Landtechnik 14. Mai 2021 Von Martin Ciupek

Darum muss die Landwirtschaft noch ohne 5G auskommen

Landtechnikhersteller treiben die Vernetzung voran. Doch vom Einsatz der Mobilfunktechnologie 5G sind die Landwirte jedoch weiter entfernt als die Industrie. Carsten Hoff, Geschäftsführer Claas E-Systems, beschreibt die aktuelle Entwicklung.


Foto: CLAAS KGaA mbh

Gerade hat der Landtechnikhersteller Claas aus Harsewinkel bekannt gegeben, ab sofort sein Telematiksystem Claas Telematics mit dem Managementsystem Climate FieldView vom Unternehmensbereich „Digitale Landwirtschaft“ der Bayer AG zu vernetzen. Darüber sollen künftig automatisch wichtige Informationen mit Zustimmung des Landwirts oder Lohnunternehmens verbunden werden. Indem genaue Informationen über die Erträge der letzten Jahre und teilflächenspezifische Ertragsunterschiede genutzt werden, sollen Dünge-, Pflanzenschutz- und Aussaatstrategie verbessert werden. Das klingt nach einer idealen Anwendung für Mobilfunktechnologien wie 5G.

Potenziale von 5G in der Landtechnik

Der Landtechnikhersteller Claas hat im Forschungsprojekt 5G-NetMobil ab 2017 zusammen mit Partnern wie BMW, Bosch und Volkswagen Aspekte des vernetzten Fahrens erprobt. In der Projektlaufzeit von drei Jahren wurden dabei verschiedene Anwendungsszenarien betrachtet. „Für die Landtechnik haben wir uns das parallele Fahren angeschaut“, berichtet Carsten Hoff, Geschäftsführer Claas E-Systems. Das sind Arbeitsprozesse wie die Maisernte, bei denen der Häcksler von Fahrzeugen mit Anhänger begleitet wird, die die Ernte abwechselnd aufnehmen. Der Abstand zwischen den Fahrzeugen beträgt dabei gerade einmal 1 m. „Im Laufe eines manchmal langen Erntetages kann das ein erhebliches Risikopotenzial sein“, sagt Hoff. Analog zum Kolonnefahren auf der Straße sprechen die Landtechniker von „parallelem Platooning“.

Von den unterschiedlichen Aspekten, die 5G bietet, ist für Claas vor allem die direkte Kommunikation zwischen zwei Geräten interessant. „Dann können sie auf dem Feld nebeneinander arbeiten, auch wenn kein Mobilfunkmast in der Nähe ist.“, erklärt Hoff. „Wir haben gesehen, dass das relativ gut funktioniert, mit entsprechend geringen Latenzzeiten und einer Reichweite ähnlich wie in einem WLAN-Netz.“

Die Praxis bei den Landwirten

In der Praxis sind die Landwirte derweil noch mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert. Viele Betriebe hätten mit sehr langsamen Internetverbindungen zu kämpfen, sodass selbst Büroanwendungen wie 365FarmNet – eine Plattform für das Farmmanagement – nur sehr schleppend liefen. Auf den Feldern abseits der Betriebsstätten sähe es häufig noch schlechter aus: „Wir reden schon über 5G, aber wir haben in Deutschland immer noch eine große Zahl an Kunden, die auf dem Feld überhaupt keine Datenverbindungen haben“, so Hoff. Schon den Fahrer per Mobiltelefon zu erreichen, sei oft ein Problem. „Deshalb ist bei vielen unserer Kunden 5G noch lange nicht im Fokus, da reden wir erst einmal über Konnektivität mit 50 Mbit/s“. Das sind Übertragungsraten, die in Deutschland bereits in über 90 % der Haushalte verfügbar sind.

Ähnlich sieht es bei DataConnect aus, eine Lösung, über die Landwirte Daten von Maschinen unterschiedlicher Hersteller austauschen können. Die Telematikdaten der Maschinen landen dabei zunächst auf dem Server des jeweiligen Herstellers. Dann können Kunden entscheiden, in welcher Herstellerplattform sie die Daten ansehen möchten. „Der Austausch dieser Daten funktioniert bereits hervorragend zwischen den Servern der Anbieter Claas, John Deere und 365FarmNet, weitere Partner kommen in Kürze dazu. Die kritische Verbindung ist die von der Maschine zum ersten Server“, sagt der Elektronikspezialist. Hier passiere es oft, dass auf dem Feld keine Verbindung hergestellt werden könne. „Dann werden die Daten lokal auf der Maschine gespeichert und abends auf dem Hof oder von einer Stelle mit besserer Konnektivität hochgeladen“, stellt er fest. In manch anderen Ländern funktioniere die direkte Anbindung vom Feld aus bereits besser als in Deutschland.

Carsten Hoff, Geschäftsführer Claas E-Systems.
Foto: Foto Paradies Inh.Bernhard Brockmann/CLAAS

Hoff glaubt deshalb auch nicht, dass Campusnetze für die Landtechnik heute schon so attraktiv sein können, wie für die Industrie. Denn bis auf einzelne Ausnahmen, haben vor allem große Unternehmen solche Campuslizenzen beantragt. In der Regel geht es dabei um Konnektivität auf großen Fabrikgeländen. „Das funktioniert für Automation und Kommunikation zwischen Maschinen und Menschen sicher sehr gut“, glaubt der Fachmann. „Wenn ich aber an den typischen landwirtschaftlichen Betrieb denke, egal ob Landwirt oder Lohnunternehmer, dann haben sie eine überschaubare Zahl von Maschinen und Personen – aber diese sind über eine relativ große Fläche verteilt“, stellt er fest. Die Fläche sei bei der Lizenz ein wesentlicher Kostenfaktor. Dazu komme, dass in Deutschland und Europa landwirtschaftliche Flächen oft nicht zusammenhingen. Ausnahmen könnten allerdings kleine Höfe sein, die bisher noch überhaupt kein vernünftiges Mobilfunknetz und alte Kupferkabel für das Internet haben. Hoff: „Da haben wir schon mal Gespräche geführt mit Kunden, die sich mit anderen Unternehmen aus der Region zusammengetan haben. Aber das sind eher Einzelfälle.“

Wann 5G für die Landtechnik praxistauglich sein wird, hängt für ihn vor allem vom Netzausbau ab. Hier seien ländliche Bereiche gegenüber Ballungsräumen mit vielen potenziellen Nutzern für Mobilfunkanbieter kaum attraktiv. „Manche Mobilfunkbetreiber haben auch schon diskutiert, ob da nicht 4G reicht“, merkt Hoff an und hält das für einen gangbaren Weg. „Unsere Kunden brauchen überhaupt erst einmal einen stabilen Netzzugang mit einer gewissen Bandbreite. Beim parallelen Fahren, wo kurze Latenzzeiten wichtig sind, da wird 5G eine Rolle spielen. Ansonsten werden schätzungsweise weit über 90 % unserer Kunden damit glücklich sein.“ Das könne in ein paar Jahren aber anders sein.

Vernetzung kommt Schritt für Schritt

Bei Claas konzentriert man sich deshalb auf nützliche Erweiterungen des bestehenden Vernetzungsportfolios. Hoff: „Bei Claas haben wir bereits seit einigen Jahren jede professionelle Maschine mit Konnektivität ausgestattet. Damit können wir auf eine relativ große Flotte zugreifen.“ Als Beispiel nennt er die Lösung Telematics für die digitale Datenerfassung und das Betriebsdatenmanagement, die jetzt mit der Managementlösung Climate FieldView vernetzt wird. „Da geht es darum zu sehen, wo die Maschine ist und was die Maschine macht. Das ist seit vielen Jahren Standard. Mit Fleetview gehen wir jetzt in Richtung Flottensteuerung und bauen das immer weiter aus.“ Aktuell laufe das über ein 4G-Kommunikationsmodul. Ein 5G-Modul sei bereits vorgedacht, wird aber erst kommen, wenn auch die Infrastruktur so weit ist.

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