ORIENTIERUNG 01. Apr 2016, 09:00 Uhr Manfred Bergheim

Karriere im öffentlichen Dienst

Gegen die Privatwirtschaft kann der öffentliche Dienst kaum punkten. Dabei bietet er Ingenieuren attraktive Arbeitsbedingungen und technischen Bezug trotz Beamtenlaufbahn.

Gefragte Fachkräfte sind etwa Elektroingenieure. Umso mehr, nachdem viele Versorgungsbetriebe rekommunalisiert wurden.
Foto: Thüringer Energie AG

In Konkurrenz zu erfolgreichen Unternehmen der freien Wirtschaft hat es der öffentliche Dienst schwer, auf dem Ingenieurarbeitsmarkt geeignete Fachkräfte und Nachwuchs zu finden. Der altersbedingte Ausstieg von Ingenieuren aus dem Berufsleben ist für Verwaltungen und sonstige Arbeitgeber des öffentlichen Dienstes daher eine besondere Herausforderung, denn die von technischer Kompetenz abhängigen Aufgaben bleiben bestehen. Eigentlich müssten viele Ingenieure neu eingestellt werden, doch es fehlt an Geld.

Gehaltsstruktur im öffentlichen Dienst

Wer in der öffentlichen Verwaltung, beim Bund oder einer Kommune beschäftigt ist, wird nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, kurz TVöD entlohnt.

Ausnahme: Beamte. Deren Besoldung ist extra geregelt.
Den TVöD gibts u. a. in den Variationen Bund, VKA-Kommunen (für kommunale Arbeitgeberverbände), E wie Entsorgung, F wie Flughäfen und V wie Verwaltung. Darüber hinaus gibt es die Tarifverträge Nahverkehr in NRW und Versorgungsbetriebe.

In welcher Entgeltgruppe man landet, hängt von vielen Faktoren ab. Für Ingenieure (Bachelor) ist ab Entgeltgruppe 9b alles denkbar.

Zwischen 1991 und 2008 war nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Zahl der im öffentlichen Dienst Beschäftigten von über 6,7 Mio. auf 4,5 Mio. zurückgegangen. Inzwischen liegt sie bei 4,65 Mio. Wie viele Ingenieure darunter sind, weiß allerdings niemand so genau. Der Freistaat Bayern etwa beschäftigte Ende 2011 rund 11 000 Ingenieure und plante, davon bis 2031 knapp 2000 Stellen zu streichen. Um Kosten zu sparen. Die Folge: Arbeitsverdichtung und zunehmender Stress für die Übriggebliebenen.

Hinzu kommt, dass die im öffentlichen Dienst gezahlten Gehälter für die meisten Ingenieure unattraktiv sind. Da sucht beispielsweise eine westdeutsche Großstadt Ingenieure der Elektrotechnik (FH/Bachelor) mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung in einem elektrotechnischen Beruf sowie Kenntnissen in der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) und bietet die Eingruppierung in die Entgeltgruppe 12, was einem Grundgehalt von 3129 € entspricht.

„Die Verdienstmöglichkeiten sind im öffentlichen Dienst zunehmend schlechter als in der Privatwirtschaft und es gibt recht starre Laufbahnvorschriften“, meint Jens Finkenstein, Sprecher des Jungen Forums im Bund der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau (BWK). Allerdings seien die Rahmenbedingungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf vorteilhafter.

„Wenn es in der Privatwirtschaft brummt, haben wir Probleme, geht es der Wirtschaft schlecht, sind wir gern gesehener Arbeitgeber“, umschreibt Kay-Olaf Wulff, Personalreferent bei der Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH) die Situation. Als Anstalt des öffentlichen Rechts ist die GMSH für den Bau und das Facility-Management von Gebäuden der öffentlichen Hand in Schleswig Holstein zuständig. Dazu zählen unter anderem die mit viel Hightech-Infrastruktur ausgestatten Hochschulbauten, Verwaltungsgebäude ebenso wie Anlagen der Bundeswehr, etwa Flugplätze. Rund 1300 Beschäftigte hat die GMSH, ein Drittel sind Ingenieure. Jährlich gibt es 60 bis 70 Neueinstellungen, wovon über die Hälfte Ingenieurqualifikationen nachweisen muss.

„Wir haben bei der Personalauswahl nicht mehr die große Wahl auf dem Arbeitsmarkt. Da ist mit den Jahren bei uns ein anderes Bewusstsein entstanden“, gibt Wulff unumwunden zu. Es sei viel Überzeugungsarbeit zu leisten, um geeignete Kandidaten für sich zu gewinnen.

Die Rekrutierungsstrategien sind vertraut. Natürlich gibt es Kooperationen mit den Hochschulen im Lande, selbstverständlich wird versucht, über Praktika und Abschlussarbeiten Studierende früh zu binden. Es gibt ein Führungskräfteentwicklungsprogramm, das aufgrund der Nachbesetzung altersbedingt ausscheidender Führungskräfte bitter nötig ist.

Etwa 10 % der Belegschaft der GMSH sind nach wie vor Beamte und „es werden auch weiterhin Mitarbeiter verbeamtet“, berichtet Wulff. Für junge Ingenieure kann unter dem Aspekt eines sicheren Arbeitsplatzes eine zusätzliche Beamtenausbildung angeboten werden, mit der vor allem Ingenieure der Fachrichtungen Elektrotechnik und Maschinenbau angesprochen werden.

Nicht nur für Beamte, sondern auch für angestellte Ingenieure ist die oft zitierte Work-Life-Balance im öffentlichen Dienst scheinbar einfacher zu erreichen. Die wöchentlichen Arbeitszeiten von maximal 40 Stunden können projektbezogen natürlich auch höher ausfallen. Mit regelmäßigen 50- bis 60-Stundenwochen, wie in der Privatwirtschaft hier und da üblich, ist jedoch nicht zu rechnen.

Bei Ingenieuren, die schon länger im Dienst sind, relativiert sich auch der Abstand zu den Gehältern der freien Wirtschaft: Sie können durchaus auf ein Jahresgehalt von 60 000 € kommen. Zudem werden viele Stellen inzwischen fakultativ als Teilzeitstellen ausgeschrieben. Das erleichtert die Familienorganisation insbesondere für Eltern mit kleinen Kindern erheblich. Es kommt sogar vor, dass sich Paare Vollzeitstellen teilen.

Flexible Arbeitszeitmodelle mit Gleitzeitarbeit sind im öffentlichen Dienst längst angekommen, Fortbildungen können Ingenieure häufig während der Arbeitszeit absolvieren. Denn aktuelles Know-how ist absolut grundlegend, um die Arbeit und Vorhaben der Ingenieure aus der freien Wirtschaft prüfen und genehmigen zu können.

„Die verwaltungsrechtlichen Aufgaben überwiegen meist im Vergleich zu technischen Aufgaben, man hat aber in vielen Fällen einen Gestaltungsspielraum zur Durchsetzung einer technisch anspruchsvollen und die rechtlichen Anforderungen erfüllenden Lösung“, erläutert der gelernte Bauingenieur Finkenstein. Es komme darauf an, in welcher Organisation man tätig sei. Bei Eigenbetrieben oder Zweckverbänden der kommunalen Gebietskörperschaften, die selbst Anlagen betreiben und unterhalten, sei der technische Anteil an der Tätigkeit am höchsten.

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