HOCHSCHULE 07. Nov 2014 Peter Ilg

„Die Industrie braucht mehr Mechatronik-Ingenieure“

Mechatronik ist eine junge Ingenieurdisziplin und ein Studiengang, den viele Hochschulen inzwischen mit unterschiedlicher Ausprägung anbieten. Rolf Biesenbach ist Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Mechatronik und Dekan des Fachbereichs Elektrotechnik und Informatik an der Hochschule Bochum. Dort wurde der Studiengang vor 21 Jahren erstmals angeboten. Biesenbach rät zum interdisziplinären Studium.

Rolf Biesenbach betont den interdisziplinären Charakter der Mechatronik.
Foto: privat

VDI nachrichten: Die Hochschule Bochum war bundesweit die erste, die einen eigenständigen Studiengang Mechatronik eingeführt hat. Im Vergleich zu anderen Fachrichtungen ist Mechatronik eine junge Ingenieurdisziplin. Ist sie inzwischen etabliert?

Biesenbach: Allein an der Vielzahl an Universitäten und Hochschulen, die Mechatronik anbieten, kann man sehen, dass sich die Disziplin in den Ingenieurwissenschaften etabliert hat. Rund 60 Hochschulen sind in den vergangenen 20 Jahren unserem Beispiel gefolgt und bieten Mechatronik als Studiengang an. Das Fachgebiet ist aber immer noch eine der jüngsten Ingenieurdisziplinen.

Rolf Biesenbach

Dekan des Fachbereiches Elektrotechnik und Informatik an der Hochschule Bochum
Geschäftsführer Mechatronik-Zentrum NRW
Deutsche Gesellschaft für Mechatronik e.V.

Wer eignet sich für diesen Studiengang?

Das sind insbesondere junge Leute, die gerne über den Tellerrand hinausschauen. Die neugierig sind. Wenn man nun diese persönlichen Eigenschaften paart mit einer guten mathematisch-physikalischen Ausbildung und Fleiß, dann sind das ideale Voraussetzungen, damit am Ende eines Studiums ein guter Mechatronik-Ingenieur herauskommt.

Mechatronik ist eine stark wachsende Ingenieurdisziplin

Im Wintersemester 2003/2004 waren 3650 Studenten in Mechatronik eingeschrieben. Zehn Jahre später sind es rund 16 400 gewesen. Mechatronik studieren meist Männer, der Frauenanteil liegt bei bescheidenen 7 %. Im Prüfungsjahr 2013 gab es ca. 2300 Absolventen. Zehn Jahre davor sind es 116 gewesen. Diese Informationen stammen vom Statistischen Bundesamt.

Mechanik, Elektronik, Informatik: Dieses Trio kombiniert ergibt Mechatronik. Alle drei sind eigene Disziplinen, Mechatroniker sollen alle drei beherrschen. Können die Absolventen dieses Studiengangs das tatsächlich leisten oder wird im Studium jeweils nur an der Oberfläche dieser Fachgebiete gekratzt?

Die Besonderheit der Mechatronik liegt nicht darin, die besseren mechanischen oder elektrischen Konstrukteure oder Programmierer auszubilden. Bei der Mechatronik geht es immer um interdisziplinäre Lösungen und nicht um Verbesserungen innerhalb einer einzelnen Ingenieurdomäne. Mechatronik-Ingenieure haben immer einen ganzheitlichen Ansatz.

Und wie sieht dieser Ansatz in der Praxis aus?

Häufig geht es in der Arbeit von Mechatronik-Ingenieuren um Optimierung interdisziplinärer Lösungsansätze. Ein aktuelles Thema sind Fahrerassistenzsysteme im Auto. Die Funktionsweise mechatronischer Systeme ist auch bei neuen Themen die alte. Beispiel Digitalkamera, die jeder von uns im Handy mit sich herumträgt. Mechanisch-optische Funktionen sind in der Digitalkamera erweitert um ein elektronisches Bildaufnahmesystem, das die Fotos digital speichert und auf einem Display in elektronischer Form darstellen kann. Funktionen werden über Software gesteuert. Zu mechanischen kamen elektronische und informationstechnische Komponenten und es wurde die Digitalkamera daraus. Mithilfe von Mechatronik.

Was sind klassische Einsatzgebiete von Mechatronik, was künftige?

Als Endbenutzer haben wir das Produkt in den Händen. Das kann die Kamera sein oder ein Auto oder ein medizintechnisches Produkt. Was aber in der industriellen Welt eine ganz wichtige Frage ist: Wie wird das Produkt gefertigt? In der westlichen Welt geschieht das industriell. In den Produktionsmechanismen spielen mechatronische Systeme eine ganz wichtige Rolle. So ist die Automatisierungstechnik ein klassisches Einsatzgebiet. Ebenso die Automobilbranche, Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik und die erneuerbaren Energien. In den allermeisten technischen Produkten steckt Mechatronik und das über alle Branchen hinweg.

Meinen Sie, dass künftig mehr, weniger oder gleichbleibend viele Mechatronik-Ingenieure gebraucht werden?

Ich meine, dass der interdisziplinäre Anteil in Produkten immer größer wird. Das bedeutet, dass wir immer mehr Ingenieure brauchen, die das fachliche Verständnis dafür haben, über den Tellerrand hinauszuschauen. Selbstverständlich brauchen wir weiterhin Spezialisten für Mechanik, Elektrotechnik, Informatik. Aber durch die weit verbreiteten Systemlösungen, in denen unterschiedliche Ingenieurdisziplinen zusammenwirken, brauchen wir immer mehr Mechatroniker.

Die Hochschule Bochum bietet das Fach Mechatronik als Bachelor- und Master-Studiengang an? Wie viele der Absolventen setzen einen Master- auf ihren Bachelor-Abschluss?

Geschätzt sind das etwa 20 %. Man sollte sich aber an dieser Stelle darüber im Klaren sein, dass in Deutschland der Bachelor ein berufsqualifizierender Ingenieurabschluss ist. Um in der Entwicklung zu arbeiten, sind die Leute mit einem Bachelor gut ausgebildet. Für die Forschung braucht es häufig einen Master-Abschluss.

Auf der Homepage der Gesellschaft für Mechatronik steht eine Übersicht der Mechatronik-Studiengänge in Deutschland. Etwa 60 sind aufgelistet, von der allgemeinen Mechatronik bis hin zur speziellen in Automatisierungstechnik oder Automobil-Mechatronik. Raten Sie eher zum generellen oder speziellen Studium der Mechatronik?

Wer später interdisziplinär in Projekten arbeiten will, vielleicht auch als Projektleiter, ist besser in einem allgemeinen Mechatronik-Studium aufgehoben. Wer Spaß an einer Spezialisierung hat, sollte entsprechend seinen Fähigkeiten und Neigungen eine Vertiefung wählen. Die Berufsaussichten sind für beide gewählte Ansätze sehr gut.

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