Porträt der Woche 13. Jan 2023 Von Wolfgang Schmitz Lesezeit: ca. 3 Minuten

Die neue Präsidentin der Universität der Bundeswehr führt ohne Kasernendrill

Seit dem 1. Januar ist Eva-Maria Kern Präsidentin der Universität der Bundeswehr München. Die Universität befindet sich im Aufwind – den die Verfahrenstechnikerin nutzen will, um das Renommee der Hochschule weiter zu verbessern.

Eva-Maria Kern kennt die Universität der Bundeswehr München seit 2007 bestens.
Foto: UniBwM/Siebold

Schubladendenken ist hier völlig unangebracht. Wer glaubt, an die Spitze einer Universität der Bundeswehr gehöre ein harter Hund – wobei die Betonung auf der maskulinen Form liegt –, ist schief gewickelt. Es braucht auch nicht den Kasernendrill, um junge Menschen auf Führungsaufgaben in den Streitkräften vorzubereiten. „In einer Führungsfunktion wie der Leitung einer Universität darf man nicht zart besaitet sein und muss sich klar positionieren“, meint Eva-Maria Kern, die seit dem 1. Januar Präsidentin der Universität der Bundeswehr München ist. Nein sagen und standhaft bleiben zu können, sei aber kein typisch militärischer Wesenszug. „Es gehört einfach dazu, seine Meinung zu vertreten.“ Die gelernte Kunststofftechnikerin bevorzugt den konstruktiven sachlichen Dialog. „Ich kann aber auch sehr deutlich werden.“

Paywall

Zugegeben: Dass sie nach eigener Aussage „eine recht handfeste Person“ sei, habe ihr im Laufe der Karriere geholfen. Sie habe sich nie Gedanken darüber gemacht, in einer männerdominierten Welt unterwegs zu sein. „Für mich war es selbstverständlich, ein technisches Studium anzufangen. Der Gedanke, dass ich das nicht könnte, weil ich eine Frau bin, ist mir nie gekommen.“ Ihre Erziehung verlief ohne den Anspruch der Eltern, ihre Tochter müsse eine spezifisch weibliche Rolle einnehmen. „Ich war gerne mit meinem Vater in seiner Bastelwerkstatt. Die Technikbaukästen von Lego haben mich begeistert. Sowohl im Studium als auch in meiner beruflichen Laufbahn bin ich von meinen Kollegen immer als eine von ihnen behandelt worden.“

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Forschung im Sinne von „Dual Use“

Kommunikation intern wie extern steht ganz oben auf Kerns To-do-Liste. „Ich habe mir als Präsidentin auch zum Ziel gesetzt, die Universität der Bundeswehr München vor allem in der wissenschaftlichen Welt und der Gesellschaft durch gezieltere Kommunikation noch bekannter zu machen.“ Der Krieg in der Ukraine habe die Bedeutung des Militärs betont. „Ich denke schon, dass die Bundeswehr im Kontext der aktuellen Situation anders und auch positiver von und in der Gesellschaft wahrgenommen wird.“

Leider kursierten trotzdem immer noch falsche Vorstellungen darüber, was hinter den Mauern geschieht, schließlich handele es sich nicht um eine Militärakademie, sondern um eine Universität. „Wir sind frei in Forschung und Lehre, unsere Studierenden können bei uns staatlich anerkannte zivile Studienabschlüsse bis zum Master erwerben und das als verpflichtender Teil der Offiziersausbildung. Dieses Konzept ist einzigartig auf der Welt und viele beneiden uns darum.“

Zudem sei, so Kern, deutlich geworden, wie wichtig Forschung im Sinne von „Dual Use“ in Themenfeldern sei, die auch für Sicherheit und Verteidigung relevant sind. „Die Entwicklung neuer Technologien wird einen grundlegenden Einfluss auf sicherheitsrelevante Systeme haben – und damit auch auf die Fähigkeit Europas, künftig als souveräne Staatengemeinschaft agieren zu können.“

Die Themen von der Technik über die Naturwissenschaften bis hin zu den Geistes- und Wirtschaftswissenschaften seien von allgemeiner gesellschaftlicher Relevanz, sagt Eva-Maria Kern, die die Uni aus dem Effeff kennt. Seit 2007 bekleidete sie in München viele verschiedene Ämter. Was ist da noch von der Verfahrenstechnikerin geblieben? „Die Art und Weise zu denken und Probleme zu lösen. Und auch die Fähigkeit, technische Sachverhalte und Fragestellungen zu verstehen.“

Die Präsidentin sucht in der Kultur aktive Erholung

In diesem Jahr feiert die Universität ihren 50. Geburtstag. Dass die Universität in den vergangenen Jahren stetig wuchs und sich zu einer namhaften Wissenschaftsinstitution entwickelte, freut Eva-Maria Kern, ist aber auch Verpflichtung. „Herausfordernd wird sein, das Erreichte zu festigen, aber trotzdem den Schwung beizubehalten und uns als Universität qualitätsorientiert weiterzuentwickeln.“

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Aktive Erholung findet die Professorin in der Natur, „am liebsten am Berg“. Wenn es die Zeit zulässt, setzt sich die kulturbeflissene Eva-Maria Kern ans Klavier, feilt an ihrem Klarinettenspiel oder vertieft sich in ein gutes Buch.

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