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Donnerstag, 12. Januar 2017, Ausgabe Nr. 01

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Jubiläum

Die Brücke als System

Von Peter Steinmüller | 15. Dezember 2016 | Ausgabe 50

Vor 75 Jahren erfand Donald Bailey die nach ihm benannte Brücke. Sie brachte ihm den Ritterschlag ein und der Welt ein bis heute im Notfall unverzichtbares Werkzeug.

S27 Bu Brücke SW
Foto: Interfoto/Science_Society/Past Pix

Stabil und flexibel: Im Jahr 1944 wird testweise eine Bailey-Brücke über einen Fluss errichtet. Das Foto demonstriert die Variantenvielfalt der Konstruktion: Als Pontons werden Leichter verwendet, die Brücke ruht auf Pfeilern, die in den Laderäumen errichtet wurden.

Die Fahrbahn: Immer die Balance halten

Foto: ddp images/Hermann Knippertz

Ursprünglich bestand die Fahrbahn nur aus Holz, die bald als Schutz vor Kettenfahrzeugen mit Metall abgedeckt wurde. Die Fahrbahnteile werden als Gegengewicht auf der landwärtigen Seite der Brücke gestapelt, bevor die Brücke in Position geschoben wird. Das gewährleistet, dass sie waagrecht die Balance behält. Längere Baileys sind am typischen Durchhängen zu erkennen. Den Effekt verursacht die simple Verbindung der Teile durch Bolzen, was die Produktion und Montage vereinfacht. Moderne Konstruktionen nutzen dagegen Schraubverbindungen, bei denen die Bauteile weniger Spiel haben.

Der Alleskönner unter den Brücken

Die Montage: Muskelkraft ersetzt den Kran

Foto: Landesbetrieb Straßenbau NRW

Arbeiter montieren die Seitenteile einer Bailey--Brücke. Zum Einsatz kommen die Bailey-Brücken häufig bei Straßenbauarbeiten: Nur mit Muskelkraft entstehen schnell Behelfsbrücken in einem Gelände, das mit einem Kran nur schwer und für viel Geld zu erreichen ist. Für den Aufbau der von der Bundesverwaltung eingelagerten Systembrücken ist das THW zuständig. Im Ausland errichtete das THW Bailey-Brücken in Honduras, Ruanda und Tunesien.

Donald Bailey: Der Erfinder

Foto: Wikicommons/gemeinfrei

Der Ingenieur Donald Bailey war Angestellter im britischen Kriegsministerium, als er im Jahr 1941 die nach ihm benannte Brücke erfand. Sie war aus Stahl einfach zu fertigen und schonte so die knappen Produktionskapazitäten. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Bailey-Teile mit einem Gewicht von fast 0,5 Mio. t produziert. König Georg VI. schlug 1946 Donald Bailey zum Ritter.

Dwight D. Eisenhower: Der Kriegsherr

Foto: Wikicommons/gemeinfrei

Für den späteren US-Präsidenten Eisenhower war die Bailey-Brücke zusammen mit dem Radar und dem Langstreckenbomber eine der drei wichtigsten Entwicklungen des Krieges. Alliierte Truppen überquerten mithilfe der Bailey-Brücken von der Orne in der Normandie bis zum Rhein bei Wesel alle wichtigen Ströme, die bei der Befreiung Europas ein Hindernis bildeten. Die US-Armee nutzte das Brückengerät noch bis in die 1980er-Jahre.

Konrad Adenauer: Der Nutznießer

Foto: dpa/Picture-Alliance/Fred Stein

Die erste feste Brücke über den Rhein nach dem Zweiten Weltkrieg war eine Bailey-Konstruktion bei Köln. Sie führte so hoch über den Strom, dass selbst bei Hochwasser die Schiffe ungehindert passieren konnten. Auch die Kollision mit einem Schlepper konnte der Konstruktion nichts anhaben. Konrad Adenauer profitierte für den Weg von seinem Haus im rechtsrheinischen Rhöndorf in die Kölner Innenstadt von der Brücke. 1951 wurde sie abgetragen.

Alexander Dobrindt: Der Brückenwart

Foto: Bundesregierung/Kugler

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ist Herr über das Brückengerät, das für den Verteidigungs- und Katastrophenfall eingelagert ist. Gemessen am Gewicht, entfallen 1 % dieses Gerätes auf Bailey-Bauteile, eine Ausmusterung ist nicht geplant. Allein in Nordrhein-Westfalen sind 236 t dieses Musters in den beiden Brückenlagern verstaut. Zum Einsatz kamen die Bauelemente bei den Elbe-Hochwassern von 2002 und 2010. Zugelassen sind Bailey-Brücken für Radfahrzeuge bis zu 30 t Gewicht.

Der Alleskönner unter den Brücken

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