Tipps für die Unternehmensführung 31. Okt 2022 Von Jürgen Schmid

Gegen Fachkräftemangel hilft dem Maschinenbau ein gelungenes Design

Maschinendesign dient nicht nur dem Marketing, sondern lockt und bindet auch Fachkräfte.

Die Attraktivität als Arbeitgeber steigt, wenn Industriebetriebe Maschinen haben, an denen die Arbeit Freude macht, argumentiert Maschinendesigner Jürgen Schmid in seiner Kolumne.
Foto: Martina Draper

Viele Anfragen aus dem Maschinenbau an uns lauten: „Wir brauchen ein Maschinendesign, das die Innovation unseres Produktes sichtbar macht.“ Wenn mein Team und ich dann davon sprechen, dass eine Maschine immer auch ein Arbeitsplatz ist, an dem Menschen gerne arbeiten sollten, hören wir oft: „Wenn Ihnen dazu etwas einfällt, schauen wir uns das gerne an. Mehr Geld zahlen uns unsere Kunden dafür allerdings nicht.“

Den Nachwuchs in die Industriehallen locken

In diesem Punkt stelle ich allerdings bei immer mehr Unternehmen ein Umdenken fest. Vor etwa zwei Jahren noch hatte mich der Vorstand eines führenden Maschinenbauunternehmens wirklich überrascht, als er bei uns folgende Aufgabe anfragte: „Wir brauchen atemberaubende Maschinen, damit unsere Kunden die Menschen der jungen Generation in die Fabrikhallen bekommen. Die Bediener sollen sich darum zanken, wer an diesen Maschinen arbeiten darf.“

Innovative Produkte und konsequentes Marketing gehören zusammen

Er hatte beobachtet, wie sehr seine Kunden unter dem Fachkräftemangel leiden und wie groß das Potenzial ist, das dem Maschinendesign dabei zukommen kann. Eigentlich erstaunlich, dass es in der gesamten Maschinenbaubranche bisher keine systematischen Lösungen für diese Problemstellung gibt.

Maschinenbediener und andere Stakeholder in die Designentwicklung einbezogen

Auch deshalb reizte uns der Auftrag, und zwar in der ganzen Bandbreite. Wir nahmen gemeinsam mit dem Entwicklungsteam vor Ort nicht nur die Maschinenbediener in den Fokus, sondern auch alle anderen Stakeholder-Bereiche dieser Maschine, von der Montage über den Service bis hin zur Logistik. Denn an und mit diesen Maschinen arbeitet eine ganze Reihe von Menschen: die Produktionsmitarbeiterin, der ausliefernde Spediteur, die Menschen, die die Maschine vor Ort aufbauen und in Betrieb nehmen, bis hin zum Reinigungspersonal.

Für jede dieser Tätigkeiten, selbst für die einfachen, brauchen Sie Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die Sie haben – oder eben nicht (mehr) haben. So sagte mir kürzlich ein Personalleiter: „Wenn unsere Leute zum Reinigen in die Maschine hineinkriechen müssen, dann ist keiner mehr bereit, diesen Job zu erledigen.“ Und es klingt wie ein Witz, aber es war einem befreundeten Unternehmer bitterernst, als er mir vor einigen Tagen erzählte: „Zurzeit ist es leichter, einen neuen Geschäftsführer zu finden als einen Lageristen.“

Es gibt eine ganze Reihe von Stellschrauben, anhand derer sich die Arbeit mit und an Maschinen für alle angenehmer und attraktiver gestalten lässt. Ein Aspekt, der bei unserer Designentwicklung immer wichtiger wird: die durchgängige und konsequent umgesetzte innere Logik einer Maschine.

Bedienung von Hardware und Software der Maschine klaffen oft auseinander

Heute klaffen oft die manuelle und die Softwarebedienung noch so weit auseinander, dass die Mitarbeitenden gedanklich ständig von einem System zum anderen springen müssen. Geschultes Personal kann diese anstrengende und spaßfreie Herausforderung meistern. Doch heute ist es wichtig, dass ein Bediener auch nach einer kurzen Einlernphase schnell und fehlerfrei arbeiten kann. Logikoptimierte Maschinen machen das möglich.

Die Arbeit an ihnen erfordert auch deutlich weniger Konzentration, ist weniger ermüdend und schafft für den Benutzer schnelle Erfolgserlebnisse. Die Anwenderinnen und Anwender bauen so auch eine emotionale Bindung zu der Maschine auf, weil sie ihnen positive Gefühle beim Handling bringt.

Das wiederum können Unternehmen für sich nutzen: Ihre Arbeitgeber­attraktivität steigt, wenn sie Maschinen haben, an denen die Arbeit Freude macht.

Dank der Freude am Benutzen und der geringeren Belastung kommt es an solchen Maschinen auch deutlich weniger zu „Ups-Ereignissen“. „Ups“ sagen gerade jüngere Mitarbeiterinnen gerne, wenn ihnen ein Bedienfehler unterläuft – und sie sich weiter nichts daraus machen (im Gegensatz zu Ihnen, der Sie die wirtschaftliche Verantwortung für das Unternehmen tragen).

Umständliche Maschinenbedienung schreckt Bewerber ab

Und wenn Sie beobachten, welche waghalsigen Manöver oder riskante Verhaltensweisen Mitarbeiter in den Fabrikhallen oft vollführen, nur weil die sichere Bedienung ihnen zu umständlich ist, wissen Sie, was potenzielle Bewerbende abschreckt, und zwar nicht nur solche aus der jungen Generation.

Inzwischen arbeiten immer mehr weitsichtige Entscheider aus der Industrie intensiv daran, dass die Menschen in der Produktion ihre Maschinen tatsächlich mögen – sie also eine emotionale Beziehung zu ihnen aufbauen.

Welche Faktoren über die Marktführung entscheiden

„Es ist verblüffend, wie positiv die Reaktionen sind“, berichtete mir kürzlich der CEO eines führenden Maschinenbauers. „Die Mitarbeiter kommen auf einmal gerne in die Fabrikhallen unserer Kunden. Die sind stolz auf ‚ihre‘ Maschinen – und wer stolz ist, macht seine Arbeit gut.“

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