Studie zur Krisenresilienz von Unternehmen 28. Apr 2021 Von Peter Steinmüller

„Führungskräfte betrachten Managementfragen durch die rosarote Brille“

Der Glaube an die Stabilität des eigenen Unternehmens erweist sich in der Coronakrise als robust. Dabei sind die Mitarbeitenden optimistischer als ihre Vorgesetzten. Das zeigt der Krisenscan im Auftrag der Krisenmanagementberatung Die Kontur.

Wo gehts lang? In der Coronakrise ist es für viele Führungskräfte schwierig, einen klaren Kurs zu setzen. "Auf dem Boden von Unsicherheit erwachsen keine beherzten Zukunftsstrategien oder Krisenreaktionen", warnt Unternehmensberater Bodo Antonic.
Foto: PantherMedia / peshkova

Der Krisenscan ist eine seit Januar laufende und im Netz tagesaktuell mitzuverfolgende repräsentative Stimmungserhebung in der deutschen Erwerbsbevölkerung, durchgeführt vom renommierten Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag der Krisenmanagementberatung Die Kontur. Zu Wochenbeginn vergangener Woche gaben 54 % der befragten Erwerbstätigen an, die wirtschaftliche Lage ihres Arbeitgebers sei eher stabil. Immerhin 12 % schätzten die Lage ihres Arbeitgebers als instabil ein. 34 % zeigten sich unsicher. Die gute Nachricht dabei: Seit Erhebungsbeginn steigt der Anteil derjenigen, die die Stabilität ihres Arbeitgebers positiv einschätzen, und die Zahl derjenigen, die unsicher sind, sinkt. Die schlechte: Wenn gut jedes zehnte Unternehmen kontinuierlich als instabil eingeschätzt wird, bleibt das volkswirtschaftlich bedenklich. Und auch die Unsicherheit, die sich in den Aussagen des guten Drittels der Befragten zeigt, ist gefährlich. So kommentiert Krisenmanager Bodo Antonic, der die Studie in Auftrag gegeben hat: „Auf dem Boden von Unsicherheit erwachsen keine beherzten Zukunftsstrategien oder Krisenreaktionen.“

Gerade mit Blick auf die Krisenreaktionsfähigkeit der Unternehmen hält die Studie einen weiteren Dämpfer bereit. Diese schätzen die Entscheider in den Unternehmen wesentlich positiver ein als der Durchschnitt der Befragten (57 % zu 48 %, Stand 19. April).

Urteil über die Lage positiv verzerrt

Studieninitiator Antonic sieht darin ein deutliches Anzeichen von „overconfidence“ im Management, also einem positiv verzerrten Urteil über die Lage. „Wie Studien zeigen, betrachten Führungskräfte gerne Managementfragen durch die rosarote Brille und überschätzen die eigene Leistungskraft.“ Das sei gerade im Krisenmanagement gefährlich. Zum einen führe es zu Fehlentscheidungen oder Untätigkeit. Zum anderen würden Krisen in Unternehmen nur dann bewältigt, wenn alle dasselbe Lagebild haben und an einem Strang ziehen.

Knapp die Hälfte der Befragten hält ihrem Arbeitgeber zugute, mit der Krise besser fertig zu werden als die Konkurrenz. Grafik: Civey

Mehr als die Hälfte der Befragten hält die Situation des eigenen Unternehmens für stabil. Grafik: Civey

Führungskräfte sind um neun Prozentpunkte optimistischer als der Durchschnitt der Befragten, wenn es um die Einschätzung der Krisenfestigkeit ihres Unternehmens im Vergleich zur Konkurrenz geht. Grafik: Civey

Die Zahl der Optimisten hat seit Januar zugenommen. Grafik: Civey

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Deshalb brauche es angesichts dieser Befunde auf breiter Front dreierlei:

1. Eine schonungslose Auseinandersetzung in den Unternehmen mit der Frage, wo Management und Mitarbeiter in Sachen Lagebeurteilung und Krisenbewältigung wirklich stehen.

2. Einen Plan, wie die Reihen geschlossen werden können, gegebenenfalls Kernprozesse gesichert, Unsicherheit beseitigt und Perspektiven eröffnet werden.

3. Die Bereitschaft, Krisenreaktionsfähigkeit in die DNA des Unternehmens einzupflanzen. Dies gelinge durch Sensibilisierung der Belegschaft für Krisensymptome, die Flexibilisierung der Organisation und eine Führungskultur, die auf Vertrauen baut und beherztes Durchgreifen im Krisenfall ermöglicht.

Den Krisenscan können Sie hier tagesaktuell nachverfolgen: https://krisenscan.bodo-antonic.de/

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