Forschungsprojekt Cursor 08. Feb 2023 von Martin Ciupek Lesezeit: ca. 3 Minuten

Schnelle Hilfe bei Erdbeben: Roboter und Drohnen sollen Einsätze des THW erleichtern

Gestern stellte das Technische Hilfswerk in Wesel zusammen mit internationalen Partnern eine technische Lösung für die Aufklärung in Erdbebengebieten vor. Für den Einsatz in der Türkei und Syrien fehlen trotz praxisnaher Entwicklung aber noch Grundlagen.

Aufklärung bei Erdbeben: Gestern wurde dazu in Wesel ein System aus Drohnen, Bodenrobotern, Geophonen und Kommunikationstechnik vorgestellt. Im Bild zu erkennen ist der kleine Roboter "Smurf" auf der Suche nach einer verschütteten Person - in diesem Fall einer THW-Mitarbeiterin.
Foto: THW/Yann Walsdorf

Das Szenario, dass sich die Fachleute vom Technischen Hilfswerk (THW) für die Abschlussvorstellung eines von der EU geförderten Forschungsprojektes im nordrhein-westfälischen Wesel ausgedacht hatten, wurde diese Woche fast zeitgleich an der Türkisch-Syrischen-Grenze zur traurigen Realität. Ausgangsszenario für die Präsentation von „Cursor“ (Coordinated Use of miniaturized Robotic equipment and advanced Sensors for search and rescue OpeRations) am vergangenen Dienstag war ein Erdbeben der Stärke 6,5 auf der Richterskala mit einem Epizentrum südlich von Duisburg.

Übungsszenario: Erdbeben mit Stärke 6,5 in Duisburg

Das bedeutet: Mehrere Menschen werden seitdem vermisst, es gibt Verletzte und Todesopfer, die Stromversorgung ist gestört, viele Gebäude sind beschädigt und die Kritische Infrastruktur beeinträchtigt. In den Gebieten um Duisburg arbeiten bereits Einsatzkräfte. Zusätzliche Teams werden damit beauftragt, die nördliche Region von Duisburg bis Wesel zu erkunden. Die örtlichen Katastrophenschutzbehörden benötigen Informationen, um zu beurteilen, welche spezialisierten Einheiten in dieses Gebiet entsendet werden sollen.

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Genau solche Informationen sollen die im Projekt Cursor entwickelten Lösungen für Ortungs- und Rettungseinsätze des Bevölkerungsschutzes liefern. Neben dem Technischen Hilfswerk (THW) haben weitere Projektpartner aus Europa sowie Japan dreieinhalb Jahre daran geforscht. „Mit den Drohnen und Robotern aus dem Cursor-Projekt sind die Einsatzkräfte in der Lage, aus der Luft und am Boden umfassende Daten zu sammeln“, berichtet THW-Präsident Gerd Friedsam. Das helfe dabei, potenzielle Gefahren einzuschätzen sowie Rettungseinsätze zu planen und durchzuführen.

Rettungspaket: Drohnen und Roboter liefern Informationen an eine Kommunikationszentrale

Das im Rahmen des Projekts vorgestellte „Search and Rescue-Kit“ besteht aus verschiedenen Technologien, mit denen die Einsatzkräfte beispielsweise nach einem Erdbeben aus sicherer Entfernung Areale erkunden können, um sich einen Überblick über die Lage zu verschaffen. Relevante Daten wie Bildaufnahmen und Schwingungsmesswerte werden dazu sowohl aus der Luft als auch am Boden erfasst. Das System sammelt Informationen von mehreren Drohnen, Bodenrobotern und Geophonen. Zur Informationsverarbeitung wurde von dem Konsortium ein Informations- und Kommunikationssystem entwickelt. Alle Daten, die darüber gesammelt werden, werden in einer Einsatzzentrale zusammengeführt und mit digitaler Unterstützung visualisiert.

Bei der Übung in dieser Woche war zu erkennen, wie zwei kleine Roboter per Großdrohne zum Einsatzort geflogen und dort abgeworfen wurden. Die zylinderförmigen Maschinen bewegen sich dann auf ihren zwei Rädern durch unwegsames Gelände. Über zwei Kameras verschaffen sie den Einsatzkräften am Leitstand einen Überblick von der Lage im Einsatzgebiet. Weitere Informationen soll dabei ein Geruchssensor liefern.

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Im Gegensatz zur aktuellen Situation in der Türkei und in Syrien können die Einsatzkräfte dabei zunächst aus der ferne agieren ohne sich selbst in gefährliche Situationen zu bringen. Nach eigenen Angaben hat das Konsortium dafür während der Projektphase viel Wert auf die Einbeziehung von Anwenderinnen und Anwendern gelegt. Insgesamt gab es dazu während der Projektlaufzeit zwölf Feldtests mit Beteiligung von Einsatzkräften und einem regelmäßigen Austausch zwischen den Tests.

Aktueller THW-Einsatz in der Türkei

Noch während die Projektpräsentation lief, schickte das THW am 7. Februar Hilfskräfte in das Erdbebengebiet in der Türkei. Dort hatte die Erde einen Tag zuvor mit einer Stärke von 7,5 gebebt. Auch ein paar der am Projekt beteiligten THW-Kräfte machten sich auf den Weg, allerdings noch ohne die neue Technik. THW-Präsident Friedsam begründete das mit der für die Bedienung notwendigen Ausbildung. Es nütze niemandem etwas, wenn das System noch nicht richtig bedient werden könne. Komplett einsatzbereit soll es voraussichtlich in etwa zwei bis drei Jahren sein.

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