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Samstag, 23. Februar 2019

Maschinenbau

Aufgestanden nach Schwierigkeiten

Von Heinz Wraneschitz | 24. Mai 2018 | Ausgabe 21

Weiler Werkzeugmaschinen gelten als Marktführer im deutschsprachigen Raum für Ausbildungsdrehmaschinen.

w - AdU Weiler BU Technik
Foto: Heinz Wraneschitz

In der Fertigungshalle: Drehmaschine E70HD der Weiler Werkzeugmaschinen im fränkischen Mausdorf.

Dass die Firma Weiler in Mausdorf, einem Stadtteil der mittelfränkischen Marktgemeinde Emskirchen, überhaupt noch existiert, verdankt das Unternehmen vor allem dem in Kärnten geborenen Friedrich K. Eisler. Gegründet wurde Weiler 1938 von den beiden Familien Weiler und Hubmann im benachbarten Herzogenaurach. Doch von den Ur-Eignern kündet heute nur noch die Hermann-Weiler-Stiftung. Denn Ende der 1980er-Jahre kam das Familienunternehmen in heftige Turbulenzen.

Weiler Werkzeugmaschinen GmbH

Damals gehörte es der Voestalpine AG aus Linz, der Landeshauptstadt Oberösterreichs. Diplomkaufmann Eisler bekam 1991 den Auftrag, das Unternehmen zu sanieren. 1995 hat er „Weiler“ dann im Zuge eines „Management-Buy-out“ von Voest übernommen. Auch Franz Rechberger, heute Bereichsleiter Konstruktion und Entwicklung, kam mit Eisler aus Österreich und blieb bei Weiler. Im Zuge der Sanierung wurden die weiteren Standorte Herzogenaurach und Ansbach geschlossen, die Firma in Mausdorf konzentriert.

Für sein „persönliches Engagement und den unternehmerischen Mut“ bekam Eisler senior anlässlich des 75-jährigen Firmenjubiläums 2013 das volle Lob des Festredners, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, ab: „Ohne ihn gäbe es das Unternehmen nicht mehr.“ Inzwischen hat der geschäftsführende Gesellschafter die praktische Führung der Firma seinen beiden Söhnen Alexander und Michael Eisler übergeben.

Foto: Heinz Wraneschitz

Technik und Gespräche: Zum 75-jährigen Jubiläum begrüßt der kaufmännische Leiter, Alexander Eisler, im Juni 2013 den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann; rechts Firmenchef Friedrich K. Eisler.

Heute produzieren in Mausdorf etwa 300 Mitarbeiter Jahr für Jahr um die 1000 Präzisionsdrehmaschinen der verschiedensten Typen. Man sieht sich als „einziger Lieferant konventioneller und zyklengesteuerter Drehmaschinen, der echtes Made in Germany liefert“. Der Nachwuchs stammt aus der eigenen Lehrlingswerkstatt mit bis zu 20 Auszubildenden. Üblicherweise werden alle übernommen. Denn „unsere Kompetenz ist das Produkt, und die Kompetenz kommt von der Mannschaft. Deren Kern konnten wir trotz Krisen erhalten“, ergänzt Alexander Eisler.

Im Jahr 1989, „da haben wir in der Branche einen Meilenstein gesetzt mit der Entwicklung der ersten zyklengesteuerten Präzisionsdrehmaschine“, so Friedrich K. Eisler. Davon profitiert die Firma weiterhin. Dazu gehört „das Weiler-Bedienungskonzept, ein Unikat“, wie Sohn Michael erklärt. Selbst ein „normaler Dreher“ könne dank dieser Bedienoberfläche die Drehmaschine sowohl konventionell, im Zyklenbetrieb als auch im CNC-Modus bedienen. Die Steuerungshardware wiederum kommt von Siemens.

„Unsere Kunden stammen aus allen Branchen: Ausbildung, Lohnfertiger, Maschinenbauer, Medizintechnik-, Optik-, Luftfahrt-, Pumpen-, Erdgas- und Stahlindustrie“, zählt Michael Eisler auf. Sein Vater hat es so beschrieben: „Überall da, wo es bei Einzelteilen, in Kleinserien, im Reparaturbereich auf höchste Präzision und Effizienz der Werkstückbearbeitung ankommt.“

Das ganz spezielle Segment der Ausbildungsdrehbänke findet man laut Michael Eisler „innerbetrieblich bei den großen Autoherstellern hierzulande genauso wie überbetrieblich in IHK oder Berufsschulen“. Insgesamt hat Weiler seit 1938 mehr als 150 000 Maschinen produziert. Heute gehen etwa 60 % davon in den deutschsprachigen Raum, der Rest in die ganze Welt.

In den USA gibt es seit 2006 eine eigene Tochter, die Weiler North America Corporation in Charleston, South Carolina. In Deutschland kümmern sich etwa 40 Servicemitarbeiter an mehreren Standorten um die Kundenmaschinen. „Wir können selbst Ersatzteile alter Serien nachfertigen. Wir sind eigentlich eine Manufaktur“, hebt Alexander Eisler eine weitere Besonderheit hervor.

Auf 13 000 m2 wird in Mausdorf nicht nur produziert, rund 30 Ingenieure und Konstrukteure entwickeln die Technik ständig weiter. Die Zulieferungen großer Bauteile stammen aus dem Tochterwerk im tschechischen Holoubkov nahe Pilsen. Die dort ebenfalls knapp 300 Beschäftigten stellen zudem Radialbohrmaschinen für die Schwerindustrie sowie für den Stahl- und Schiffsbau her.

Es ist keine CNC-Massenware, die Weiler anbietet. Das Maschinenspektrum reicht von 300 mm bis 2000 mm Drehdurchmesser und von 500 mm bis 20 000 mm Drehlänge. Mit Fernostware könne und wolle man sich nicht vergleichen: Die Kunden würden die Details des Weiler-Programms honorieren. So könne man „in die eigentlich bei Voest entwickelte zyklengesteuerte CNC-Maschine händisch eingreifen“, zum Beispiel „wenn es um höchste Präzision geht“.

Die Eislers wirken sichtbar zufrieden in ihrem Familienbetrieb in der fränkischen Provinz. Für Martin Kapp, ebenfalls fränkischer Maschinenbauer und Vizepräsident im Maschinen- und Anlagenbauverband VDMA, ist deren „modernste Technik, gepaart mit Genauigkeit, ein stabiler Weg in die Zukunft.“ Für diese Maschinen werde es auch weiterhin einen Markt geben.

Laut Seniorchef Eisler gelten bei Weiler „die Grundprinzipien Vertrauen, Verantwortung, Wirtschaftlichkeit, Umweltschutz, Ausbildung; deshalb halten wir auch an der Fertigungstiefe in Deutschland fest“. Das Nachhaltigkeitsprinzip gilt sowohl für die Produktion als auch den Betrieb der Weiler-Maschinen.

Dass man den Umweltschutz wirklich lebt, zeigt einerseits die Entwicklung des Energiesparsystems „e-TIM“: Das speist Bremsenergie zurück ins Stromnetz, schaltet nicht benötigte Nebenaggregate automatisch ab und die Maschine bei Stillstand in den Stand-by-Modus. Andererseits wird das Mausdorfer Firmenareal hauptsächlich per Nahwärmeleitung von einer bäuerlichen Biogasanlage in der Nachbarschaft geheizt. Und auf dem Fertigungsdach produziert eine Photovoltaikanlage Solarstrom.

Emskirchens Bürgermeister Harald Kempe (ÖDP) beschrieb vor einigen Jahren das Vorzeigewerk seiner 6000-Einwohner-Marktgemeinde recht blumig so: Weiler Werkzeugmaschinen sei ein „Gesamtkunstwerk, eine Symbiose von Österreichern und Franken“.