AUSLAND 21. Jun 2018 Maxim Kireev

„Mein Russland-Abenteuer“

Markus Taubert ist in Jekaterinburg bei Uralskije Lokomotiwy tätig. Leben und arbeiten am Fuße des Uralgebirges hat dem Dresdner Ingenieur neue Welten eröffnet. Die WM verdrängt derzeit andere Themen.

Jekaterinburg bildet die Industriemetropole am Fuße des Uralgebirges. Die 1,4 Mio. Einwohner zählende Stadt ist auch Austragungsort der Fußball-WM.
Foto: panthermedia.net/valphoto

„Man muss sich das Vertrauen der Russen verdienen und zeigen, dass man es fachlich draufhat.“ Markus Taubert, Entwicklungsingenieur im Lokomotivenwerk Uralskije Lokomotiwy.
Foto: privat

Markus Taubert zögerte nicht lange, als er vor zwei Jahren von seinem Arbeitgeber das Angebot bekam, nach Russland zu gehen. „Auf dieses Abenteuer lässt du dich noch mal ein“, sagte sich der Ingenieur. Dabei hatte sich Taubert nach Jobs in Slowenien, Kroatien, der Ukraine, Griechenland und Russland (Sankt Petersburg) gerade mit seiner Frau in Nürnberg niedergelassen, wo er im Stromrichter- und Motorenwerk von Siemens arbeitete. Nicht lange zuvor hatten sie eine Tochter bekommen, ihr Haus saniert und ausgebaut. Bereut hat er den Umzug nach Russland dennoch nicht, sagt er heute.

Seit rund einem Jahr arbeitet der gebürtige Dresdner als stellvertretender Chef der Abteilung für Konstruktion und Entwicklung im Lokomotivenwerk Uralskije Lokomotiwy in Werchnaja Pyschma, einem Vorort der Industriemetropole Jekaterinburg am Fuß des Uralgebirges. Fast zweieinhalb Flugstunden und etwa 1700 km östlich von Moskau liegt die Werkshalle von Ural-Loko, mitten in Russlands traditionellem Industrieherzen.

Wer an dunkle Hallen, ölige Maschinen und rauchende Schlote denkt, irrt. Denn die Fabrik ist ein Joint Venture des deutschen Technologiekonzerns Siemens und der russischen Sinara Group, die hier seit 2010 gemeinsam moderne Lokomotiven und seit 2014 die auf der Siemensplattform Desiro basierenden Lastotschka-Züge fertigen.

Manchmal ärgert sich Taubert darüber, dass Russland und Jekaterinburg mit Vorurteilen zu kämpfen haben. „Wenn ich bei einem deutschen Unternehmen anrufe, spüre ich manchmal, wie der Atem am andere Ende stockt“, sagt der Ingenieur. Dabei könne man mit russischen Firmen nicht nur gute Geschäfte machen. So mancher deutsche Betrieb könne sich von den Russen auch etwas abschauen, etwa wenn es darum geht, Neues auszuprobieren und über den Tellerrand hinauszuschauen. Viele der rund 3300 Ural-Loko-Mitarbeiter sind sehr jung, vor allem im Ingenieurbereich. „Sie sind wissbegierig, vieles müssen wir aber im Unternehmen noch anlernen. Begriffe wie Asynchronmotor und elektromagnetische Verträglichkeit, oder wozu ein geschirmtes Kabel gut ist, ist bei vielen noch ein weißer Fleck“, erklärt Taubert, der sich die Weiterbildung zu seiner kleinen Nebenaufgabe gemacht hat.

Der erfahrene Ingenieur ist immer zur Stelle, wenn es darum geht, aktuell anfallende Probleme zu analysieren und auszuräumen. Hauptbestandteil seiner Arbeit ist jedoch die permanente Verbesserung der Züge und Lokomotiven. Etwa wenn der Hauptkunde RZD, die russische Eisenbahngesellschaft, einen Wunsch äußert oder sich die technischen Anforderungen ändern. Viele Teile, die am Ural verbaut werden, stammen von russischen Zulieferern oder direkt von den Siemenswerken in Russland. „Mein Job ist es, die Wünsche in technische Anforderungen umzusetzen, damit wir ein Bauteil so bekommen, wie wir – und der Kunde – es brauchen“, erklärt Taubert. Mittlerweile stammen etwa 80 % der Teile aus dem Inland, ein überlebenswichtiger Schritt für das Unternehmen angesichts der rasanten Rubelabwertung während der letzten Krise. Die Motoren und Umrichter kommen aus einem Siemens-Werk in Sankt Petersburg, während die Karosserien eigens am Ural gebaut werden.

Doch nicht nur die Ural-Loko-Züge sind mittlerweile – trotz deutschen Know-hows – mehrheitlich russisch. Auch im Unternehmen selbst ist die russische Unternehmenskultur, trotz 50-prozentiger Beteiligung der deutschen Partner, spürbar. Manches wirke auf Europäer altbacken und bürokratisch: Ohne schriftliches Papier mit Stempel oder den Segen des Generaldirektors gehe praktisch nichts. Eine E-Mail dagegen hat eher informellen Charakter.

Gleichzeitig gebe es innerhalb der Abteilungen ein sehr intensives Gefühl, zum „Kollektiv“ zu gehören, sagt der 50-Jährige. Kollegen unternehmen gemeinsam Wochenendausflüge, gehen campen oder wandern. „Man muss sich das Vertrauen der Russen aber erst verdienen und zeigen, dass man es fachlich draufhat. Ganz wichtig ist, auch private Kontakte zu knüpfen. Dann aber ist der Zusammenhalt viel enger als in Deutschland.“ Momentan sei in der Belegschaft natürlich die Fußballweltmeisterschaft Gesprächsthema Nummer eins, auch, wenn die meisten Russen eher dem Eishockey verbunden sind. WM-Stimmung spüre man in Jekaterinburg trotzdem, zumal die Stadt einer der Spielorte ist.

„Ausländer sind hier ja eher selten, deswegen werden wir hier besonders freundlich behandelt“, erklärt Taubert. Und auch wenn seine Familie bald nach Deutschland zurück muss, weil die Tochter eingeschult wird, möchte er noch ein bisschen in Russland bleiben. Jekaterinburg sei zwar nicht so eine Schönheit wie Sankt Petersburg, aber kulturell seien Oper und Theaterhaus auf jeden Fall einen Besuch wert.

Der Alltag funktioniert dagegen wie in jeder anderen Großstadt. Das Leben am Ural gefällt dem Dresdner, zumal er noch ein Ziel vor Augen hat. „Ich möchte eine neue Plattform für Lokomotiven in Russland entwickeln, mit moderner Asynchron- und Umrichtertechnik, die mithilfe von Siemens umgesetzt werden kann“, schwärmt Taubert. Eine entsprechende Präsentation seiner Idee ist bereits in Arbeit.

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