Studie zu Hochschulleitungen 04. Mrz 2021 Von Wolfgang Schmitz Lesezeit: ca. 2 Minuten

Ingenieurinnen fehlen an der Uni-Spitze

Besonders bunt ist die Führungsriege an deutschen Hochschulen nicht. Es mangelt an Frauen und an Internationalität, so eine Studie des Centrums für Hochschulentwicklung.


Foto: PantherMedia / Andriy Popov

Die Führungsriege der deutschen Hochschulen ist eine homogene Gruppe. Die typische Leitung einer deutschen Hochschule ist männlich, 57 Jahre alt und stammt aus Westdeutschland. Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) wertete hierfür die Lebensläufe von rund 300 amtierenden Präsidenten und Präsidentinnen, Rektoren und Rektorinnen aus.

Der größte Anteil staatlicher Hochschulleitungen hat einen Studienhintergrund im Bereich der Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (36 %). Es folgen Mathematik und Naturwissenschaften (26 %) sowie die Geisteswissenschaften. 13 % aller Topführungskräfte kommen aus den Ingenieurwissenschaften.

Weniger als ein Viertel der deutschen Hochschulen wird aktuell von einer Frau geleitet. Im September 2020 lag die Frauenquote bundesweit bei 22,9 %. Bei den privaten Hochschulen war sie mit 20,8 % etwas geringer.

Westdeutsche in der Mehrzahl

Der überwiegende Teil dieser Führungskräfte wurde in Deutschland geboren. Lediglich bei 15 Personen konnte ein ausländischer Geburtsort ermittelt werden, der überwiegende Teil davon (zehn Personen) leitet eine private Hochschule. Innerhalb Deutschlands stammen die meisten Hochschulleitungen aus einem westdeutschen Bundesland. Zurzeit werden zehn staatliche Hochschulen von Personen aus ostdeutschen Bundesländern – inklusive Berlin – geleitet.

Ulrich Müller, Leiter politischer Analysen beim CHE, wünscht sich auch im Hinblick auf den Nachwuchs im Wissenschaftsmanagement mehr Diversität auf den Chefsesseln der Hochschulen. „Die Führungskräfte von morgen brauchen schon jetzt Vorbilder, die ihnen signalisieren, dass sie auch mit nicht klassischen Biografien im Wissenschaftssystem Karriere machen können.“

„Chance zur Diversität verpasst“

In der Gruppe der privaten Hochschulleitungen finden sich unter den Führungskräften auch zwölf Personen mit einer beruflichen Ausbildung, darunter Rettungssanitäterinnen und -sanitäter, Chemielaborantinnen und -laboranten sowie Industriekaufleute. Durchschnittlich sammelten die Hochschulführungen im Schnitt rund 13 Jahre Berufserfahrung außerhalb des Wissenschaftssystems, vielfach davon auch im Ausland.

Die Analyse der Amtszeiten ergab, dass seit 2016 rund jeder zweite Posten als Präsident, Präsidentin, Rektor bzw. Rektorin an einer deutschen Hochschule neu vergeben wurde. „Gerade bei der großen Anzahl an Neubesetzungen von Hochschulleitungen in den vergangenen fünf Jahren wurde eine Chance zur Diversität verpasst, etwa die Frauenquote zu erhöhen“, urteilt Ulrich Müller. „Angesichts des hohen Durchschnittsalters der Hochschulleitungen bietet sich aber wohl auch in den kommenden Jahren die Gelegenheit dazu, eine größere Heterogenität auf Führungsebene zu erreichen.“

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