Studie zu Schutzmaßnahmen in Tropengewässern 20. Apr 2020 Von Bettina Reckter

Erfolgsaussichten für Korallenriffe bewertet

Korallenriffe sind einzigartige Naturräume. Doch sie sind bedroht – vom Klimawandel, aber auch durch die Überfischung. Ein internationales Forscherteam hat nun untersucht, ob und wie Korallenriffe geschützt werden können und wie effektiv solche Maßnahmen sind. Dabei entstand ein weltweit einzigartiger Datensatz von rund 1800 Riffstandorten.

Korallenriff in Thailand.
Foto: Melanie Bon, Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung

Für die Meeresökologie sind Korallenriffe wichtige Lebensräume. Sie bieten zahllosen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. Außerdem verdienen rund 500 Mio. Menschen ihren Lebensunterhalt in tropischen Riffregionen. Doch ihre Aktivitäten setzen den Korallenriffen zu. Beispiele dafür sind etwa Überfischung, Abfälle und Abwassereinleitungen sowie die Zerstörung durch Küstenbebauung.

Ein Team aus 38 internationalen Forschern unter Beteiligung des Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen hat nun Daten von rund 1800 Riffstandorten gesammelt und mithilfe der Datensätze simuliert, wie sich Schutzmaßnahmen auswirken könnten. Die Ergebnisse haben die Forscher in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht.

Etwa 2800 Schutzgebiete weltweit

Es gibt viele Gründe, die empfindlichen Meeresbiotope zu schützen. Der Erhalt der Biodiversität oder bestimmter Ökosystemfunktionen oder eine Unterstützung der Fischerei sind nur Beispiele für die Ziele, deretwegen in rund 2800 Schutzgebieten weltweit die Nutzung eingeschränkt oder sogar vollständig verboten wurde. Doch solche Maßnahmen sind teuer, arbeitsintensiv und selten von den Küstenbewohnern akzeptiert, die in solchen Riffen ihren Lebensunterhalt verdienen. Daher ist eine Abwägung wichtig, welche Schutzmaßnahmen mit welchem Aufwand zum Erfolg führen könnten.

Unter der Leitung von Joshua Cinner von der James Cook University in Australien trugen Forscher zehn Jahre lang an mehr als 1800 tropischen Riffstandorten weltweit eine umfangreiche Datensammlung zu Lage, Umgebung und ökologischem Zustand der Riffe zusammen. Beteiligt daran war auch Sebastian Ferse, Korallenriffökologe am ZMT.

Von Fischen und Korallen

Drei repräsentative Managementziele hatten die Forscher dabei besonders im Blick: die Biomasse großer Fische, die Anzahl und Arten von Papageifischen und die Vielfalt an spezifischen Eigenschaften der Rifffische, wie Ernährung, Aktionsradius und Schwimmverhalten. „Die Biomasse der größeren Fische ist ein Hinweis auf den Wert eines Riffes für die Ernährung der Bevölkerung“, erklärt Sebastian Ferse. „Papageifische erfüllen eine wichtige Funktion für die Vermehrung der Korallen. Sie weiden Algen ab und reinigen dadurch die Flächen, auf denen sich Korallenlarven ansiedeln. Die Merkmalsvielfalt wiederum ist eine Dimension der Biodiversität und ein Maß für die Widerstandsfähigkeit einer Tiergemeinschaft gegenüber schädigenden Faktoren.“

Daten über die Küstenumgebung wie die Bevölkerungsdichte, der Entwicklungsstatus des jeweiligen Landes und die Entfernung und Erreichbarkeit von Märkten flossen ebenfalls in die Erhebung der Forscher mit ein, um den Einfluss des Menschen auf die Riffe zu bestimmen. Lag das Riff in einem Meeresschutzgebiet, wurde dies ebenfalls notiert.

Modellrechnungen zu Managementmaßnahmen

Wie sich Managementmaßnahmen auf die drei Parameter Fischbiomasse, Papageifische und Merkmalsvielfalt auswirken, ermittelten die Wissenschaftler in einer Simulation anhand der gesammelten Daten. Die Modellrechnungen ergaben, dass die Wirksamkeit der Schutzmaßnahmen stark unterschiedlich ist.

Die Ergebnisse seien teilweise ernüchternd, meinen die Forscher. So erreichten selbst sehr restriktive Schutzvorschriften, etwa die Errichtung sogenannter „no take zones“, zum Teil nur geringe Effekte etwa auf die Entwicklung der Fischbiomasse, während diese in Riffen mit wenig menschlichem Einfluss auch ohne Schutzgebiete hoch ist. Bei anderen Parametern wiederum war es nicht so ausschlaggebend, ob strenge oder weniger strikte Regeln herrschten.

„Mit unserer umfangreichen Datenbasis können wir ermitteln, unter welchen Gegebenheiten es sich lohnt, Ressourcen in Schutzmaßnahmen zu investieren und welche Effekte Küstenmanager realistischerweise von solchen Maßnahmen erwarten können“, so Ferse. Nationale und internationale Schutzprogramme könnten sich dadurch besser auf bestimmte Ziele fokussieren und Prioritäten setzen.

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