Umfrage des Branchenverbands Bitkom 16. Nov 2017 Jens D. Billerbeck

Deutsche sehen künstliche Intelligenz positiv

Mehrheit hält Maschinenintelligenz für wichtigen Faktor des Erfolgs deutscher Unternehmen im weltweiten Wettbewerb. Doch auch Sorgen vor Missbrauch und Manipulation sind weit verbreitet.


Foto: panthermedia.net/phonlamai

Bundesbürger stehen der künstlichen Intelligenz (KI) grundsätzlich eher positiv gegenüber. Zwei Drittel (69 %) sind der Meinung, dass KI entscheidend ist, damit deutsche Unternehmen künftig weltweit erfolgreich sind. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage unter 1006 Bundesbürgern ab 14 Jahren im Auftrag des Branchenverbands Bitkom. „Bereits in wenigen Jahren werden viele Produkte und Dienstleistungen mit Maschinenintelligenz ausgestattet oder sogar von ihr geprägt sein“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Wir müssen alles tun, um das Potenzial von KI für die digitale Gesellschaft bestmöglich zu nutzen.“

Selbstfahrende Autos, genauere medizinische Diagnosen oder Unterstützung bei der Aufklärung von Verbrechen – Methoden der künstlichen Intelligenz (KI) werden schon heute in vielen Lebensbereichen eingesetzt. Ist KI also eine Schlüsseltechnologie der kommenden Jahre? In der Bitkom-Befragung wünscht sich jeder Zweite (49 %), dass die Politik die KI-Forschung hierzulande massiv fördert und rund jeder Dritte (30 %) ist sogar der Meinung, die Politik müsse künstliche Intelligenz zu einem Top-Thema machen.

Grundsätzlich sehen die Befragten in allen Lebensbereichen große Chancen beim Einsatz von künstlicher Intelligenz. 83 % sind sicher, dass KI die Verkehrssteuerung verbessern und so Staus reduzieren kann. Fast ebenso viele (81 %) glauben, dass dank KI in der Industrie körperlich belastende Tätigkeiten auf Maschinen übertragen werden können. Jeweils zwei Drittel sagen, dass Verwaltungstätigkeiten durch KI beschleunigt werden (68 %), in der Forschung die Innovationskraft steigt (67 %) und der Kundenservice Anfragen zuverlässiger bearbeiten kann (64 %). Ebenfalls eine Mehrheit geht davon aus, dass die Polizei durch den Einsatz von KI Verbrechen schneller aufklären kann (54 %) und im Gesundheitswesen mit KI-Hilfe bessere Diagnosen gestellt werden (57 %). „Es geht nicht darum, dass ein KI-System den Polizisten oder den Arzt ersetzt. Es geht darum, dass intelligente Systeme ihm zuarbeiten“, sagt Berg.

Nur an einer Stelle sind die Befragten mehrheitlich skeptisch. Gerade einmal jeder Fünfte (21 %) glaubt, dass KI in Kunst und Kultur völlig neue Dinge schaffen kann. Berg: „Analytisch sieht man bei KI offenkundig keine Grenzen, echte Kreativität wird den Systemen aber nicht zugetraut.“ Bei aller Offenheit gegenüber KI gibt es aber auch Bedenken. So befürchten gut drei Viertel (78 %), dass der Einsatz von KI Machtmissbrauch und Manipulation Tür und Tor öffnet. Jeweils rund zwei Drittel sorgen sich, dass KI die Vorurteile der Programmierer abbildet (67 %) und faktenbasierte Entscheidungen nur vorgaukelt (64 %). Rund jeder Zweite hat Angst, dass KI den Menschen entmündigt (50 %) oder sich die intelligenten Maschinen sogar irgendwann gegen den Menschen richten (54 %). Berg selbstkritisch: „Wir müssen besser und breiter darüber aufklären, was künstliche Intelligenz kann, und was sie aber auch nicht kann.“

Allerdings wünscht sich nur eine kleine Minderheit von gerade einmal 4 %, dass die Politik den Einsatz von KI gänzlich verbietet. Die große Mehrheit von 88 % wünscht sich, dass die Politik Regeln vorgibt. „Für KI sollte ein strategischer Prozess der Potenzial- und Risikobeurteilung aufgesetzt werden, um wirtschafts-und standortpolitische Chancen und notwendige politische Weichenstellungen zu untersuchen und Handlungsoptionen zu bewerten“, sagt Berg. Bitkom empfiehlt zudem, dass Deutschland sich auf europäischer Ebene engagiert, um den Datenschutz mit Blick auf KI weiterzuentwickeln.

Der Bitkom hat zusammen mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) eine umfangreiche Broschüre zur wirtschaftlichen Bedeutung und gesellschaftlichen Herausforderungen von KI veröffentlicht. Sie steht zum kostenlosen Download bereit.

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