Bitkom: Homeoffice die Regel 03. Apr 2020 von Claudia Burger

Führung in Zeiten der Corona-Krise

Flexibles Arbeiten wird nach einer Erhebung des Branchenverbandes Bitkom zur Regel. Das stellt Führungskräfte vor neue Herausforderungen.


Foto: panthermedia.net/ Dmitriy Shironosov

Unter dem Eindruck der Corona-Krise wird flexibles Arbeiten zum Standard. Neun von zehn Unternehmen (89 %) der Digitalwirtschaft empfehlen ihren Mitarbeitern, im Homeoffice zu arbeiten. Zwei Drittel (64 %) haben das sogar angeordnet. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom, an der sich 235 Unternehmen der IT-, Telekommunikations- und sich digitalisierender Branchen beteiligt haben. Demnach ist es nach Einschätzung der befragten Unternehmen für durchschnittlich 86 % der Mitarbeiter möglich, ihre Tätigkeit im Homeoffice auszuüben. 95 % der Unternehmen ersetzen Präsenztreffen durch Videokonferenzen. „Digitale Technologien sind der Garant dafür, das Wirtschaftsleben in Zeiten von Ausgangssperren, Kontaktverboten und Produktionsstopps am Laufen zu halten. Die Corona-Krise ist eine Aufforderung an Politik und Wirtschaft, die Arbeitswelt schnellstmöglich, umfassend und dauerhaft zu digitalisieren“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg.

Die weitgehende Stilllegung der Wirtschaft stelle die Digitalunternehmen vor enorme Herausforderungen. Jeweils sechs von zehn der befragten Unternehmen berichten von einer großen Verunsicherung ihrer Kunden (61 %) und von zurückgestellten Aufträgen (60 %). Jedes Vierte (23 %) habe heute bereits mit Auftragsstornierungen zu kämpfen. Jedes zweite befragte Unternehmen habe angesichts der Krise seinerseits Investitionsentscheidungen zurückgestellt, bei jedem Fünften wurde die Produktion eingeschränkt. Das liege auch an unterbrochenen Lieferketten. Betroffen sind insbesondere Unternehmen, die Geschäftskontakte nach China unterhalten.

Betriebsschließungen und Kurzarbeit

Für einen Teil der Digitalfirmen stellt sich laut Umfrage mit der Corona-Krise die Existenzfrage. 5 % der befragten Unternehmen haben Betriebsschließungen beschlossen, weitere 10 % diskutieren darüber. 7 % haben die Arbeitszeit verkürzt beziehungsweise Kurzarbeit eingeführt, weitere 34 % erwägen dies.

Die Corona-Krise stellt die Arbeitswelt teilweise völlig um und nach Ansicht von Fabian Dömer, Deutschlandgeschäftsführer von Arthur D. Little, wird der durch Corona verursachte Push für mobiles Arbeiten sich in Zukunft verstärken. „Wer jetzt nicht digital ist, muss sich schnellstmöglich umstellen: Die derzeitige Situation ist die wohl schonungsloseste Messung digitaler Defizite in Unternehmen. Hier gibt es große Unterschiede zwischen dem Mittelstand und Konzernen. Aktuelle Studien belegen, dass sich große Unternehmen mehrheitlich gut vorbereitet fühlen. Mittlere und kleinere hingegen müssen aufholen, wenn sie den Anschluss nicht verpassen wollen“, so Dömer. Er sieht zudem die Führungskräfte in der Verantwortung. „Optimismus und Fahren auf Sicht sind die Zutaten für den Managementmix in der Krise: Mitarbeiter im Homeoffice brauchen eine andere, emotionale und optimistische Führung, um durch diese schwere Zeit zu kommen. Unternehmen als soziale Organismen werden jetzt für das digitale Zeitalter neu definiert“, so Dömer. Auch Olaf Eisele vom Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (ifaa) in Düsseldorf betont, dass Führungskräfte in der Krise enorme Verantwortung für ihre Mitarbeiter haben. Für eine praktische Krisenkompetenz seien insbesondere Fachkompetenz (Wissen und Können auf breiter Basis), Sozialkompetenz (Umgang mit Mitarbeitern) und Persönlichkeitskompetenz (eigener Umgang mit Krise) erforderlich. Wichtige Führungsqualitäten seien positives Denken, Bewahren von Ruhe, Empathie, Kommunikationsfähigkeit und das Vertrauen auf eigene Stärken.

Das eigene Verhalten im Blick

Persönliches Fehlverhalten könnte die Krise auf betrieblicher Ebene weiter anheizen, so Eisele. Selbstreflexion könne helfen, sich möglicher negativer Reaktionsmuster bewusst zu werden. Wie reagiere ich? Resigniert, mutlos, unsicher oder aggressiv, provokativ? Gerade in Krisen kämen häufig negative Reaktionsmuster zum Vorschein. „Diese normalen menschlichen Muster sollten angenommen und nicht verdrängt oder ausgeblendet werden. Wichtig ist es, diesen Verhaltensmustern nicht zum Opfer zu fallen, sondern sie zu erkennen und Gegenmaßnahmen (z. B. enger Austausch und Zusammenschluss mit Anderen) zu ergreifen“, so Eisele. „Die aktuelle Krise zeigt erneut, dass Unternehmen der Führung in Krisen mehr Stellenwert beimessen müssen. Im Mittelpunkt von Krisen stehen immer die Menschen. Deshalb geht es in Krisen nicht nur um Führungsprozesse und Führungsmethoden, sondern auch um Führung mit einer Vision, Zielen und Werten“, betont Eisele.

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