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Freitag, 13. Mai 2016, Ausgabe Nr. 19

Freitag, 13. Mai 2016, Ausgabe Nr. 19

Heiko Mell

Haben Sie Fragen zu Ihrer Karriere oder Karriereplanung?

Heiko Mell

Dr.-Ing. E. h. Heiko Mell, Personalberater und Geschäftsführer der Heiko Mell & Co GmbH in Rösrath, gibt Ihnen wertvolle Tipps.
Er beantwortet Ihre Karrierefragen, sofern sie sich für eine öffentliche Darstellung in den VDI nachrichten eignen, diese Fragen und Antworten sind auch im Internet zugänglich.
Die Bearbeitungszeit ist dabei begrenzt, unter den wöchentlich eingehenden Fragen wird eine Auswahl getroffen, wir bitten dafür um Verständnis.
 
Senden Sie uns Ihre Fragen an Heiko Mell per E-Mail oder Post.

VDI Verlag GmbH
VDI nachrichten Karriereberatung
Postfach 10 10 54
40001 Düsseldorf

karriereberatung@vdi-nachrichten.com

KARRIERE

Aufstieg oder „Technik pur“?

2.815. Frage:

Ich arbeite in der Entwicklung bei einem Dienstleister. Offiziell bin ich als Prüfstandsingenieur eingestellt. Zunächst war ich gleichzeitig stellvertretender Schicht-/Teamleiter. Seit einiger Zeit bin ich der kommissarischSchicht-/ Teamleiter. Als solcher habe ich jedoch immer weniger mit der Technik zu tun. Meine Frage ist: Wie sinnvoll ist es für meinen Lebenslauf, die Teamleitung aufzugeben, um mich ein paar Jahre in die Technik zu vertiefen?

Antwort:

Ich fange einmal damit an, was wir alles nicht wissen, was jedoch durchaus Einfluss auf die Antwort hätte haben können:

– Wie alt sind Sie, wie lange nach Ihrem Examen arbeiten Sie überhaupt schon?
– Wie lange hat Ihre Tätigkeit vor Ihrer Ernennung zum kommissarischen Schicht-/Teamleiter gedauert?
– Was für eine Art „Dienstleister“ (ein pauschaler Sammelbegriff sowohl für Arbeitnehmerüberlasser als auch für Entwicklungsdienstleister, die zwar für Kunden arbeiten, deren Mitarbeiter aber in eigenen Büros außerhalb der Kundenräume tätig sind) ist Ihr Arbeitgeber?
– Was wollen Sie, was erwarten Sie vom Berufsleben, welche Ziele haben Sie, welche Art von Karriere streben Sie an, wann wollen Sie was erreicht haben?

Ohne dieses Wissen muss die Antwort zwangsläufig pauschal ausfallen – gut für die anderen Leser, die sich dann weniger mit den Details Ihrer speziellen Gegebenheiten beschäftigen müssen.

Versuchen wir es einmal so: Ein junger Ingenieur könnte davon träumen, eines Tages technischer Leiter eines Unternehmens zu werden. Dann wäre er
– etwa im Maschinenbau
– Chef der Entwicklung/Konstruktion, der Produktion, der Instandhaltung und noch einiger weiterer techniknaher Abteilungen.
Dieses Ziel ist absolut in Ordnung. Nicht alle, die so etwas anstreben, erreichen es. So mancher wird als Gruppen- oder Abteilungsleiter in der Entwicklung in Pension gehen, das ist nun einmal so. Man muss oft viel wollen, um zumindest etwas zu erreichen.

Ein technischer Leiter übrigens hat den ganzen Tag mit Technik zu tun: Er sieht zu, dass sein Bereich stets über neue Produkt‧ideen verfügt, die er dem Vertrieb anbieten kann; er kümmert sich um den technischen Vorsprung vor Wettbewerbsprodukten und entscheidet, welches neue CAD- oder ERP-System für viel Geld eingeführt wird, ob man die neue Baureihe selbst fertigt oder sie in der bulgarischen Tochter billiger produziert oder ob man mittelfristig eher auf Zulieferer als auf Eigenproduktion setzt. Er hat auf technischer Ebene Kontakt mit wichtigen Kunden, lässt sich auf Messen sehen, entscheidet maßgeblich über die Besetzung der Entwicklungsleiter-Position und ringt mit den Kaufleuten um Investitionsmittel für neue CNC-Maschinen und eine weitgehende Automatisierung der Montage durch Einsatz entsprechender Roboter. Das ist nur beispielhaft, aber sicher in der Tendenz realistisch.

Ein solcher Mensch ist ein technischer Manager. Aber in der Regel konstruiert er nicht mehr selbst, er ist in der Produktion nicht mehr direkter Vorgesetzter der Facharbeiter oder Meister, er kann die wichtigste Maschine, die unter seiner Verantwortung hergestellt wird, nicht mehr mit verbundenen Augen auseinanderbauen und zusammenfügen. Und um die Frage der Stahlqualität oder der Toleranzen der einzelnen Bauteile kümmert er sich nicht mehr selbst, dafür hat er unterstellte Mitarbeiter.

So, wenn nun ein Mensch mit derartigen Ambitionen die Chance hat, früh in seiner Karriere Team-/Schichtleiter zu werden, dann greift er mit beiden Händen begeistert zu.

Ein Ingenieur aber muss natürlich nicht so denken, muss nicht danach streben. Er kann sich auch für eine Laufbahn entscheiden, in der er sich selbst um die technische Lösung ihm in der Regel vorgegebener Probleme kümmert. Er kann erklären, als Leiter könne er ja nicht „ingenieurmäßig“ arbeiten, da sei er ja mehr Budgetverwalter als alles andere. Und er darf sich darauf freuen, in rein ausführender Funktion im Laufe der Jahre immer (relativ) jüngere Vorgesetzte zu bekommen, die im Detail viel weniger wissen als er, aber ihm sagen, wo es langgeht. Übrigens: Kaufleute, die als Diplomkaufleute oder -betriebswirte auch ein anspruchsvolles Studium hinter sich haben, kennen in ihrem Fachgebiet nicht einmal entsprechende Begriffe (etwa „kaufmännischmäßig arbeiten“) und werden meist ausgesprochen gern Leiter Controlling oder Leiter Rechnungswesen.

Sie, geehrter Einsender, müssen wissen, wohin Ihre Reise gehen soll. Es geht nicht um die objektiv „richtige“ Entscheidung“, es geht einfach darum herauszufinden, was Sie wollen, wo Sie glücklicher werden.

Hinzu kommen dann noch so „Kleinigkeiten“ wie:
– im Management verdient man sehr viel (!) mehr;
– ein unbegabter Konstrukteur ist eine traurige Erscheinung, ein unbegabter Konstruktionsleiter ist eine Katastrophe;
– Aufstieg ist ein „Weg ohne Wiederkehr“; wenn Sie einmal „Leiter“ sind, ist
– wie auf einer Einbahnstraße
 – nur noch „Parken“ oder „weiter in dieser Richtung“ möglich, eine Umkehr jedoch kaum.

Wie so oft im Leben gibt es auch hier kein standardisiertes Verfahren, mit dem man schon als Student ermitteln kann, wofür die Begabung ausreicht, wo Grenzen liegen, wo ein Scheitern droht. „Talent bricht sich Bahn“, sagt man. Und was man will, muss man selbst wissen – oder herausfinden.

Wenn das maßgebliche berufliche Umfeld Sie schon einmal zum stellvertretenden und dann zum kommissarischen Leiter gemacht hat, dann sind das doch schon handfeste Indizien. Ihre Chefs verstehen sicher ein bisschen von diesen Dingen, die sollten eine totale Unbegabung für Leitungsfunktionen schon erkennen – aber Sie hat man befördert.

Sie sind gerade kommissarischer Leiter geworden. Jetzt arbeiten Sie erst einmal so, dass man Ihnen diesen Status nicht wieder wegnimmt (dieses Risiko steckt nämlich im Wort „kommissarisch“ drin). Dann kämpfen Sie darum, möglichst bald (sechs Monate bis zwei Jahre) „richtiger“ Leiter zu werden und das bei glänzender Beurteilung mindestens drei Jahre lang zu bleiben. Dann könnte es in die nächste Leitungsebene hinaufgehen.

Übrigens haben Sie nicht gesagt, dass Sie Ihren Leitungsjob ungern ausüben, ihn nicht mehr wollen oder sich dort fehl am Platze fühlen. Auch das ist in meine Aussagen eingeflossen.

 

Service für Querleser:

Wenn man anspruchsvolle Karriereziele hat, spricht nichts gegen eine frühzeitige erste Beförderung – außer man fühlt sich dabei unwohl, überfordert oder schlicht „zu jung“. Aber allzu ängstlich darf man auf dem Weg nach oben nicht sein.

 

 

BEWERBUNG

Lücke zwischen Studium und Berufseinstieg

2.816. Frage:

Unmittelbar nach meinem Studienabschluss (Wirtschaftsingenieurwesen, Note 1,8) fiel es mir schwer, eine passende Stelle zu finden, dadurch war ich ein halbes Jahr arbeitslos. Gründe dafür waren meine anfängliche Konzentration auf wenige Wunschstellen und eine hohe Nervosität in Vorstellungsgesprächen (heute überwunden).

Jetzt bin ich seit fünf Jahren bei einem Unternehmen tätig. Wie gehe ich bei anstehenden Bewerbungen mit dieser Lücke um?

Antwort:

 Gelassen, absolut gelassen. Nach den anschließenden fünf Jahren der Berufstätigkeit interessiert sich kaum noch jemand für jene „alte“ Lücke. Lassen Sie die Zeit im Lebenslauf einfach unerwähnt und reden Sie auch im Anschreiben nicht darüber.

Im Vorstellungsgespräch sprechen Sie über Ihr Studium und über den heutigen Job – aber nicht ungefragt über jene Lücke. Sollte Sie jemand gesprächsweise darauf ansprechen, dann sagen Sie lächelnd, es sei Ihr typischer Anfängerfehler gewesen, Sie hätten mit den Bewerbungen erst nach abgeschlossenem Examen angefangen, heute seien Sie klüger. Die Gegenseite wird das „abhaken“.

Da wir gerade dabei sind, noch ein Wort zu Ihren damaligen Fehlern:

a) Berufseinsteigerjobs sind zeitweise schwer zu bekommen. Daher ist die Beschränkung des Bewerbers auf Kontakte zu wenigen Wunscharbeitgebern – die immer auch die Wunschunternehmen der anderen Anfänger sind – nicht zu verantworten. Sie verlieren unnötig Zeit, was noch nach Jahrzehnten aus Ihren Unterlagen hervorgeht.

Sie hatten Glück mit Ihrer anschließenden fünfjährigen, als sehr solide geltenden Beschäftigungsphase. Wenn stattdessen im Lebenslauf zwei sehr kurze Dienstzeiten sowie dazwischen neun Monate Arbeitslosigkeit stünden, würde man alles ab Studienende in einer Betrachtung zusammenfassen. Dann würde jene frühere Arbeitslosigkeit zum Eindruck von allgemeinem Chaos beitragen.

b) Ihre Aufgeregtheit bei Vorstellungsgesprächen ist grundsätzlich normal, insbesondere bei Berufseinsteigern. Es gilt: Routine hilft. Nach zehn Gesprächen bei einer Aktion absolvieren Sie das elfte schon viel ruhiger. Auch das spricht gegen die Beschränkung auf wenige Traumarbeitgeber.  

 

Service für Querleser:

Bei Lücken im Lebenslauf spielt es eine entscheidende Rolle, wie lange sie zurückliegen und wie sehr sie durch anschließende solide Beschäftigungsphasen „überdeckt“ werden.

 

 

BERUFSWEGPLANUNG

Von der Beratung in die Linie?

2.817. Frage:

Ich bin in meiner ersten Anstellung seit mehreren Jahren bei einer mittelständischen Fachberatung tätig. Man schätzt hier meine Arbeit, grundsätzlich sind Aufstiegschancen vorhanden. Ich habe aber das Gefühl, mich zu stark in einer Nische zu bewegen (es gibt nur wenige potenzielle Arbeitgeber) und erwäge deshalb einen externen Wechsel.

Mein Ziel ist es, auf meinem Fachgebiet entweder bei einem der bekannteren Industrieunternehmen oder einem der großen Dienstleister zu arbeiten. Später würde ich dann gern dort oder bei einem kleineren Unternehmen ins untere oder mittlere Management aufsteigen.

Nun sind in meinem Metier deutlich mehr potenzielle Arbeitgeber und spätere Aufstiegsmöglichkeiten im operativen Geschäft vorhanden. Aber die logische Fortsetzung meiner aktuellen Tätigkeit wären Stabsstellen, von denen es deutlich weniger gibt.

Ist es akzeptabel, sich auch auf anspruchsvolle Einstiegspositionen (Anfänger) in diesem Bereich zu bewerben?

Antwort:

Nur noch einmal zur Erinnerung: Der klassische, unbedingt empfehlenswerte Berufsweg führt anlässlich von Arbeitgeberwechseln zum etwas kleineren Unternehmen (dem das größere Haus, von dem man kommt, in der Regel „imponiert“), wobei man den „Verlust“ an Arbeitgebergröße durch eine höhere Position im neuen Umfeld kompensiert.

Auch zu empfehlen sind in den ersten Berufsjahren Arbeitgeberwechsel auf gleicher Größenbasis, dann kommt man in den Augen des Bewerbungsempfängers immerhin „aus einem Haus, das mit unserem vergleichbar ist“. Auch dabei lässt sich der Wechsel zum Aufstieg nutzen – wenn auch die besondere Schubkraft fehlt, die eine Herkunft aus größerem Hause einem Bewerber verleiht.

Sehr viel schwieriger ist schon auf gleicher Hierarchieebene (also ohne Aufstieg) der Wechsel vom kleineren ins deutlich größere Unternehmen. Strebt man dabei auch noch nach Aufstieg, beabsichtigt man einen „Doppelsprung“ (hoch in der Unternehmensgröße und hoch in der Hierarchieebene), der extrem schwierig ist, vorsichtig gesagt.

In Ihrem Fall wäre es fast ein „Doppelsprung“, weil Sie von einem sehr kleinen Arbeitgeber zu einem sehr großen wollen und „bei der Gelegenheit“ von der reinen Beratung ins operative Geschäft wechseln möchten. Das könnte auf Sachbearbeiterebene eventuell gerade noch klappen, der eigentlich nach fünf Berufsjahren schon legitime Wunsch nach direktem Aufstieg (Team-/Gruppenleiter) wird aber jetzt noch nicht zu realisieren sein.

Mein Vorschlag: Bewerben Sie sich parallel sowohl auf Stabs- als auch auf Linienpositionen (aber möglichst bei verschiedenen Unternehmen) bei den jetzt von Ihnen ins Auge gefassten potenziellen Arbeitgebern.

Parallel dazu könnten Sie sich bei wiederum anderen (größeren) Unternehmen um eher für Einsteiger gedachte Jobs bemühen. Lassen Sie in der Bewerbung nicht erkennen, dass Sie den Anfängerstatus der Position bemerkt haben, häufig wird das ja im Inserat gar nicht so deutlich dargestellt. Aber: Mit einem Jahr Praxis könnten Sie noch problemlos bei einem anderen Unternehmen wieder Anfänger „spielen“. Mit zwei Berufsjahren geht das noch problemarm, darüber hinaus werfen Sie zu viel an Berufspraxis weg (Überqualifikation) – und bekommen Sie massive Probleme in der Gehaltsfrage (wer Anfänger sucht, will vor allem auch nur Anfänger bezahlen).

Wenn das alles fehlschlagen sollte, müssten Sie versuchen, bei einem Unternehmen vom Typ der von Ihnen betreuten Kunden eine verantwortliche Position (Referent, Projektleiter etc.) zu erreichen. Auch das wäre in Ihrem Sinne ja bereits ein Fortschritt.

Service für Querleser:

Es ist legitim, beim Arbeitgeberwechsel einen beruflichen Fortschritt machen zu wollen. Ist das neue Unternehmen sehr viel größer als das heutige, liegt dieser Fortschritt bereits im neuen Arbeitgeberumfeld – bei vergleichbarer Position.

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