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Donnerstag, 22. Juni 2017, Ausgabe Nr. 25

Donnerstag, 22. Juni 2017, Ausgabe Nr. 25

Heiko Mell

Haben Sie Fragen zu Ihrer Karriere oder Karriereplanung?

Heiko Mell

Dr.-Ing. E. h. Heiko Mell, Personalberater und Geschäftsführer der Heiko Mell & Co GmbH in Rösrath, gibt Ihnen wertvolle Tipps.
Er beantwortet Ihre Karrierefragen, sofern sie sich für eine öffentliche Darstellung in den VDI nachrichten eignen, diese Fragen und Antworten sind auch im Internet zugänglich.
Die Bearbeitungszeit ist dabei begrenzt, unter den wöchentlich eingehenden Fragen wird eine Auswahl getroffen, wir bitten dafür um Verständnis.
 
Senden Sie uns Ihre Fragen an Heiko Mell per E-Mail oder Post.

VDI Verlag GmbH
VDI nachrichten Karriereberatung
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40001 Düsseldorf

karriereberatung@vdi-nachrichten.com

 

STUDIUM

Positionswechsel trotz berufsbegleitenden Studiums?

2.890. Frage/1: Ich habe vor fünf Jahren ein duales Studium bei einem großen X-Hersteller begonnen.

Am Rande: Ich kann das System des dualen Studiums nur jedem wärmstens empfehlen. Dieses Studium habe ich vor wenigen Wochen mit 1,8 (Bachelor) beendet. Das hat mich umso mehr gefreut, da ich vor diesem dualen Studium erfolglos ein Universitätsstudium an der TU Berlin absolviert hatte. Die Erfolglosigkeit war im Übrigen der Hauptgrund für meinen Wechsel, der andere war der fehlende Praxisbezug an der TU.

 

Antwort/1: Der Erfolg im Beruf hängt, ich gebe es zu, durchaus auch von der Fachqualifikation, von der fachlich überzeugenden Lösung der dem Mitarbeiter gestellten Aufgaben ab. Aber Sie sollten diesen Aspekt nicht überbewerten (ich räume ein, das ist ein wenig überspitzt). Meist sage ich es so: Gute bis sehr gute fachliche Arbeit ist selbstverständlich, auf den Rest von Eigenschaften, Fähigkeiten und gegebenen Konstellationen (zu denen auch Glück und Zufall gehören) kommt es an.

Sie, beispielsweise, argumentieren in höchstem Maße ungeschickt bis unglücklich. Schauen wir uns das im Detail an:

Sie haben einen Bachelor im dualen Studium mit einem Abschluss erreicht, der auf Abiturniveau (2,0 lt. beiliegendem Zeugnis) liegt. Das ist in Ordnung. Daraufhin dürften Sie diese Art des Studiums durchaus empfehlen – das macht jeder mit seinem speziellen Weg (sofern er das Ziel erreicht hat).

Aber Ihr Lob hat ein „Geschmäckle“: Sie hatten ein Uni-Studium nach sechs Semestern erfolglos abgebrochen. Und das bei einem Abitur von 2,0 mit Leistungskursen in Mathematik und Physik. Das ist eine persönliche Niederlage. Mit etwas Anstrengung und Einsatz hätten Sie das TU-Studium eigentlich schaffen müssen.

Natürlich dürfen Sie „fehlenden Praxisbezug an der TU“ anführen – aber das Argument wirkt durchschlagender, wenn man erst das Universitätsstudium mindestens mit 2 abschließt und dann (!) murmelt: „Na ja, besonders praxisbezogen war das gerade nicht.“ Sie sprechen selbst von der Erfolglosigkeit Ihrer Bemühungen an der TU – jeder wird vermuten, dass dort der wahre Grund für Ihren Studienabbruch lag.

Also lautet mein Rat: Werfen Sie der TU nichts vor, auch keinen fehlenden Praxisbezug. Sagen Sie einfach: „Ich habe es dort nicht geschafft und meinen Weg im dualen Studium gefunden.“ Aber geben gerade Sie mit Ihren speziellen Resultaten keine „wärmste“ Empfehlung für Ihr zweites Studium ab. Es sei denn, Sie würden formulieren: „Menschen, die das TU-Studium nicht schaffen, kann ich das duale Studium wärmstens empfehlen.“ So weit will aber wohl niemand gehen.

Denken Sie auch daran, dass Sie im Berufsleben vielen Uni-/TU-/TH-Absolventen begegnen werden, die entweder über Ihre Bewerbung entscheiden oder Ihre Chefs werden. Denen imponiert Ihr Weg grundsätzlich nur bedingt – und wenn Sie dann auch noch den in deren Augen „leichteren“ Studiengang wärmstens empfehlen, haben die dafür nur ein müdes Lächeln.

Noch eine Anmerkung zu einem Detail Ihrer Unterlagen: Sie haben die Abiturprüfung im Leistungsfach Mathematik verhauen und nur mit „befriedigend“ abgeschlossen, deutlich schlechter als es Ihre entsprechenden Leistungen in diesem Fach in den Halbjahren davor waren. Was immer die Ursache gewesen sein mag, das hätte ein Warnsignal sein sollen: Mit einer 3 in Mathematik ist ein Studium der Ingenieurwissenschaften an einer TU stets ein Risiko.

Damit kein Missverständnis aufkommt: Sie können ein überaus tüchtiger Mitarbeiter sein und werden, Ihnen kann unbedingt eine tolle Karriere winken. Das hat mit dem bisher von mir betrachteten Aspekt nichts zu tun. Ich rate nur zu einer geschickteren Argumentation in eigener Sache, insbesondere im Hinblick auf Entscheidungsträger, an die Sie geraten können und die Ihre Schlussfolgerungen so nicht nachvollziehen werden.

 

Frage/2: Nach dem Bachelorstudium konnte ich in Teilzeit in die Abteilung meines betrieblichen Mentors übernommen werden, was meinem Wunsch entsprach. In dieser Abteilung war ich bereits in den Praxisphasen des dualen Studiums tätig gewesen. Damit kenne ich alle Prozesse und Aufgaben dort. Die Arbeit macht mir zwar Spaß, aber ich weiß, dass ich in dieser Abteilung nicht „alt“ werden möchte.

Aufgrund des Erfolgs meiner Bachelorthesis (1,0) …

 

Antwort/2: Die Bachelorarbeit (wie sie im offiziellen Notenblatt ganz profan heißt) könnte gar nicht besser beurteilt worden sein. Aber: Seien Sie bitte auch wieder nicht zu stolz darauf. Eine sehr gute Note bei solchen Arbeiten ist z.B. im FH-Bereich, dem das duale Studium in den Augen der Praxis näher kommt als dem TU-/TH-Studium, durchaus nicht unüblich.

Da Sie mir aber das Notenblatt mitsenden, sehe ich es mir an. Und finde Ausreißer, die mich an Ihre Abiturprüfung erinnern: Technische Mechanik I: 1,0; Technische Mechanik II und III: 4,0; viele sehr gute Noten, aber auch schwächere: Management- und Entscheidungstheorie 3,0. Wir wollen das nicht überbewerten, aber achten Sie darauf, bei künftigen Studienresultaten nach Möglichkeit allzu große Spreizungen zu vermeiden.

 

Frage/3: … absolviere ich nun ein Masterstudium berufsbegleitend zu meiner Teilzeitanstellung. Den Vorlesungsteil des Masterstudiums versuche ich in einem Semester durchzubringen, damit ich mich in den kommenden zwei Semestern voll und ganz auf mein mit dem Masterstudium einhergehendes Entwicklungsprojekt konzentrieren kann.

Es offenbaren sich mir momentan Möglichkeiten (gut gebrüllt, Löwe; H. Mell), intern in einen anderen, von mir bevorzugten Fachbereich zu wechseln. Jedoch dann in Vollzeit und ohne Aufstieg gegenüber meiner heutigen Position.

Halten Sie diesen Wechsel für sinnvoll? Oder wäre ein „die Füße stillhalten“ besser, bis ich mein Masterstudium vollendet habe und dann gleich den Aufstieg in eine verantwortungsvollere Position anstreben könnte? Die planmäßige Vollendung des Masters fiele auch zeitgleich mit meinem 4,5 bis 5-jährigen Jubiläum in der jetzigen Abteilung zusammen.

Ich freue mich sehr auf Ihre Antwort!

Antwort/3: Ich hoffe nur, Sie freuen sich auch nach dem Lesen derselben noch darüber. Das würde wiederum mir gefallen.

Herzlich gelacht habe ich über Ihr „Jubiläum“. Zunächst einmal spricht man im betrieblichen Rahmen so ab 25 Dienstjahren bei einem Arbeitgeber davon. Und dann lautet die Regel: Man soll nach dem Studium möglichst auf mindestens fünf (Faustregel!) Dienstjahre pro Arbeitgeber kommen; für einzelne Positionen oder Abteilungen innerhalb eines Unternehmens gibt es dabei keine konkreten Vorgaben. Also vergessen Sie diesen Aspekt in Ihrem Fall einmal komplett.

Ich muss aber noch etwas zurechtrücken: Wie immer man den von Ihnen angestrebten Master Ihrer „Hochschule ABC-Stadt“ auch einordnet, er rangiert keinesfalls (!) etwa über dem früheren Dipl.-Ing. oder heutigen Master einer TU wie Ihrer früheren in Berlin. Und deren Absolventen gelten grundsätzlich erst einmal als Berufsanfänger, denn als Dipl.-Ing. TU oder Master (auch TU, aber man schreibt das nicht mehr dahinter) haben sie ja noch keine Praxis. Dieses „Schicksal“ blüht also auch Ihnen nach dem Masterabschluss.

Dies gilt ganz besonders bei einem Abteilungs-/Fachgebietswechsel. Man bietet eben in der Regel Berufsanfängern noch keine Aufstiegspositionen an. Wohl ist es möglich bis üblich, den Master mit anspruchsvolleren Fachaufgaben als den Bachelor anfangen zu lassen.

Schön, Sie kratzen argumentativ etwas an Berufserfahrung aus Ihrer Vor-Master-Zeit zusammen. Aber teils waren Sie in jener Zeit noch Student, teils haben Sie während des Masterstudiums in Teilzeit gearbeitet. Sie wären etwa ein Master-Berufsanfänger, der anderen dieser Kategorie durch einige Praxis vor Studienabschluss etwas voraus hat. Das berechtigt nicht zur Einnahme von Führungspositionen, verbessert aber Ihre Einstiegschancen oder Ihre Aussichten auf besonders anspruchsvolle Aufgaben.

Noch etwas sollten Sie berücksichtigen: Wenn Sie während des Studiums in Ihrer Abteilung bleiben, sind Sie für Ihren Chef jeden Tag einfach „der Herr Müller“. Er sieht und beurteilt Ihre Arbeit, er bewertet Ihre Persönlichkeit, er macht sich ein Bild von dem „Mitarbeiter Müller“ mit all seinen Stärken und Schwächen. Wenn Sie dann eines Tages aufgeregt zu ihm kommen und mit Ihrer frischgedruckten Master-Urkunde wedeln, wird er ganz ruhig sagen: „Schön, Glückwunsch auch. Gehen Sie damit zur Personalabteilung, die sollen das abheften. Ach, wo Sie gerade hier sind, es gibt da ein Problem mit Ihrem Projekt. Sie müssen unbedingt …“

Weil dieser heutige Chef Ihr Mentor ist, wird er das etwas einfühlsamer gestalten, aber so ähnlich wird er denken. Für ihn sind Sie mit neuer Master-Urkunde derselbe Mensch, der Sie am Tag davor ohne das „Papier“ waren. Er sieht also nur bedingt ein, dass Sie noch gestern etwa weniger leistungsstark waren oder eben heute etwas stärker sein sollten als gestern. Er wartet einfach, ob Sie nun, dank der höheren Qualifizierung, Ihre Aufgaben so dramatisch besser lösen, dass man Sie unbedingt befördern muss.

Und würden Sie jetzt die Abteilung wechseln, ginge es dem neuen Chef mit Ihnen ebenso. Da der aber nicht auch noch Ihr Mentor wäre, dächte und handelte der mit noch größerer Wahrscheinlichkeit so wie von mir eben skizziert.

Das spricht nicht gegen den Master, ganz im Gegenteil. Das Studium erweitert Ihren Horizont, vertieft Ihr Fachwissen, lässt Ihre Persönlichkeit reifen – und hilft somit mittelfristig bei der Realisierung von Karrierezielen. Aber, sagen wir es so, Ihre Bemerkung „ohne Aufstieg“ würden Sie die Abteilung wechseln müssen, ist unrealistisch. Vor allem auch, weil Sie im Moment ja nur Master-Student sind – und die steigen in der Regel noch nicht auf.

Zum Kern Ihrer Frage: Ich rate in jedem Fall, klare Prioritäten zu setzen. Und Ihre Priorität muss heißen: erfolgsreicher Abschluss des Master-Studiums möglichst mit einem Ergebnis, an dem Leute wie ich später nicht herummäkeln können. Und das geht am sichersten in der vertrauten Arbeitsumgebung mit dem ebenso vertrauten Chef und Mentor sowie in Teilzeit. Denken Sie daran: In Ihrem Lebenslauf steht das Scheitern beim TU-Studium. Es sollte sich im Ausbildungsbereich nichts mehr ereignen, was als Wiederholung („Sie tun es immer wieder“) gewertet werden könnte. Dieses Ziel muss für Sie zunächst unangefochten auf Nummer eins Ihrer Prioritätenliste stehen.

Viel Glück, Sie werden es schon machen!

 

Service für Querleser:

1. Schwächen in Mathematik passen schlecht zu einem Ingenieurstudium auf TU-/TH-/Uni-Niveau.

2. Ein Scheitern bei einem Studium lässt sich grundsätzlich verkraften, wenn ein neuer Anlauf erfolgreich verläuft. Aber entsprechende Probleme sollten sich im Lebenslauf nicht wiederholen.

 

LESERREAKTION

Wenn dem Selbstständigen das Fachwissen fehlt

2.891. Frage: In der Frage 2.852 fehlte einem Selbstständigen spezielles Fachwissen. Ich habe noch eine Ergänzung zu Ihren drei Vorschlägen.

Auch ich habe mich sehr früh in meiner Karriere selbstständig gemacht und stand am Anfang vor dem gleichen Problem. Ich habe dann folgende Maßnahmen ergriffen, um diese Lücken zu füllen:

1. Ich habe die Lücken identifiziert und mich dann als Gasthörer an einer TU eingeschrieben.

2. Ich habe mir Fachliteratur besorgt und im Selbststudium weiter mein Wissen vertieft.

3. Als ich genug Know-how hatte, habe ich mich als Dozent an der … beworben und dort Vorlesungen in Konstruktionslehre gehalten, Übungen sowie Studien-, Bachelor- und Masterarbeiten betreut. Das hatte für mich den Vorteil, dass ich immer die neusten Entwicklungen mitbekommen habe.

Dadurch bin ich nach und nach auf meinem Fachgebiet zu einem international anerkannten Fachmann geworden.

Wenn das alles noch nicht genügt, gibt es genügend Weiterbildungsmöglichkeiten, die auch von Selbstständigen genutzt werden können, z. B. Zertifikate für Projektmanager, Weiterbildungen im Bereich CAD o. ä.

Antwort: Interessante Hinweise, vielen Dank dafür. Ihre Anregung Nummer drei ist besonders durchdacht, eignet sich aber natürlich nicht für jeden.

Generell gilt, das muss man auch sehen: Eigener Wissenserwerb ist möglich, löst auch grundsätzlich die damals beschriebenen Probleme – ist aber ebenso aufwendig wie erst langfristig wirksam. Der Selbstständige muss aufpassen, dass er nicht vorher pleite ist.