16. Feb. 2026 Lesezeit: ca. 5 Minuten

Wettbewerbsdruck in der Produktion: Umdenken ist nötig

Absatzeinbrüche in Abnehmerbranchen und zunehmende Konkurrenz aus China belasten die produzierende Industrie in Deutschland. Im Werkzeug- und Formenbau wird deutlich, welche Chancen es für Unternehmen gibt.

Zwei Mitarbeitende bei BMW stehen vor einem großen Umformwerkzeug.
Das BMW Group Werk Eisenach ist "Werkzeugbau des Jahres 2025". Im Wettbewerb "Excellence in Production" werden jedes Jahr die Besten Unternehmen der Branche ausgezeichnet.
Foto: BMW Group

Dem globalen Wettbewerbsdruck etwas entgegenzusetzen, das fällt deutschen Unternehmen angesichts des Preiskampfes, insbesondere mit chinesischen Anbietern, zunehmend schwer. Wie Unternehmen im Werkzeug- und Formenbau damit umgehen, kann dabei ein Vorbild für andere Branchen sein.

Die Branche steht für viele kleinere und mittlere Zulieferer. Viele der Betriebe kennen die harten Verhandlungen mit den Automobilherstellern. Aber auch in anderen Abnehmerbranchen für Formen und Werkzeuge wächst der wirtschaftliche Druck auf die Zulieferer. Zudem macht sich die Investitionszurückhaltung in Absatzrückgängen bemerkbar.

Hans-Dieter Franke, Geschäftsführer und Gesellschafter der Unternehmensberatung MPower Franke, formuliert es so: „Wenn wir auf das Jahr 2025 zurückblicken, dann war das kein einfaches Jahr – insbesondere für die externen Werkzeugbauer. Investitionszurückhaltung in nahezu allen Bereichen, steigende Energie- und Materialkosten sowie eine insgesamt schwache Konjunktur haben in vielen Unternehmen zu leeren Auftragsbüchern geführt.“

Auftragseinbruch und Preiskampf trifft Werkzeugbau

Die Branche erlebte einen Einbruch der Auftragseingänge auf breiter Front. Grund seien die Unsicherheit in der Planung und die Zurückhaltung bei Investitionen in den Abnehmerbranchen. Die Folge: „Die wenigen zur Vergabe stehenden Aufträge sind heiß umworben – auch international. Besonders die Chinesen sind da sehr aktiv. Entsprechend schlecht sind die Preise und Konditionen.“ Das trifft laut Franke vor allem die kleinen inhabergeführten Betriebe sehr hart, die das Rückgrat des deutschen Werkzeugbaus sind.

Der auf den Mittelstand spezialisierte Berater mahnt: „Sollte diese Marktsituation noch länger anhalten, ist in den nächsten Jahren mit einer spürbaren Marktkonsolidierung zu rechnen.“  Dennoch sieht er die Zukunft differenziert und stellt fest: „Hieraus entstehen Risiken – aber auch Chancen- insbesondere für die Besten.“

Preisverleihung Excellence in Production 2025 in Aachen: Hans Dieter Franke, Kuratoriumsmitglied - Fraunhofer IPT, an einem mit Blumen geschmückten Rednerpult. Geschäftsführer - MPower GmbH. Foto: M. Ciupek
Hans Dieter Franke ist Unternehmensberater und Kuratoriumsmitglied am Fraunhofer IPT sowie Jury-Mitglied bei Excellence in Production. Foto: Martin Ciupek

Insbesondere Automobilzulieferer müssen umdenken

Was den Werkzeug- und Formenbauern mit starkem Automobilbezug zu schaffen macht, weiß der Aachener Professor Günther Schuh: „In China musst du nicht zum Kapitalmarkt.“ Wie in der Vergangenheit bereits in der Photovoltaik und der Batterietechnik fördere der Staat massiv Technologien mit Bedeutung für den Weltmarkt.

Mitte 2025 habe der Direktor des Werkzeugmaschinenlabors WZL der RWTH Aachen sowie des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie( IPT) eine „traumhafte Automobilfabrik“ in China besuchen dürfen. Aus europäischer Sicht hatte die nur einen Schönheitsfehler: „In der Fabrik, die komplett fertig war, ist noch nie ein Auto produziert worden“, so Schuh.

Während in Europa über unzureichende Auslastungen von Automobilfabriken diskutiert werde, fördere die chinesische Zentralregierung Technologiefelder mit viel Geld. Anschließend lasse man die Unternehmen aufeinander losgehen. „Dieses Überschwemmen der Märkte gilt in China als Erfolgsprinzip“, berichtet der Wissenschaftler. Den Durchmarsch des Batterieherstellers Catl in Europa nennt er als Beispiel für den ungleichen Wettbewerb.

Ruinöser Wettbewerb mit China zwingt zum Umdenken

Schuh spricht gar von einem „ruinösen Wettbewerb“, der nun auch die kleineren Unternehmen im Werkzeug- und Formenbau treffe. Er sagt dazu: „Wir können das jetzt beklagen und unfair finden. Aber warum nutzen wir das nicht zu unserem Vorteil.“

Der Produktionsexperte möchte zum Umdenken anregen. Er plädiert dafür, die Kompetenz an der Schnittstelle zu den Kunden unbedingt zu erhalten und dafür notfalls auf einen Teil der Wertschöpfungstiefe zu verzichten. „Jetzt geht es weniger um die eigene umfassende Wertschöpfungskette, sondern darum, im Geschäft zu bleiben“, stellt er fest.

WZL-Direktor Günter Schuh mit dem Preis in Form eines Zerpanwerkzeugs für den Sieger im Wettbewerb "Excellence in Production" 2025.
„Wir sind teilweise absichtlich, teilweise sogar unabsichtlich durch ein Resilienztraining gelaufen“, sagt WZL-Direktor Günter Schuh. Das Bild zeigt ihn bei der Preisverleihung „Excellence in Production“ 2025. Foto: Martin Ciupek

Schuh macht das am Beispiel eines Elektroauto-Chassis, eines Skateboards, deutlich. „Es gibt Angebote für ein Skateboard eines Autos, in China entwickelt und produziert.  Das wird nahezu komplett mit einer 54-kWh-Batterie zu einem Preis angeboten, wie hier allein die 54-kWh-Batterie kostet“, berichtet er. Sein Fazit lautet: „Bevor ich in geschäftskritische Margen rutsche, nehme ich das Skateboard, veredle es und bleibe im Geschäft.“

Aus eigener Erfahrung als Gründer von Elektroautofirmen weiß Schuh: „Kein Werkzeugbauer, kein Unternehmen kann auch nur kurze Zeit mit Margen von 2 % bis 4 % überleben. Da muss ich ans Eingemachte gehen.“

Kontinuierliche Verbesserung im Werkzeugbau ist ein Erfolgsmodell

Genau das machen aus seiner Sicht die Teilnehmenden am Benchmark-Wettbewerb „Excellence in Production“. Den richtet er seit über 20 Jahren jedes Jahr zusammen mit seinem Kollegen vom WZL und vom Fraunhofer IPT aus. Im Fokus stehen dabei deutschsprachige Unternehmen aus dem Werkzeug- und Formenbau. Deshalb weiß Schuh: „Die Besten der Besten haben diese Transformation immer wieder durchgemacht.“  Für ihn ist es immer wichtig, sich dabei Ziele zu setzen: „Wenn ich mir nicht vornehmen 8 % bis 10 % Marge zu erreichen, dann erreiche ich das nicht.“

Der Wettbewerb „Excellence in Production“

  • zeichnet seit 2004 Spitzenleistungen im deutschsprachigen Werkzeug- und Formenbau aus. Erster Gesamtsieger und somit „Werkzeugbau des Jahres 2004“ war die Werkzeugbausparte der Audi AG in Ingolstadt.
  • Ziel des Wettbewerbs ist die organisatorische und technologische Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der teilnehmenden Unternehmen.
  • Durchgeführt wird der Benchmark von einem Team des Werkzeugmaschinenlabors WZL der RWTH Aachen sowie des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie (IPT) in Aachen.
  • In der Jury sitzen neben Vertretern der Institute WZL und IPT Vertreter aus Industrie, Politik, Verbänden und der Wissenschaft – u. a. vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, vom VDA, VDI und VDMA.
  • VDI nachrichten ist Medienpartner.
  • Die Bewerbungsphase für den nächsten Wettbewerb hat am 1. Dezember 2025 begonnen und endet am 1. März 2026.
  • www.excellence-in-production.de

Trotz vieler globaler Unsicherheiten sind die Unternehmen, die sich dem Wettbewerb regelmäßig stellen, nach seiner Ansicht gut aufgestellt. „Bei der Finanzkrise 2008/2009 waren wir völlig unvorbereitet. Als das Containerschiff Ever Given den Suez-Kanal blockierte, dachten wir, das sei die größte denkbare Katastrophe für unsere Lieferketten. Und dann kam es aber noch viel, viel heftiger“, sagt Schuh mit Blick auf die aktuellen Unsicherheitsfaktoren in der Weltwirtschaft.

Wettbewerb im Werkzeug- und Formenbau: Umgang mit Krisen hat sich verändert

Was die erfolgreichen Unternehmen im Werkzeug und Formenbau jetzt auszeichnet: „Wir sind nicht mehr unvorbereitet. Wir wissen zwar auch nicht, was als nächstes Problem auf uns zukommt, aber wir haben trainiert damit umzugehen.“ Weiter sagt er: „Wir sind teilweise absichtlich, teilweise sogar unabsichtlich durch ein Resilienztraining gelaufen. Ich glaube, dass uns das wahnsinnig stark macht. Darauf können wir vertrauen.“ Durch die Zahlen im Benchmarking lasse sich der Fortschritt belegen. Die Besten von heute seien nachweislich leistungsfähiger als die Besten von vor zehn bzw. 20 Jahren.

Das kann auch Unternehmensberater Franke bestätigen, der den Wettbewerb als Mitglied der Jury seit Jahren begleitet. „Gerade jetzt zeigt sich, wer bereit ist, neue Wege zu gehen“, stellt er fest. Über die im November 2025 ausgezeichneten Unternehmen und Finalisten sagt er: „Sie stellen dies eindrucksvoll unter Beweis, indem sie zeigen, wie es mit Mut, Innovationskraft und strategischem Weitblick auch in turbulenten Zeiten möglich ist, erfolgreich am Markt zu sein.“

Innovationskraft auf mehreren Ebenen: Individuelle Wege führen zum Erfolg

Dabei ist für Franke sichtbar, dass es deutlich mehr als einen Schlüssel zu diesem Erfolg gibt. Als Beispiel nennt er starke regionale Fertigungskooperationen und Technologiepartnerschaften. Andere Betriebe intensivierten dagegen die Integration in die Prozesse ihrer Kunden. Darüber hinaus kommt er zur Erkenntnis: „Die Finalisten zeigen außerdem, dass insbesondere für die externen Betriebe die zumeist finanziell sehr herausfordernde, konsequente Investition in Automatisierung und Digitalisierung einen gewaltigen Unterschied machen kann.“

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