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Sonntag, 17. Dezember 2017

Vernetzung

Der Spion in deinem E-Mobil

Von Christiane Schulzki-Haddouti | 22. Juni 2017 | Ausgabe 25

Connected-Car-Funktionen reichen bei E-Autos bis zur Batterieladung. Wie unterschiedlich Hersteller mit der Vernetzung von Fahrzeugen umgehen, zeigt ein Vergleich von sieben beliebten Elektroautos.

Foto: Foto [M]: Renault/panthermedia.net/happyroman/vdi nachrichten

Datenspuren: Speziell E-Mobile sind eng mit Hersteller und Werkstätten vernetzt. Wie weit das gehen kann, zeigt Renault. Die Franzosen können per Fernzugriff u. a. die Ladung unterbinden, wenn der Mietvertrag für die Batterie abgelaufen ist.

Automobilhersteller treiben die Vernetzung vor allem in ihren Modellen mit Elektroantrieb voran. Da umfassen die Onlinefunktionen längst nicht mehr nur die Navigation, sondern auch Assistenzsysteme und das Batteriemanagement. Und nicht nur der Fahrer, sondern auch der Hersteller hat diverse Zugriffsmöglichkeiten.

Während ein Onlinezugriff auf den Motor bei Verbrennern noch ausgeschlossen ist, umfasst die Vernetzung bei Elektroautos bei einigen Modellen bereits die Batterieladung. Für Irritationen sorgt beispielsweise Renault mit seinem Batteriemietvertrag: Eine Klausel erlaubt dem Hersteller „die Wiederauflademöglichkeit zu unterbinden“, wenn der Mietvertrag zeitlich abgelaufen ist. Wird der Vertrag vorzeitig gekündigt, muss Renault immerhin die Deaktivierung zwei Wochen vorher ankündigen.

BMWi

Kia Soul

Mercedes B-Klasse

Nissan Leaf

Renault Zoe

Tesla Model S

VW e-Golf

Möglich ist dies über die Fernsteuerungsfunktion, die der Kunde selbst üblicherweise nutzt, um sich online über die Funktions- und Leistungsfähigkeit der Batterie zu informieren. Dabei erfasst Renault keine Positionsdaten. Hat der Kunde jedoch den Pannendienst gebucht, kann er sich bei Energieausfall auf einen Abschleppservice freuen, der das Fahrzeug bis zu 80 km zu einem gewünschten Ladepunkt bringt.

Inzwischen gibt es die Batterie des Renault Zoe auch per Kaufvertrag. Miete und Kauf sind auch beim Nissan Leaf möglich, der inzwischen zum gleichen Konzern gehört. Doch anders als bei Renault ist hier bislang keine Möglichkeit zur Deaktivierung aus der Ferne bekannt.

Andere Hersteller wie BMW und Mercedes bieten ihren Kunden ebenfalls einen Onlinezugriff auf die Status-Daten der Batterie an: Kunden können per Smartphone-App das Nachladen der Batterie anstoßen und daneben auch die Klimaanlage steuern. Überdies werden bei BMW und Mercedes die Daten online an Vertragswerkstätten übertragen, die bei kritischen Werten entsprechende Wartungs- oder Reparaturvorschläge unterbreiten. Diese Funktion gehört zu den Connected-Diensten der Hersteller, die auch für Modelle mit Verbrennungsmotoren zur Verfügung stehen.

Erst im nächsten Jahr wird der Notrufdienst europaweit für Neuwagen zur Pflicht. Deshalb darf BMW noch darauf hinweisen, dass mit der Deaktivierung des „TeleServices“ und des „Intelligenten Notrufs“ auch die im Fahrzeug verbaute SIM-Karte deaktiviert wird, womit der Notruf nicht mehr zur Verfügung steht. Bei einem Fahrzeugverkauf muss der Kunde inzwischen auch an die Software denken: Bei BMW verpflichtet er sich dazu, alle persönlichen Daten selbst zu löschen und die Verknüpfung zwischen dem Fahrzeug und seinem Nutzerkonto über „Mein BMW ConnectedDrive“ zu beenden. Sechs Wochen vor dem Verkauf kann er die vernetzten Dienste kündigen, die nur für eine begrenzte Laufzeit zur Verfügung stehen. Kündigt der Kunde einen Dienst vor Ende der Laufzeit, wird ihm der dafür entrichtete Preis nicht anteilig erstattet.

Die kritischen Reichweiten werden länger. Der Kia Soul bringt es auf 250 km, der Renault Zoe kommt auf 400 km, Tesla schafft über 500 km. Dennoch ist die Frage, wo sich die nächste Ladestation befindet, noch immer entscheidend. Denn das Ladestationennetz befindet sich noch immer im Aufbau. Typisch für E-Autos sind deshalb einschlägige Navigationsdienste, die von mehreren Anbietern wie Kia und Nissan beherrscht werden. So wird der Ladezustand der Batterie ausgewertet, um den kürzesten Weg zur nächsten Ladestation anzuzeigen. Kia berücksichtigt dafür Informationen zu Geschwindigkeit, Systemleistung, Fahrmodus und Restreichweite. Nissan und Kia kommen hierfür ohne Onlineverbindung aus. BMW errechnet die Reichweite abhängig von Fahrstil, Topografie und der Verkehrssituation, wobei das System auf Daten in der Cloud zurückgreift.

Auffallend ist, dass BMW und Mercedes am ausführlichsten über den Datenschutz informieren. Seitenlang werden einzelne Dienste und die damit verbundenen Datenauswertungen beschrieben. BMW weist ausdrücklich darauf hin, dass alle Datentransfers für die Connected-Dienste mit der üblichen Transportverschlüsselung SSL verschlüsselt werden.

Wie dies bei anderen Hersteller gehandhabt wird, ist nicht immer zu erfahren. Beispielsweise findet sich bei Renault zu den „vernetzten Services“ etwas in den „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ (AGB), doch diese sind sehr allgemein formuliert. Datenschutz bezieht Renault nur auf die „Einwilligung zur Kundenbetreuung und Marktforschung“, über den Umgang mit Fahrzeugdaten wird der Kunde nicht aufgeklärt.

Klar formulierte Datenschutzbestimmungen gibt es bei vielen Herstellern nicht, was sich spätestens im Frühjahr 2018 ändern dürfte, wenn die Europäische Datenschutzgrundverordnung in Kraft tritt. Immerhin konnten die Presseabteilungen von Renault wie auch von Nissan nach einigen Wochen eine knappe Auskunft zur Datenverarbeitung erteilen. US-Pionier Tesla hingegen informiert bisher auf seiner Website mit keinem Wort über die umfangreiche Datenverarbeitung im Fahrzeug. Bis heute gab es trotz wiederholter Nachfrage unsererseits keine Antworten dazu.

Dass die Fahrzeughersteller ein ökonomisches Interesse daran haben, möglichst uneingeschränkt über möglichst viele Daten verfügen zu können, zeigte sich bei der Volkswagen AG. In den AGB ließ sich der Konzern von seinen Kunden das Recht einräumen, „sonstige Daten, insbesondere technische Daten“ wie Geopositionsdaten oder Daten zur Feststellung des Fahrzeugzustands, „nicht ausschließlich“ sowie „zeitlich und inhaltlich unbeschränkt“ zu nutzen.

Die AGB befinden sich derzeit in Überarbeitung, da diese Formulierung einer vor über einem Jahr verabschiedeten „Gemeinsamen Erklärung“ der deutschen Datenschutz-Aufsicht und des Verbands der Automobilindustrie widerspricht. Danach unterliegen alle Daten im Auto dem Datenschutzrecht, sobald sie personenbeziehbar sind. Die niedersächsische Datenschutzbeauftragte Barbara Thiel sorgte mit Volkswagen dafür, dass künftig die Verarbeitung dieser Daten nur mit Einwilligung der Betroffenen erfolgen darf – es sei denn, sie werden anonymisiert.

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