Studie analysiert Auftritt in sozialen Netzwerken 21. Mai 2021 Von Claudia Burger

Dax-Chefs posten gendersensibel

Der Gebrauch von gendersensibler Sprache scheint in der ersten Liga der deutschen Wirtschaft angekommen zu sein. Das zeigt eine Dax-30-Analyse der Jobseite Indeed.


Foto: panthermedia.net/ AndreyPopov

Die Konzernchefs kommunizieren mehrheitlich geschlechtsneutral in der Öffentlichkeit – zumindest in den sozialen Netzwerken. Zu diesem Ergebnis führen über 441 untersuchten Social-Media-Postings von den 19 ausschließlich männlichen CEOs, die aktiv ihre Profile in sozialen Netzwerken bespielen. Das zeigt eine Untersuchung der Jobseite Indeed. Insgesamt kommen 96 % aller Postings der Dax-30-CEOs ohne das generische Maskulinum aus und sind laut Indeed über verschiedene Varianten (wie Vermeidung, aktives Gendern) gendersensibel formuliert. Die genaue Betrachtung der einzelnen Beiträge aller 19 CEOs zeige, wie die hohe Quote zustande kommt: Insgesamt seien 72 % der Texte (318) auf Englisch verfasst und vermeiden damit zunächst unsensible Formulierungen in der deutschen Sprache. Doch auch im Englischen ist das generische Maskulinum durch traditionell männliche Pronomen (he/him/his und weitere) häufig vertreten. Wie die Analyse jedoch aufzeigt, vermeiden die CEOs dies bei 100 % ihrer englischen Beiträge. Meistens durch die Verwendung von Pluralformen (we, they, us), die alle Geschlechter mit einbeziehen, sofern dies möglich war. Hauptgrund für den hohen Anteil englischer Postings ist, dass die Konzernchefs weit über den deutschen Sprachraum hinaus ihre globalen Zielgruppen und Mitarbeitenden adressieren.

Bei den 123 analysierten Beiträgen in deutscher Sprache (28 % der Postings) kommt die Analyse zu einem weniger eindeutigen Ergebnis: Insgesamt sind 87 % der deutschsprachigen Texte gendersensibel formuliert. Dazu führe mit anteilig 55 % vor allem die gezielte Vermeidung geschlechtsspezifischer Ansprache durch inklusive wie allgemeine Ausdrucksweisen (wir, Team, Menschen). Weitere 32 % würden aktiv gendergerecht durch die Nutzung des Gender-Sternchens oder Binnen-Is und weiterer Optionen verfasst. In 13 % der Texte wird hingegen das generische Maskulinum genutzt. In ihren gegenderten Beiträgen setzen die Führungskräfte am häufigsten auf Formulierungen mit „und“. Insgesamt 49 % der Beiträge (19) sprechen beispielsweise von „Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen“. Der Gender-Doppelpunkt ist mit 21 % die zweithäufigste Formulierung. Dahinter folgt laut Indeed das Gender-Sternchen mit jeweils 15 %.

Vonovia-Chef, Post-Chef und Deutsche- Wohnen-Chef liegen vorn

Die meisten gendersensiblen Formulierungen in den deutschen Beiträgen fanden sich bei Vonovia-Chef Rolf Buch mit insgesamt sieben Texten. Gleichzeitig weise er auch mit drei genderunsensiblen Beiträgen die meisten des Vergleichs auf. Die zweitmeisten gendergerecht verfassten Postings in deutscher Sprache zählt die Untersuchung bei Frank Appel (Deutsche Post) und Michael Zahn (Deutsche Wohnen) mit jeweils sechs Texten. Im Vergleich der englischen sowie deutschen Beiträge weisen laut Analyse die Chefs von SAP, Delivery Hero und VW eine 100 %-Quote auf – mit bedingt durch die Tatsache, dass sie durchweg englische Beiträge verfassen. Covestro-Geschäftsführer Markus Steilemann, der hingegen die Hälfte seiner Texte auf Deutsch verfasst, kommt mit einer 95 %igen Quote ebenfalls auf einen sehr hohen Anteil. Auch die CEOs von Henkel, Carsten Knobel, sowie von Fresenius Medical Care, Rice Powell, kommen ohne genderunsensible Beiträge aus. Allerdings sind sie seltener in den sozialen Netzwerken aktiv und weisen daher weniger Postings in der Analyse auf. Neben den 20 aktuellen Beiträgen der CEOs hat Indeed auch analysiert, ob und wie die CEOs sich zum Weltfrauentag äußern. Das Fazit: Jeder der 19 Geschäftsführer hat mindestens einen Beitrag zum Weltfrauentag in gendersensibler Sprache verfasst.

Für die Analyse prüfte Indeed nach eigenen Angaben für jeden Dax-30-CEO, ob er einen offiziellen Account bei Twitter, Facebook, Xing oder Linkedin führt. Sofern ein Account vorhanden war, wurden die 20 jüngsten Beiträge auf der jeweiligen Plattform analysiert. Wenn ein CEO zum Beispiel auf zwei Plattformen aktiv ist, wurden insgesamt 40 Postings untersucht. Die Beiträge wurden dabei hinsichtlich ihrer Sprache (Deutsch, Englisch) und des gendergerechten Sprachgebrauchs analysiert und – falls vorhanden – auf die Art und Weise des Genderns. Englische Beiträge, die zuvor auf Deutsch erschienen sind und anschließend übersetzt wurden (oder umgekehrt), sind ebenfalls Teil der Analyse und wurden nicht ausgelassen. Stichtag der Untersuchung ist der 30. April 2021. Die neue Merck-Chefin, Belen Garijo, ist daher nicht Teil der Analyse. Insgesamt umfasst die Analyse 441 Beiträge von den 19 aktiven Dax-30-CEOs.

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