Globale Führungsrolle bei Wasserstofftechnologien angestrebt 10. Jun 2020 Von Jens D. Billerbeck

Bundesregierung verabschiedet Nationale Wasserstoffstrategie

Das Bundeskabinett hat am heutigen Mittwoch die Nationale Wasserstoffstrategie beschlossen. Zusätzlich wurden die Mitglieder des neu einzurichtenden Nationalen Wasserstoffrats ernannt.


Foto: PantherMedia/4eka13

Um wichtige deutsche Kernbranchen wie die Stahl- und Chemieindustrie, aber teilweise auch den Verkehrssektor zu dekarbonisieren, kommt dem Gas Wasserstoff eine entscheidende Bedeutung zu. Zugleich können sich nach Überzeugung der Bundesregierung Wasserstofftechnologien künftig zu einem zentralen Geschäftsfeld der deutschen Exportwirtschaft entwickeln. Deshalb hat das Bundeskabinett heute die Nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet. Um diese konsequent umzusetzen und zu entwickeln, soll eine flexible und ergebnisorientierte Struktur geschaffen werden. In deren Mittelpunkt steht die Einrichtung eines Nationalen Wasserstoffrats, dessen Mitglieder heute vom Bundeskabinett ernannt wurden.

„Zu einem Innovationsland gehört auch, ambitionierte Ziele für eine international wettbewerbsfähige Wasserstoffwirtschaft zu formulieren. Das ist uns mit der Nationalen Wasserstoffstrategie gelungen“, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek. Die langen Verhandlungen hätten schlussendlich zu einem guten Ergebnis geführt. „Grüner Wasserstoff ist der Energieträger der Zukunft.“

Nachhaltige Energieversorgung

Die heutige Verabschiedung der Strategie sei der Startschuss für eine ebenso ambitionierte Umsetzung. Karliczek: „Wir brauchen eine nachhaltige Energieversorgung aus erneuerbaren Energien, wenn wir bis 2050 klimaneutral sein wollen. Wir werden die Förderung von Forschung und Innovation zum grünen Wasserstoff weiter intensivieren: von der Erzeugung über Speicherung, Transport und Verteilung bis hin zur Anwendung.“ Bis 2023 sollen dafür zusätzlich 310 Mio. € zur Verfügung gestellt werden. „Das wird uns Rückenwind geben, damit Deutschland um den Weltmeistertitel beim grünen Wasserstoff erfolgreich mitspielen kann“, zeigte sich die Ministerin optimistisch.

Ähnlich ehrgeizig die Ziele von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: „Mit der Wasserstoffstrategie stellen wir die Weichen dafür, dass Deutschland bei Wasserstofftechnologien die Nummer eins in der Welt wird. Die Zeit für Wasserstoff und die dafür nötigen Technologien ist reif.“ Es gelte, jetzt die Potenziale für Wertschöpfung, Beschäftigung und den Klimaschutz zu erschließen und zu nutzen. Altmaier ist überzeugt: „Wasserstoff wird ein Schlüsselrohstoff für eine erfolgreiche Energiewende sein. Er wird als Energieträger der Zukunft sowohl in Deutschland als auch weltweit einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leisten.“ Dabei werde Deutschland eine Vorreiterrolle einnehmen, wie es das Land vor 20 Jahren bereits mit der Förderung der erneuerbaren Energien getan habe.

Zukunftsperspektive für Fahrzeugindustrie

Für Verkehrsminister Andreas Scheuer spielt Wasserstoff auch im Verkehrsbereich eine Schlüsselrolle: „Wasserstoff muss für die Menschen erlebbar werden. Genau an dieser Stelle setzt die Strategie jetzt an und nimmt die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick – Technologie, Erzeugung, Speicherung, Infrastruktur und Anwendung in Fahrzeugen.“ Mit den sogenannten HyLand-Projekten würden in einzelnen Regionen die Wasserstofftechnologien von der Erzeugung bis zur Nutzung vor Ort aufgebaut. Jetzt müsse das auch bundesweit geschehen. Scheuer: „Zusätzlich werden wir ein Wasserstoff-Anwendungs- und Technologie-Zentrum für die Zulieferindustrie sowie eine eigene Brennstoffzellenproduktion in Deutschland unterstützen und aufbauen. Das bietet eine Zukunftsperspektive für die deutsche Fahrzeugindustrie und sichert viele Arbeitsplätze.“

Klimaschutz und nachhaltige Erholung der Wirtschaft

„Die Nationale Wasserstoffstrategie wird Deutschland doppelten Schub verleihen – für den Klimaschutz und für die nachhaltige Erholung unserer Wirtschaft nach der Corona-Krise“, ergänzte Bundesumweltministerin Svenja Schulze. „Grüner Wasserstoff bietet uns die Chance, Klimaschutz in den Bereichen voranzubringen, wo wir bisher noch keine Lösungen hatten, zum Beispiel in der Stahlindustrie oder im Flugverkehr.“ Das funktioniere, weil die Strategie vor allem auf die Förderung von grünem Wasserstoff ausgerichtet ist, also Wasserstoff aus 100 % erneuerbaren Energien. Für Schulze ist damit klar: „Wer Ja sagt zu Wasserstoff, muss auch Ja sagen zu Windenergie. Für grünen Wasserstoff brauchen wir zusätzlichen grünen Strom. Deswegen müssen und werden wir die erneuerbaren Energien konsequent ausbauen.“ Grüner Wasserstoff biete die Chance, Klimaschutz mit nachhaltiger Industrie zu verbinden und so zukunftsfeste und krisenfeste Jobs zu schaffen.“

BDI: „Keinen Moment zu früh“

„Die Entscheidung der Bundesregierung kommt keinen Moment zu früh“, kommentierte Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des BDI, den Beschluss. „Nur mit Wasserstoff zu wettbewerbsfähigen Preisen – aus heimischer Quelle und aus Importen – lässt sich das Ziel einer Klimaneutralität im Jahr 2050 erreichen. Die Wasserstoffstrategie schafft die Voraussetzungen für eine Energiewende, die Industrie- und Klimapolitik stärker miteinander verzahnt.“

Lösch begrüßt, dass die Regierung die Produktion von grünem Wasserstoff von der EEG-Umlage befreien und rasch die notwendigen regulatorischen Grundlagen für den Ausbau einer Wasserstoffinfrastruktur schaffen will. Doch bei der Finanzierung des Markthochlaufs bleiben für ihn einige Fragen offen: „Die Bundesregierung verpasst die Chance, das Potenzial des Straßenverkehrs für den Markthochlauf von Wasserstoff zu nutzen. Dieses schwere Versäumnis ist kontraproduktiv angesichts der aufgrund der Corona-Pandemie eingeschränkten privaten und öffentlichen Investitionsmöglichkeiten.“

Und er mahnt: „Eine international wettbewerbsfähige Wasserstoffwirtschaft wird nur europäisch gelingen.“ Die Weiterentwicklung und die Umsetzung der europäischen Wasserstoffstrategie gehörten für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft ganz oben auf die Agenda. Lösch: „Zentral sind der Aufbau EU-weiter Transportinfrastrukturen und großer Wasserstofferzeugungsanlagen sowie die Entwicklung einer europäischen Wasserstoff-Importstrategie.“

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