Porträt 18. Mai 2017 Sabine Neumann

Mehr als 270 Jahre in Familienbesitz

Stammsitz seit 1745 – die Zentrale des Maschinenbau-Unternehmens J.D. Neuhaus in Witten-Heven aus der Luft.
Foto: J.D. Neuhaus

Als der Fabrikant Johann Diederich Neuhaus 1745 die Idee hatte, Holzschaftwinden für Schleusen an der Ruhr herzustellen, ahnte er noch nicht, dass es sein Unternehmen noch 2017 in der siebten Generation geben würde. Die Winden wurden später auch zum Verladen von Waren, zur Kohleförderung sowie zum Heben von Eisenbahnwagen genutzt. Heute ist ist die J.D. Neuhaus GmbH & Co. KG (JDN) seit mehr als 270 Jahren ununterbrochen in Familienbesitz und gilt somit als das älteste noch in Gründerhand befindliche Maschinenbau-Unternehmen Deutschlands.

Global Player

Die ca. 160 Mitarbeiter am Stammsitz in Witten sind mit der Herstellung von pneumatischen und hydraulischen Hebezeugen und Krananlagen beschäftigt, die in 90 Länder exportiert werden. Die Vertriebsgesellschaften befinden sich in den USA, Großbritannien, Frankreich und Singapur.

„Familienunternehmen ticken einfach anders“, sagt Wilfried Neuhaus-Galladé, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens und Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet zu Bochum. „Wir empfinden Verantwortung für unsere Mitarbeiter, für unsere Stadt und für die Region.“ Aus einer ehemaligen Windenschmiede ist im Laufe von Jahrhunderten ein weltweit agierender Spezialanbieter, ein Hidden Champion, für pneumatische und hydraulische Hebezeuge und Krananlagen geworden.

Am Standort Witten-Heven produzieren rund 160 Mitarbeiter jährlich etwa 8000 Hebezeuge, die in 90 Länder verschickt werden. Der Exportanteil liegt hier bei über 80 % – die Vertriebsgesellschaften von J.D. Neuhaus befinden sich in den USA, Großbritannien, Frankreich und Singapur und bedienen unterschiedlichste Märkte. So bauen die Wittener auch kurvengängige Unterwasser-Hebezeuge, die von Tauchern bis zu einer Tiefe von 100 m bedient werden können. Die Produkte aus Witten werden in rund 70 verschiedenen Branchen, z. B. in der Öl- und Gasexploration bzw. -verarbeitung, der chemischen Industrie und dem Schweranlagenbau, eingesetzt.

Und das teilweise unter extremen Bedingungen bei -45 °C oder auch in 100 m Wassertiefe. So werden Druckluft-Hebezeuge standardmäßig mit Tragfähigkeiten von 125 kg bis 100 t hergestellt; die hydraulischen Ausführungen reichen von 3 t bis 100 t. Für Einsatzfälle, bei denen die Last auch horizontal bewegt werden soll, gibt es die Einschienen-Laufkatzen und -Hubwerke. Für sogenannte Big Bags, flexible Schüttgutbehälter mit bis zu 1300 l Inhalt, steht ein spezielles verfahrbares Handling-System mit ein oder zwei Lasthaken zur Verfügung.

„Eine umweltorientierte Unternehmensführung ist uns sehr wichtig“, sagt Wilfried Neuhaus-Galladé. Das Unternehmen lege bereits bei der Entwicklung und Herstellung der Produkte größten Wert auf ökologische Verträglichkeit. „Die Langlebigkeit und die Wiederverwertbarkeit der Erzeugnisse stellen einen wichtigen Beitrag zur Entlastung der Umwelt dar. So lassen sich unsere Produkte dank des patentierten selbstschmierenden Motors ölfrei betreiben“, erklärt Neuhaus-Galladé. In den vergangenen zehn Jahren wurde die gesamte JDN-Industrie-Produktpalette überarbeitet, dazu gehörten die Wartungsfreundlichkeit, Reduzierung des Luftverbrauchs, Endabschaltung und Absturzsicherung.

Dieser Prozess ist auch Arbeitsschwerpunkt von Konstruktionsleiter Simon Brose (44). Er ist zuständig für Produktentwicklung und Konstruktion bei J.D. Neuhaus. Der Diplom-Ingenieur hat an der Hochschule Bochum Maschinenbau mit Fachrichtung Konstruktionslehre studiert, ging dann nach Studienabschluss in die Automobilindustrie zur Firma Brose Schließsysteme nach Wuppertal, machte einen Zwischenstopp im Energieversorgungssektor und ist von dort vor eineinhalb Jahren zu J.D. Neuhaus gewechselt. Sein Aufgabengebiet ist für ihn bis zum heutigen Tag hoch spannend und abwechslungsreich geblieben und bietet ihm stets neue Herausforderungen: „Bei der Entwicklung von pneumatischen und hydraulischen Hebezeugen gibt es immer spezielle Kundenanforderungen.“

Ein wesentlicher Bestandteil ist der Explosionsschutz, sowohl unter Tage als auch in der Ölindustrie und in anderen Industriesektoren. So wird auf Bohrinseln der Bohrlochverschluss (BOP: Blow-Out-Preventer) mit Hebezeugen von J.D. Neuhaus unter teilweise widrigsten Offshore-Bedingungen gehoben und verfahren.

Zu Broses Konstruktionsabteilung gehören zwölf Mitarbeiter, unter ihnen sechs Ingenieure, die gemeinsam mit dem Vertrieb, Einkauf und der Fertigung die Kundenwünsche anhand eines genauen Anforderungskataloges umsetzen. Hier sind viele gute Ideen nötig, um die neuen Funktionen auch in die Fertigung einzubringen. „Wegen der hohen Qualitätsanforderungen produzieren und kontrollieren wir alles an unserem Standort in Witten. Die Prozessentwicklung erfolgt auch hier im Hause; unsere Fertigungstiefe ist dabei sehr hoch“, erklärt Brose.

Einer der größten Märkte für J.D. Neuhaus sind nach wie vor die USA. „Hier sind wir ebenfalls mit unserer gesamten Produktpalette vertreten. So gibt es in der Lebensmittelindustrie große Waschstraßen für die Salatverarbeitung; die Waschbottiche werden von unserer Miniserie in Nass- und Hygienebereiche befördert. In der Landmaschinen- und Automobilindustrie setzt man Druckluft-Hebezeuge aus Witten ein, um in den Produktionsbändern den Montagetakt halten zu können“, erklärt Neuhaus-Galladé. cer

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