Verkehr 07. Jul 2021 Von Peter Kellerhoff/HK

E-Mobil an der Straßenlaterne mit Highspeed laden

Staatliche Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Koblenz meldet Patent für innovativen Ansatz an.


Foto: panthermedia.net/Andrea Lehmkuhl

Langsam kommt die E-Mobilität in Schwung. Im Juni wurden laut Kraftfahrtbundesamt 33 420 Elektro-Pkw neu zugelassen. Das entspricht einem Plus von 311 % im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auch 76 564 Hybridautos (+ 153 %) fanden einen neuen Besitzer.

Was jedoch viele potenzielle Kunden noch vom Kauf eines rein elektrisch betriebenen Fahrzeugs abhält: die fehlende Lademöglichkeit. Gerade in Städten ohne eigene Garage mit Stromanschluss bedeutet es eine echte Herausforderung, mit einem E-Mobil mobil zu bleiben. Denn etwa 80 % der Ladevorgänge finden im privaten Umfeld statt.

Beleuchtete Schnellladesäulen

Dem Problem hat sich die Staatliche Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Koblenz angenommen – und präsentiert nun eine Lösung, die nicht unbedingt neu ist, aber völlig neu gedacht wurde: Straßenlaternen als Ladepunkt für Elektrofahrzeuge umzunutzen. Doch bisherige Lösungen konnten nicht gerade befriedigen. Projektleiter Johannes Stolz aus dem Fachbereich Ingenieurwesen der Hochschule Koblenz erklärt: „Die Ladeleitung ist dabei bislang sehr gering, sie erreicht nur 2,3 kW in der Standardausführung und 11 kW in der erweiterten Version.“ Daher haben die Koblenzer den bestehenden Ansatz erweitert, im Laborversuch praktisch nachgewiesen und nun auch zum Patent angemeldet. „Mit unserem Prototyp können wir Ladegeschwindigkeiten erreichen, die sonst nur Schnellladesäulen bieten“, zeigt sich Stolz stolz.

Herkömmliche Technik genutzt

Bereits 2019 hatte das Team aus Vertreterinnen und Vertretern von Hochschule und der Energieversorgung Mittelrhein (evm) einen ersten Prototypen vorgestellt. Durch die neue Technik verkürzte sich die Ladezeit deutlich: „Mit jeder Minute Ladezeit lädt man etwa 3 km Reichweite auf, sodass das Vollladen je nach Auto in knapp zwei Stunden erledigt sein kann“, berichtet Stolz. Die Koblenzer Forscher gingen dabei vom Ansatz aus, bereits vorhandene Komponenten weiter zu nutzen. „Wir wollten für die Ertüchtigung der Laternen zu Ladesäulen keinen einzigen Pflasterstein heben müssen und damit Tiefbauarbeiten völlig vermeiden“, erläutert Johannes Stolz. Damit könne nicht nur die Ladeleistung gesteigert, sondern auch die Kosten gegenüber einem konventionellen Ausbau um etwa 30 % reduziert werden. Die Ergebnisse der Forschung zeigen, dass die Ladeleistung für einen kompletten Straßenzug auf 102 kW dauerhaft und 145 kW für eine Stunde erreicht werden kann. „Das ist möglich, da wir die vorhandenen Spezifikationen der Erdkabel und der Anschlussdosen vollständig ausgenutzt haben“, erklärt der Wissenschaftler. Damit können im Stadtgebiet stehende Laternen auch zum Laden von E-Autos genutzt werden – nach einer Aufrüstung mit zusätzlichen Anbau- oder Nebenbauschränken, an denen dann die Ladestation montiert werden kann.

Testphase läuft an

Standorte für den Einsatz von Prototypen sind bereits seit Längerem sowohl in Koblenz als auch in Remagen mit den dort Verantwortlichen im Gespräch. So könnten in der Koblenzer Löhrstraße und am Park-and-ride-Parkplatz in Remagen möglicherweise noch in diesem Jahr Straßenlaternen dazu dienen, E-Fahrzeuge zu laden.

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