Umweltfreundliche Platten aus Gipskarton 04. Dez 2015 Daniela Becker

Innenausbau: Atmungsaktives Baumaterial aus Getreideabfällen

Atmungsaktiv, aus Abfall hergestellt und kompostierbar – so kommt ein umweltfreundlicher Ersatz für Gipskartonplatten daher, mit den ein britisches Start-up entwickelt hat.

Thomas Robinson, Gründer von Adaptavate, mit dem Breathaboard, einer aus Getreideabfällen gefertigten kompostierbaren Platte.
Foto: Adaptavate

Irgendwann habe er die riesigen Mengen Gipsplatten, die bei der Sanierung von Gebäuden auf die Deponie wandern, einfach nicht mehr ansehen können, erzählt Bauunternehmer Thomas Robinson. Solche Gipsplatten kommen beim Bau vielfach zum Einsatz, als Verkleidung nichttragender Innenwände oder von technischen Einrichtungen.

Der Brite wollte anstatt der Gipsplatten lieber eine umweltfreundliche Alternativen einsetzen, doch er fand keine. Also erprobte Robinson selbst monatelang verschiedene Bioverbundstoffe. Das Ergebnis ist das „Breathaboard“, dessen Marktreife er nun gemeinsam mit zwei Partnern in dem Start-up-Unternehmen Adaptavate vorantreibt.

Getreideabfall als Rohstoff ist atmungsaktiv und verhindert Kondensation und Schimmel in der Wohnung

Gefertigt wird die Platte zum überwiegenden Teil aus einem Material, das massig verfügbar ist und ohnehin anfällt: Getreideabfälle aus der Landwirtschaft. Das natürliche Material habe zahlreiche Vorteile gegenüber Gipskarton. „Er ist atmungsaktiv, verhindert Kondensation und Schimmel in der Wohnung, und kann so den Verlauf von Krankheiten mildern, die durch Feuchtigkeit ausgelöst werden – wie etwa Asthma“, sagt Robinson.

Die Atmungsaktivität des Materials reduziere den Bedarf an mechanischer Belüftung, was auch den Energiebedarf senke. Die Platte sei zudem feuerfest, ihre Installation unproblematisch und laufe genau wie bei Gipsplatten – nur dass das Breathaboard weniger Gewicht habe, schildert Robinson weitere Vorzüge seiner Erfindung.

Recyclingfähigkeit als Pluspunkt

Größter Pluspunkt: Nach Gebrauch sind die Platten nach Aussage von Robinson vollständig kompostierbar, was die Entsorgung denkbar einfach macht. Ein riesiger Umweltvorteil gegenüber herkömmlichem Gipskarton. Denn grundsätzlich ließen sich zwar viele gipshaltige Baumaterialien gut recyceln. Tatsächlich aber läuft das stoffliche Recycling trotz Selbstverpflichtung der Gipsindustrie nur sehr schleppend an.
Seit Monaten räumt die Idee für einen alternativen Gipskarton jede Menge Umweltpreise ab.
Ein Großteil der 500 000 t Gipskarton, die allein in Deutschland pro Jahr anfallen, wird nach wie vor deponiert oder im Ausland zur Verfüllung von bergbaulichen Hohlformen genutzt. Beides ist nicht ganz unproblematisch, da Gipsabfälle, die zusammen mit organischen Bestandteilen abgelagert werden, Sulfate absondern und Methangas bilden können. Die Deponierung ist zudem kostspielig und geeignete Räume werden knapper.

Grüne Konkurrenz zum Gipskarton in konservativer Baubranche

Thomas Robinson versteht sich selbst als Vertreter einer immer größer werdenden Gruppe Menschen, die es nicht hinnehmen wollen, dass durch den immensen Rohstoffverbrauch „der Welt Schaden zugefügt wird“. Der traditionellen konservativen Baubranche möchte er mit seiner grünen Gipskonkurrenz „einen neuen Atem einhauchen“, beschreibt Thomas Robinson seine Beweggründe.

Zwar sind die problemfreie Kompostierbarkeit und der Brandschutz bisher nicht von einer externen Stelle zertifiziert. Sicher ist aber schon jetzt: Der kreislauffähige Ansatz des Produkts trifft einen Nerv der Gesellschaft. Das Start-up räumt für seine Idee seit Monaten Umwelt- und Klimaschutzpreise ab; zuletzt gewann es den europaweit ausgeschriebenen Gründerpreis „Green Alley Award“.

Als der britische Stararchitekt Kevin McCloud das junge Unternehmen in seiner TV-Show „Grand Designs“ gar als „Green Heroes“ vorstellte, fanden sich daraufhin rasch 80 Testkunden, darunter Bauunternehmen und private Interessenten, die rund 20 000 m² des umweltfreundlichen Materials bei Adaptavate vorbestellten.

„Wir bauen nun einen Prozess auf, mit dem wir diese Mengen produzieren können“, sagt Robinson. Bis Ende des Jahres wollen die Jungunternehmer soweit sein.

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