamen, was deutlich energieärmer ist: Nur 13 % tun dies. 6 % nutzen ökologische Suchmaschinen oder E-Mail-Dienste, bei denen Server ausschließlich mit erneuerbaren Energien betrieben und Einnahmen teilweise in Umweltprojekte investiert werden.

Es gebe ein wachsendes Bewusstsein für die Klimarelevanz digitaler Technologien, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. „Das eigene Nutzungsverhalten zu überprüfen und Anpassungen vorzunehmen, kann einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.“ Dabei würden die CO2-Emissionen umso geringer ausfallen, je nachhaltiger und ökologischer der Energiemix in Deutschland ist. „Die neue Bundesregierung muss den Strommix auch mit Blick auf die Digitalisierung schneller und konsequenter in Richtung regenerativer Energiequellen vorantreiben“, betont Rohleder. Das sehen auch neun von zehn Bundesbürgerinnen und Bundesbürgern so und fordern einen schnellen Ausbau erneuerbarer Energien.

Digitalisierung: Chance für das Klima

Welche Bedeutung hat die Digitalisierung aus Sicht der Bevölkerung für das Klima? Insgesamt nehmen drei Viertel der Befragten den Standpunkt ein, die Digitalisierung stelle eine Chance für das Klima dar. 69 % glauben, dass sich das 1,5-Grad-Ziel ohne Digitalisierung nicht erreichen lässt. „Mit der Digitalisierung halten wir einen starken Hebel in der Hand, um den CO2-Ausstoß schnell und effektiv zu senken“, so Rohleder. „In der Industrie reduzieren Sensoren und smarte Maschinen den Energiebedarf auf ein Minimum. Automatisierte Systeme wirken unnötigem Heizen und Kühlen von Gebäuden entgegen. Durch Videokonferenzen und mobiles Arbeiten lassen sich Dienstreisen und Autofahrten in Büros vermeiden.“

Gleichwohl sind unter den Bürgerinnen und Bürgern auch die Nachteile der Digitalisierung in Bezug auf das Klima bekannt: 94 % stimmen der Aussage zu, dass für die Herstellung technischer Geräte Rohstoffe ausgebeutet werden. Annähernd so viele Menschen sagen, digitale Technologien befeuern den Konsum – und 85 % kritisieren den immensen Stromverbrauch des Internets. Ebenso viele sehen als Nachteil die Verursachung von Elektroschrott.

Elektroschrott landet oft im Hausmüll

Doch gerade bei der korrekten Entsorgung von ausrangierten Elektrogeräten gibt es laut Umfrage deutliche Defizite: So ist der Elektroschrott bei jedem Fünften schon einmal im Hausmüll gelandet. 40 % geben aber auch zu, in ihrem Haushalt würde es zu viele ungenutzte Altgeräte geben. 39 % empfinden die Entsorgung als zu aufwendig

38 % der Menschen in Deutschland haben in den vergangenen zwölf Monaten tatsächlich auch ein IT-Gerät entsorgt oder weitergegeben. PC-Zubehör wie Computermäuse, Tastaturen oder Webcams haben 17 % aussortiert, jeder und jede Achte ein Smartphone. Ein Zehntel hat sich von einem Desktop-PC getrennt und 7 % von einem Fernseher. Nicht immer ist dies jedoch fachgerecht geschehen: Ein Achtel derer, die PC-Zubehör entsorgt haben, hat es in den Hausmüll geworfen. Die Übrigen brachten die Geräte zurück zum Händler (23 %), zu einer Sammelstelle oder zum Recyclinghof (32 %) oder verkauften bzw. verschenkten die Geräte (23 %). Da von 2022 an auch Supermärkte und Discounter Altgeräte annehmen müssen, dürfte sich die Rückgabequote aus Bitkom-Sicht demnächst deutlich erhöhen.

Und so ist es kein Wunder, dass Deutschland 2019 das Sammelziel bei Elektroschrott deutlich verfehlt hat. Das attestierte das Umweltbundesamt (UBA) am gestrigen Montag. 947 067 t Elektroaltgeräte wurden von den Kommunen, Händlern und Herstellern in Deutschland eingesammelt, wie eine UBA-Auswertung ergab. Dies entspreche einer Sammelquote von 44,3 %. Das seit 2019 in allen EU-Ländern geltende Mindestsammelziel von 65 % sei damit deutlich verfehlt worden.

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