Bahn 29. Aug 2014 R. R. Rossberg

Viermotorige Lokomotiven sollen jährlich bis zu 300 000 l Diesel sparen

Sparsameren und leiseren Betrieb verspricht eine neue Diesellokomotive, die kürzlich im oberbayrischen Mühldorf am Inn vorgestellt wurde. Möglich machen soll das ein neues Antriebskonzept: Während die bisherigen Loks mit Großdieseln ausgerüstet sind, fahren die neuen mit vier kleineren, die je nach Leistungsanforderung zu- oder abgeschaltet werden.

Einsatzbereit: Die mehrmotorigen Lokomotiven der neuen Baureihe 245 haben zunächst im oberbayerischen Mühldorf den Betrieb aufgenommen. Ihre vier Caterpillar-Motoren lassen sich bedarfsgerecht einzeln zu- und abschalten.
Foto: R.R. Rossberg

Die ersten acht Loks der Lokomotiv-Baureihe 245 kommen bei der Südostbayernbahn schon zum Einsatz. Auf der Achse Simbach – Mühldorf – München ziehen sie die stark ausgelasteten Züge mit Doppelstockwagen. Nach Berechnungen der Bahn sollen auf jeder dieser Fahrten 74 l Diesel weniger verbraucht werden als mit der alten Baureihe 218. Das würde sich über ein Jahr auf 300 000 l Kraftstoff kumulieren, was dem Durchschnittsverbrauch von 300 Mittelklasse-Pkw entspricht.

In der neuen Baureihe 245 leistet jeder der vier Caterpillar-Motoren von Zeppelin Power Systems 563 kW. Zum Teil genügt das, um den Zug anzutreiben. Mit der Gesamtleistung von 2252 kW lassen sich jedoch alle betrieblichen Anforderungen bewältigen, wozu u. a. auch die Bordversorgung für die Beleuchtung und die Klimaanlagen gehört. Je nach Anforderung an die Zugkraft und an die sonstige Leistung läuft die nötige Zahl an Motoren möglichst unter Volllast und damit wirtschaftlich, während die übrigen Motoren abgeschaltet bleiben. Als weiterer Vorteil gilt, dass der Zug immer noch weiterfahren kann, wenn ein Motor ausfällt.

Die bisher eingesetzten Großmotoren sind im Teillastbereich weniger effizient, woraus sich die Vorteile des neuen Konzepts ergeben. Historisch gesehen macht die Entwicklung damit aber einen Schritt zurück. Denn die erste leistungsstarke Diesellokomotive V 200, die in den 1950er-Jahren von Krauss-Maffei entwickelt wurde, hatte noch zwei Motoren und konnte notfalls auch mit einem weiterfahren. Der Übergang auf einen Großmotor wurde später mit den günstigeren Gesamtkosten begründet.

Die Anschaffungskosten spielen auch in den jüngsten Überlegungen der Bahn eine Rolle. Bei dem eingebauten Caterpillar-Motor vom Typ C18 handelt es sich um einen in großen Stückzahlen hergestellten Industriemotor. Die Großdiesel für Lokomotiven hingegen wurden immer nur in verhältnismäßig kleinen Serien gebaut, was die Kosten in die Höhe trieb. Auch bei der Instandhaltung und der Ersatzteilbeschaffung schlägt das zu Buche.

Als wichtigster Grund für den Wechsel gilt aber, dass die Caterpillar-Motoren die seit vergangenem Jahr zwingend vorgeschriebenen strengen EU-Abgasnormen IIIB erfüllen, während die Entwicklung entsprechender Großmotoren diesbezüglich noch im Rückstand ist. Bombardier, Hersteller der Mehrmotorenlokomotive mit der Bezeichnung „TRAX P160 DE ME“, hat schon 2011 mit der Deutschen Bahn Regio einen Rahmenvertrag über 200 der Mehr-Motor-Lokomotive geschlossen. Das neue Konzept bedeutet auch eine Abkehr von der in Deutschland bisher überwiegenden dieselhydraulischen Leistungsübertragung zugunsten der dieselelektrischen.

Zunächst kommen zeitgleich zu den acht für Mühldorf bestimmten Loks weitere sieben von Kempten im Allgäu aus zum Einsatz. Die nächsten fünf sind für die Niddatalbahn Frankfurt – Stockheim vorgesehen. Auch für die Auto-Züge über den Hindenburgdamm nach Sylt sind Lokomotiven der Reihe 245 im Gespräch. Unabhängig vom Vertrag mit DB Regio hat Bombardier 20 Mehrmotorlokomotiven an das Hamburger Investmenthaus Paribus verkauft. Sie werden auf der Marschbahn Hamburg – Westerland zum Einsatz kommen. Dort steht eine Ausschreibung an, sodass derzeit noch offen ist, wer die Loks mieten und ab Dezember 2015 einsetzen wird.

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