Studium 29. Jul 2022 Von Wolfgang Schmitz

Ob Bachelor, Master, MBA oder Promotion: Zur Grundausstattung aller Bildungsgänge gehört Spaß

Kompetenzen und Anforderungen an Ingenieurinnen und Ingenieure werden ständig neu vermessen. Es sind jedoch allgemeine Trends mit Langzeitdauer zu erkennen: Von Bachelorstudierenden bis hin zu Promovierenden wird Interdisziplinarität verlangt. Wem letztlich mit welchem Bildungsgang am besten geholfen ist, ist eine höchst individuelle Frage. Es gibt dennoch einige Leitkriterien, die zu beachten sind.

Und nun? Soll es der MBA sein? Es gilt, genau hinzuschauen, für wen sich welche Art der Kompetenzerweiterung lohnt.
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Technologien treiben den Fortschritt voran. Sie sind aber nicht der einzige Treiber des Wohlstands. Mit anderen Worten: Ingenieurinnen und Ingenieure müssen Kernkompetenzen beherrschen, müssen ihren Blick aber gleichzeitig über das rein Fachliche richten. So verlangt die Gesellschaft neue Ansätze mit ökologisch nachhaltigen Lösungen, die auch sozial verträglich sein müssen. Daraus wiederum entstehen neue Geschäftsmodelle. Das Gesamtpaket – also nicht allein die technischen Herausforderungen – müssen Ingenieure und Ingenieurinnen jetzt und in Zukunft stemmen können. Darauf hat sich die akademische Ausbildung einzurichten.

Aus dem VDI heißt es: „Wir dürfen uns nicht auf der Vergangenheit ausruhen. Inhalte und Tätigkeitsprofile verändern sich über alle Branchen hinweg.“ Die breite Basis klassischer Ingenieurfächer müsse mit Marketing- und Finanzkompetenzen sowie mit gesellschaftlicher Akzeptanz korrespondieren. Sich etwa auf die Entwicklung von Autos zu beschränken, führe in die Sackgasse. Digitale Geschäftsmodelle basierten auf integrierter Mobilität, in der „die Freude am Fahren durch den Spaß am Transport“ ersetzt werde.

„Digitalisierung bedeutet, das Neue in Kooperation mit anderen Disziplinen zu kreieren“

Egal, wie weit der akademische Weg führt, über die Qualität der hiesigen Ingenieurausbildung brauchen sich junge Menschen nicht zu sorgen: International genießt der deutsche Ingenieurabschluss auch nach dem Umstieg vom Diplom auf Bachelor und Master einen exzellenten Ruf. Wegen des rein Fachlichen wird es Klaus Kreulich daher nicht bange. Der Vizepräsident der Hochschule München fordert von angehenden Ingenieurinnen und Ingenieuren die ausgeprägte Bereitschaft, Verantwortung für Innovationen zu übernehmen – die im Übrigen nicht allein aus ihrer Schaffenskraft entstünden. „Digitalisierung bedeutet, das Neue in Kooperation mit anderen Disziplinen zu kreieren, etwa mit Psychologen, Juristen und Designern. Eine intelligente Maschine wird aus der Gesellschaft heraus gedacht, nicht nur aus der Technik.“

Meister lohnt sich – Master auch

Dass das Arbeitsleben für Ingenieure künftig nicht leichter, aber vermutlich „noch spannender“ werde, meint Hochschulforscher Frank Ziegele vom Centrum für Hochschulentwicklung. „Routinetätigkeiten werden in der Wirtschaft auch weiterhin abnehmen, stattdessen müssen Ingenieure in der Lage sein, Probleme zu lösen, die man heute noch gar nicht kennt, und das in einem unstrukturierten, dynamischen Umfeld.“ Entsprechend sei in den vergangenen Jahren Bewegung in die inhaltliche Gestaltung des Studiums gekommen. So waren 2020 bei den Ingenieuren 42 % der Studiengänge themenorientiert, etwa Verkehrstechnik, Elektromobilität oder Sicherheitstechnik. Ziegele: „Sie sind also eindeutig interdisziplinär gestaltet – etwa im Zusammenspiel von E-Technik, Informatik, Soziologie und VWL. 25 % werden spezieller, zum Beispiel Gebäudephysik oder Verwaltungsinformatik.“ Als Trend für die Zukunft sieht Ziegele daher interdisziplinäre Themenorientierung und mehr Generalistenwissen, allerdings im Master auch eine Gegenbewegung zu Spezialisierung und Ausdifferenzierung für bestimmte Branchen.

„So schnell wie möglich mit Weiterbildung zu beginnen, statt lange zu diskutieren“

Damit wären die aktuellen Rahmenbedingungen skizziert. Was aber empfehlen Fachleute jungen Menschen, die vor der Wahl ihres Berufsweges stehen? „Ich rate grundsätzlich dazu, das zu studieren, was einem Spaß macht und sich auf sich und seine Interessen und Stärken zu konzentrieren“, sagt Britta Matthes, Leiterin „Berufe in der Transformation“ beim Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. „Insofern rate ich zu keinem spezifischen Studienfach, sondern offen zu sein für Themen jenseits der eigenen Disziplin. Das ist künftig Voraussetzung dafür, ausreichend qualifiziert und erfolgreich zu sein.“ Wer gerne Data-Scientist sein will, solle sich dafür entscheiden. Die Wahl aber nur aus dem Motiv zu treffen, dass der Beruf „angesagt“ sei, könne nicht zielführend sein.

Die Beraterin Sophia von Rundstedt: „Das A und O ist die Frage: Was macht mir Spaß? Auf diesem Gebiet wird man auch gut sein.“
Foto: v. Rundstedt & Partner GmbH

In dieselbe Kerbe schlägt die Beraterin Sophia von Rundstedt: „Das A und O ist die Frage: Was macht mir Spaß? Auf diesem Gebiet wird man auch gut sein. Die Digitalisierung beschleunigt die Entwicklung und verändert permanent Berufsprofile.“ Daher sei es schwierig, auf spezielle Skills zu setzen. Eine digitale Grundkompetenz gehöre allerdings zum Basiswissen. Durch Ausprobieren, etwa über Praktika, ließe sich herausfinden, in welche Richtung es einen zieht. Gefragt sei, Fähigkeiten zu stärken. Wer Abschlüsse in der Tasche hat, sollte sich fragen, ob das Rüstzeug reicht. Ansonsten „so schnell wie möglich mit Weiterbildung zu beginnen, statt lange zu diskutieren welche jetzt die bestmögliche Qualifizierung sein könnte“, so von Rundstedt.

Praktikum oder direkter Jobeinstieg? Eine Entscheidung fürs Leben

An alten Posten zu kleben, sei überholt, meint die Beraterin. Den Status quo sollten Arbeitgeber wie Beschäftigte hinterfragen. „Warum nicht aus einer 43-jährigen Maschinenbauingenieurin mittelfristig eine Anwendungsspezialistin für künstliche Intelligenz machen? Da braucht es allerdings Mut und Zutrauen in die einzelne Fachkraft. Das ist etwas sehr Individuelles. Da kann man nicht mit der Weiterbildungsgießkanne drübergehen. In Zusammenarbeit mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern muss ein persönliches Angebot für eine Weiterentwicklung erstellt werden.“

Master, MBA und Promotion zahlen sich aus

Gehen wir einen großen (Bildungs-)Schritt zurück. Grundlegende Frage im Laufe des Studiums ist: „Bachelor oder Master – welcher Abschluss lohnt sich für mich?“ Anja Robert, Koordinatorin des Career Centers der RWTH Aachen, will sich nicht auf den einen geeigneten Bildungsweg festlegen, dennoch ist ihre Aussage unmissverständlich: „Wenn einem das Studium bisher gefallen hat, würde ich dazu raten, die Masterzeit anzuschließen. Das bedeutet noch einmal anderthalb bis zwei Jahre, in denen man aber auch schon stärker an praktischen Projekten arbeiten und ggf. eine Abschlussarbeit in Kooperation mit einem Unternehmen schreiben könnte.“ Die Angst, mit dann 28 Jahren als Jungingenieur oder speziell als Frau zu alt für den Berufseinstieg zu sein, sei unnötig. „Je besser ausgebildet man ist, desto weniger möchte man dauerhaft auf diese Menschen verzichten.“

Karriereberaterin Anja Robert: „Wenn einem das Studium bisher gefallen hat, würde ich dazu raten, die Masterzeit anzuschließen.“
Foto: Andreas Steindl

Zudem, so Robert, seien Masterabsolventen und -absolventinnen eigenverantwortlicher und selbstständiger aufgestellt, was insbesondere im Ingenieurbereich von großem Wert sei. „Zweitens: Ein Masterabschluss zahlt sich dauerhaft auch finanziell aus. Es gibt Statistiken, die zeigen, dass die Gehälter von Masterabsolvierenden dauerhaft um mindestens 10 % über dem Einkommen der Bachelorabsolvierenden liegen.“ So sei im öffentlichen Dienst die Höhe der Eingruppierung häufig nach wie vor abhängig vom erworbenen Abschluss. Natürlich gebe es Ausnahmen.

Brüche in Karrieren seien laut Anja Robert nicht schlimm – ganz im Gegenteil. „Wenn man sich Leute anschaut, die Karriere gemacht haben, weisen sie im Lebenslauf oft einen Bruch auf.“ Karriere bedeutet auch mal hingefallen zu sein – und aufstehen. Einen einzigen Masterplan zu haben, hält die Karriereberaterin nicht für den richtigen Weg. „Wenn der Masterplan nicht aufgeht, sollten Absolventinnen und Absolventen kurz überlegen, woran es gelegen hat und dann schauen, wie sie weitermachen können.“ Offen sein für andere Richtungen, kann durchaus den Traumjob bringen.

Investitionen in Weiterbildung zahlen sich aus – weltweit

Auf Bachelor und Master einen weiteren Titel draufzupacken, kann sich unter bestimmten Voraussetzungen lohnen. Ist der „Dr.-Ing.“ dem MBA vorzuziehen? Wer es geschickt anstellt und sich nicht planlos auf das Abenteuer einlässt, wird sowohl bei MBA als auch bei Promotion unter dem Strich finanziell profitieren. Wie sehr das der Fall ist, hängt von vielen Faktoren ab.

MBA: geballter Zeitaufwand, Promotion: ein Dauerlauf

Wenn schon Master, dann vielleicht auch der Master of Business Administration (MBA)? Das geht aber richtig ins Geld, die Ausbildung kostet zudem Kraft und ist auf der vergleichsweise kurzen Distanz von ein bis zwei Jahren zeit- und kraftraubend, wobei die Promotion insgesamt länger dauert. „Wenn Ingenieure nach zwei bis drei Jahren erste Schritte in Richtung Team- und Gruppenleitung gehen oder auch schon Budgets managen, dann wird es Zeit für betriebswirtschaftliche Kenntnisse“, sagt Wirtschaftswissenschaftler Harald Vergossen von der Hochschule Niederrhein. Und dann bietet sich der MBA an. In den vergangenen Jahren hat sich das fachliche Spektrum des MBA stark erweitert. Ein Aspekt, der neben dem Kernelement Betriebswirtschaft immer mehr an Bedeutung gewinnt, sind die Themen Umwelt, Nachhaltigkeit und digitale Geschäftsmodelle.

Gruppenarbeit ist ebenso ein Kernelement wie der Austausch mit der Praxis. Die MBA-Abbruchquoten sind äußerst gering, da sich die Kosten zwischen 10 000 € und 50 000 € für den Studierenden rechnen müssen. Und die MBA-Anbieter wollen nicht das Etikett des Weiterbildungsverhinderers tragen.

Die Promotion dauert in der Regel drei bis vier Jahre. Nebenbei arbeiten viele Doktoranden an der Universität oder erhalten ein Stipendium. „Dabei sind die Fähigkeiten eines Langstreckenläufers gefragt: Frustrationstoleranz, Durchhaltevermögen, Ausdauer“, heißt es beim Informationsdienst mba-lounge.de. Die Abbruchquote bei Doktorarbeiten beträgt je nach Fach knapp 25 %. Für Doktorarbeiten zahlt man in der Regel keine oder nur geringe Studiengebühren.

Lücke in der Weiterbildung

Technisch ausgerichtete Unternehmen besetzen viele Führungspositionen mit promovierten Ingenieuren

Grundsätzlich gilt: Wer eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, kommt um eine Promotion nicht herum. Sie gilt als zwingender Nachweis für die akademischen Fähigkeiten, ohne den Doktortitel ist eine spätere Habilitation nicht möglich. Zudem ist sie ein Sprungbrett für anspruchsvolle Aufgaben in der Industrie, üblicherweise in der Forschung und Entwicklung. Ingenieurinnen und Ingenieure lernen während der Promotion mit Studierenden, anderen Doktorandinnen und ihren Betreuern zu kommunizieren und zu kooperieren. Sie lernen zu referieren und Projekte zu organisieren. Zu beachten ist, dass bei einer späteren Selbstständigkeit ein Doktortitel oft die Neukundengewinnung erleichtert.

Der Dr.-Ing. ist für die Mitwirkung in Gremien bei nationalen und internationalen Verbänden sowie an Hochschulen gefragt. Es sind auch Wechsel in andere typische Tätigkeitsfelder als Spezialist oder Referent im Qualitätsmanagement, Einkauf, Controlling oder in der Logistik möglich. Fakt ist: Technisch ausgerichtete Unternehmen besetzen einen erheblichen Anteil ihrer Führungspositionen mit promovierten Ingenieuren. „Es gibt auch Fälle und Tätigkeitsfelder, bei denen man hinterfragen muss, ob sich eine Promotion lohnt, etwa in Marketing, Vertrieb oder Fertigung. Je produkt- und kundennäher der Einsatz erfolgt, desto weniger wichtig ist im Normalfall die Promotion“, sagt Michael Schanz vom VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik gegenüber „Markt & Technik“.

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