Exzellenz in der Produktion 15. Nov 2019 Martin Ciupek Lesezeit: ca. 2 Minuten

Werkzeugbau hat einen neuen Meister

Europas Werkzeugbauer sind weltweit gefragt. Die besten von ihnen wurden diese Woche in Aachen gekürt. Eine Überraschung gibt es an der Spitze.


Foto: Fritz Stepper/Dejan Mitrovic

Wer es im Wettbewerb Excellence in Production ins Finale geschafft hat, gehört bereits zu den Besten im deutschsprachigen Werkzeugbau. Dennoch stellen sich manche Unternehmen regelmäßig dem Benchmarking-Wettbewerb, um noch besser zu werden. Zum inzwischen 16. Mal kürte die Branche diese Woche in Aachen ihre Besten. Über 300 Unternehmen füllten dazu in der ersten Runde einen Fragebogen aus. Die besten von ihnen wurden vor Ort besucht und näher beleuchtet. Gesamtsieger wurde schließlich ein Unternehmen, das zum ersten Mal dabei war.

Spezialität der Fritz Stepper GmbH&Co. KG aus Pforzheim sind hochpräzise Folgeverbundwerkzeuge. Damit werden Bauteile automatisch von Station zu Station transportiert, bis sie schließlich ihre endgültige Form haben. Das Unternehmen war angetreten in der Kategorie Bester externer Werkzeugbau mit mehr als 50 Mitarbeitern und konnte sich neben dem Kategoriesieg direkt auch den Gesamtsieg sichern. Ausschlaggebend waren für die Jury dabei die klare Fokussierung auf hochpräzise Folgeverbundwerkzeuge für Elektronikkomponenten und die stetige Entwicklung  neuer Lösungen,  durch die sich Fritz Stepper gegenüber den Wettbewerbern differenziert. Auch der Einsatz qualitativ besonders hochwertiger Maschinen mit geringem Durchschnittsalter und der hohe Automatisierungsgrad in der Fertigung wurde von der Jury gelobt. Darüber hinaus entwickle das Unternehmen intelligente Werkzeuge mit integrierter Sensorik zur Erhebung, Speicherung und Verarbeitung von Daten aus dem Produktionsprozess.

Die Besten der weiteren Kategorien

Foto: Hilti

In der Kategorie Interner Werkzeugbau mit weniger als 50 Mitarbeitern durfte sich die Hilti AG aus Schaan in Liechtenstein über den Sieg freuen. Als besondere Stärken des internen Werkzeugbaus von Hilti hob die Jury die gute Fokussierung auf die Kernkompetenzen und die klare Positionierung als Kompetenzzentrum für die Massivumformung hervor. Damit werde die Produktentwicklung und Serienproduktion weltweit unterstützt. Bei kapazitiven Engpässen setze der Hilti-Werkzeugbau auf die systematische Fremdvergabe einzelner Werkzeugkomponenten und habe dafür einen klar definierten Make-or-Buy-Prozess. Besonders fielen der Jury Informationstafeln im Shopfloor auf, mit denen Hilti seine Vision und Strategie in der Belegschaft bekannt macht und den Informationsfluss unterstützt.

Foto: ZF Friedrichshafen

Sieger in der Kategorie Bester interner Werkzeugbau mit mehr als 50 Mitarbeitern  wurde die ZF Friedrichshafen AG, Standort Schweinfurt. Das Team überzeugte die Jury durch eine Vielzahl an Industrie-4.0-Lösungen. Diese reichen von der automatisierten Erstellung von Arbeitsplänen auf Basis einer algorithmisch gestützten Analyse von CAD-Daten sowie der Ansatz zur ganzheitlichen Umsetzung der getakteten Einzelteilfertigung. Der Werkzeugbau ist dabei hochautomatisiert und Maschinen sind bei ZF technologieübergreifend verkettet. Zusammen mit individuellen Eigenentwicklungen führt das laut Jury zu herausragenden Ergebnissen. Damit habe sich der Werkzeugbau gleichzeitig als konzernweites Technologiecenter für die Industrie 4.0 positioniert.

Foto: W. Faßnacht

Im Externen Werkzeugbau mit weniger als 50 Mitarbeitern konnte sich W. Faßnacht Werkzeug- und Formenbau aus Bobingen bei Augsburg durchsetzen. Besonders ausschlaggebend dafür war nach Auffassung der Jury der klare Fokus des Unternehmens auf die Herstellung komplexer Spritzgießwerkzeuge für unterschiedliche Branchen. Durch das breite Kundenspektrum stelle W. Faßnacht sicher, dass Abhängigkeiten von einzelnen Kunden und Branchen langfristig vermieden werden. Durch seinen hohen Automatisierungsgrad und die technologieübergreifende Verkettung erreiche die kleine Firma kurze Programmier- und Rüstzeiten, die eher für große Unternehmen üblich sind. Die  familiäre Arbeitsatmosphäre mit hoher Eigenverantwortung der Mitarbeiter fiel der Jury als besonderes Differenzierungsmerkmal auf.

Bereits am 19. November beginnt die Bewerbungsphase für den nächsten Wettbewerb. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT und das Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH Aachen ermittelten gemeinsam mit einer fachkundigen Jury die besten Werkzeug- und Formenbaubetriebe.

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