Digitales Planen und Bauen 23. Aug 2022 Von Sabine Philipp

In der Baubranche hört Digitalisierung oft nach der Planung auf

Die IT und das vernetzte Arbeiten ziehen langsam auch in die Baubranche ein. Noch immer gibt es jedoch eine Zweiteilung: Während zunehmend digital geplant und verwaltet wird, ist das Bauen selbst noch sehr analog.

Der Roboter Spot von Boston Dynamics zeigt am Stand von Hexagon/Leica Geosystems auf der Messe Digitalbau eine Anwendung für Roboter auf der Baustelle: Das Dokumentieren des Baufortschritts kann der gelbe Helfer schon (teil-)autonom erledigen. Noch sind Roboter auf der Baustelle aber nur selten anzutreffen.
Foto: Messe München.

Branchen wie der Automobilbau sind der Bauindustrie zwar immer noch Jahre voraus, wenn es um digitales Arbeiten geht, doch langsam wird aufgeholt. Laut der Studie „Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Corona in der Bauindustrie“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC ist den Akteuren das Potenzial nämlich bewusst. Auch wenn sie die eigenen Fähigkeiten als ausbaufähig bewerten.

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„Das Interesse an digitalen Themen wächst stetig“, sagt Otto Nowack, Projektleiter der Messe Digitalbau, auf der im Frühjahr Produkte wie Roboter und Virtual-Reality-Brillen für die Baustelle präsentiert wurden. Bis dato war das Themenfeld „digitale Lösungen in der Baubranche“ alle zwei Jahre ein Ausstellungsbereich der riesigen Messe „Bau“ in München. „Damals hat sich aber schon abgezeichnet, dass wir eine eigene, ergänzende Fachmesse brauchen“, erinnert sich Nowack. Da auch hier Innovationszyklen immer kürzer werden, soll sie nun im Jahresturnus stattfinden.

Halb virtuell, halb real: Mit dem Gerät „Trimble XR10 mit Hololens 2“ können 3D-Modelle und andere Projektdaten über die Kollaborationsplattform aus der Planungssoftware abgerufen und in der realen Umgebung positions- und maßstabsgetreu verankert werden. Modelldaten lassen sich so je nach Gewerk mit der Situation vor Ort und im modellierten Detailgrad von 1:1 überlagern und vergleichen.
Foto: Messe München

Beim Bauen werden die meisten Arbeiten noch ohne digitale Unterstützung verrichtet

Doch bei der IT gibt es Baustellen. „Ein großes Problem in der Branche ist, dass die meisten Arbeitsschritte noch analog durchgeführt werden“, meint dazu Fritz Cramer, Mitgründer von Cosuno. Das Start-up hat eine Software entwickelt, um den Ausschreibe- und Vergabeprozess zu digitalisieren, und ist einer der Gewinner der „Innovation Challenge“ auf der Digitalbau. Die Idee für die Software kam dem studierten Mathematiker, als er mit einem Kollegen ein großes Unternehmen im Bereich Schalungs- und Gerüstbau zum Thema Digitalisierung beraten hatte. „Dabei sind uns die massive Ineffizienz der Baubranche sowie das unausgeschöpfte Potenzial im Bereich digitaler Transformation bewusst geworden.“

Die Gründer des Bau-IT-Start-ups Cosuno (v. li.): Christoph Berner, Fritz Cramer und Maximillian Seifert. Ihre App soll die Zusammenarbeit beim Bauen reibungsloser gestalten als bisher.
Foto: Cosuno

Ein Problem der Branche besteht laut Cramer darin, dass sie äußerst fragmentiert ist. „Allein in Deutschland lag 2018 die Anzahl der Bauunternehmen laut Statistischem Bundesamt bei fast 390 000.“ Im Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen seien es hingegen weniger als 70 000 gewesen. „Die Koordination dieser vielen unterschiedlichen Gewerke bei einem Bauprojekt artet dann schnell in eine Herkulesaufgabe aus“, so Cramer.

Die genaue Berufsbezeichnung des Naturwissenschaftlers ist „Technomathematiker“. Menschen mit diesem Beruf entwickeln und bearbeiten laut der Bundesagentur für Arbeit mathematische Modelle, um mithilfe von Computern komplexe naturwissenschaftliche und technische Probleme zu lösen. Die TU Hamburg ergänzt, es gehe um „diejenigen Bereiche der Mathematik, die eng mit Ingenieurwissenschaften und Industrie verwoben sind und die an diesen Schnittstellen besonders benötigt werden“.

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