Studie 27. Feb 2024 Von Dominik Hochwarth Lesezeit: ca. 2 Minuten

Chinesische Übernahmen: Ausverkauf ist ausgeblieben

Vor zehn Jahren gab es in Europa Befürchtungen, dass chinesische Unternehmen die europäische Industrie in großen Teilen aufkaufen könnten. Diese Befürchtungen haben sich jedoch nicht bewahrheitet, was zum Teil auf das politische Misstrauen gegenüber China zurückzuführen ist.

Teile des Hamburger Containerhafens Tollerort wurden an chinesische Investitoren verkauft.
Foto: Dominik Hochwarth

Zuletzt machte der Hamburger Hafen Schlagzeilen, als der chinesische Staatskonzern Anteile des Containerhafens Tollerort übernommen hat. Der große Ausverkauf an China ist jedoch ausgeblieben, hat die Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) herausgefunden. Die Zahl der Übernahmen europäischer Unternehmen durch chinesische Investoren ist auf den niedrigsten Stand seit 2012 gesunken. Laut der aktuellen EY-Studie haben chinesische Investoren im vergangenen Jahr 119 europäische Unternehmen erworben, 20 weniger als im Vorjahr. Im Vergleich zum Rekordjahr 2016, in dem fast 200 Übernahmen mehr verzeichnet wurden, zeige dies einen deutlichen Rückgang im langfristigen Trend, teilte EY am Dienstag, den 27. Februar, mit.

Investitionssummen erheblich geschrumpft

Nach Schätzungen von EY sind die Investitionen chinesischer Unternehmen in Europa deutlich zurückgegangen: Im Jahr 2023 beliefen sich die Investitionen auf 2 Mrd. $, weniger als die Hälfte des Betrags von 2022. EY weist jedoch darauf hin, dass die genauen Kaufpreise für den Großteil dieser Investitionen nicht bekannt sind.

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Zum Vergleich: Im Boomjahr 2016 schätzte EY die Investitionen chinesischer Unternehmen in Europa auf fast 86 Mrd. $. Seit einer Trendwende im Jahr 2017 sind sowohl die Zahl der Übernahmen als auch das Investitionsvolumen kontinuierlich zurückgegangen.

Experten führen den Rückgang auf mehrere Faktoren zurück: Die chinesische Regierung hat in den vergangenen Jahren den Kapitalabfluss ins Ausland eingeschränkt. Zudem belasten politische Spannungen zwischen China und dem Westen sowie eine im Vergleich zu den Vorjahren schwächere chinesische Wirtschaft das Investitionsklima.

Deutschland, Österreich und Schweiz fallen leicht aus dem Rahmen

Deutschland, die Schweiz und Österreich verzeichneten trotz eines allgemeinen Rückgangs eine Zunahme chinesischer Übernahmen und Beteiligungen. In Deutschland stieg die Zahl der chinesischen Übernahmen auf 28, zwei mehr als im Vorjahr, obwohl das Investitionsvolumen mit 202 Mio. $ den niedrigsten Stand seit 2010 erreichte. In dieser Statistik sind Risikokapitalinvestitionen in deutsche Start-ups, an denen chinesische Unternehmen beteiligt sind, nicht enthalten.

In der Schweiz verdoppelte sich die Zahl der von Chinesen gekauften Unternehmen im Vergleich zu 2022 auf sechs, in Österreich stieg die Zahl der chinesischen Übernahmen von einem auf zwei.

In Deutschland haben chinesische Investitionen im internationalen Vergleich an Bedeutung verloren. Mit 28 Übernahmen und Beteiligungen liegen chinesische Investoren nur auf Platz neun. Selbst Unternehmen aus der Schweiz, Österreich und Luxemburg haben mehr deutsche Unternehmen übernommen. Die Liste der ausländischen Investoren wird von US-amerikanischen Unternehmen angeführt, die 225 deutsche Unternehmen übernahmen.

Politisches Misstrauen gegenüber chinesischen Firmen

Sun Yi, Chin-Expertin bei EY, sieht einen Grund für die Entwicklung chinesischer Unternehmen in Europa im politischen Misstrauen. Sie erklärt, dass chinesische Investoren genau prüfen, ob ihre Investitionsentscheidungen in bestimmte Unternehmen auf politischen Widerstand oder öffentliche Diskussionen in Europa stoßen könnten.

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Yi, die bei EY für China Business Services in Westeuropa verantwortlich ist, prognostiziert, dass chinesische Unternehmen in den kommenden Jahren eher in den Aufbau eigener Produktionsstätten in Europa investieren werden als in große Firmenübernahmen. Insbesondere Ungarn, Spanien, Frankreich und die nordeuropäischen Länder sind aufgrund niedriger Energiekosten, hoher Subventionen und effizienter Genehmigungsverfahren für chinesische Automobil- und Batteriehersteller attraktiv. Deutschland steht dagegen nicht im Fokus dieser Investitionsstrategie. (dpa/hoc)

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