Standardisierung 17. Aug 2022 Von Christiane Schulzki-Haddouti

DIN: Der große KI-Check für jede Norm kommt

Das Deutsche Institut für Normung (DIN) untersucht, welche Normen Berührungspunkte zu KI-Technologien haben, welche auf den KI-Einsatz vorbereitet sind und welche dahingehend überarbeitet werden müssen.

Industrieroboter beim Schweißen von Metallen, während ein Ingenieur sein Tablet nutzt. Dies ist ein konkretes Anwendungsbeispiel für einen Bereich, in dem Normung in Zukunft künstliche Intelligenz (KI) berücksichtigen wird, denn bei solchen Schweißprozessen könnte KI die Auswertungen jeglicher Sensordaten vornehmen oder die automatisierte (Video-)Überwachung auswerten.
Foto: PantherMedia / aa-w

Das Deutsche Institut für Normung (DIN) in Berlin will weitgehend automatisiert mit Methoden der künstlichen Intelligenz (KI bzw. AI: Artificial Intelligence) rund 34 000 Normen prüfen, und zwar darauf, ob sie KI-tauglich sind. Diese auf KI-Fähigkeit überprüften Normen sollen auf die Stärkung der über die EU geprägten Dachmarke „AI made in Europe“ einzahlen. Die Bundesregierung hatte bereits in ihrer 2018 verabschiedeten KI-Strategie das Setzen von Standards als zentral wichtiges Handlungsfeld benannt.

Wie vertrauenswürdig ist mein KI-System?

Unternehmen wie die Siemens AG und die Deutsche Telekom hatten eigenen Handlungsbedarf erkannt, auch der VDI und VDE hatten die Wichtigkeit von Standardisierung betont. Ende Juli startete das DIN jetzt als weiteren Baustein das Projekt „KI-Tauglichkeit von Normen“ und nimmt dazu das gesamte deutsche Normenwerk unter die Lupe. Das sind aktuell mehr als 34 000 Normen sowie weitere passende Standards. Bis Ende 2023 sollen die Ergebnisse vorliegen.

DIN will Marke „AI made in Europe“ stärken

Der DIN-Vorstandsvorsitzende Christoph Winterhalter ist sich sicher, dass „das deutsche Normenwerk zu einer starken Marke ‚AI made in Europe‘ beitragen“ wird. KI werde „früher oder später für alle wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereiche von großer Bedeutung sein, deshalb dürfen Deutschland und Europa hier nicht den Anschluss verlieren“. DIN-Projektmanager Adrian Seeliger sieht in der Marke ‚AI made in Europe‘ „einen zentralen Wettbewerbsfaktor für die deutsche und europäische Wirtschaft“.

Das Werkzeug klingt nach Verschleiß: KI hört Fehler bei der Zerspanung

Datenbasierte Technologien, zum Beispiel automatisierte Messsysteme, entwickeln und verbreiten sich immer weiter. Auswertungen und KI-Anwendungen sind in allen vertikalen Bereichen denkbar. Konkrete Anwendungsbeispiele sind KI-basierte Auswertungen jeglicher Sensordaten oder die automatisierte (Video-)Überwachung von Schweißprozessen. Aktuell werde durch bestehende Normen vermutlich kein KI-Einsatz verhindert, erklärte das DIN-Institut gegenüber VDI nachrichten. Das Projekt solle diese These bestätigen oder mögliche Hürden identifizieren und abbauen.

Mithilfe von KI will das DIN jede Norm auf KI-Bezug checken

Die Berliner setzen dabei darauf, die KI-Fähigkeit von Normen mit Methoden des maschinellen Lernens zu überprüfen. Im Rahmen des Projekts wird ein Prüfverfahren erarbeitet und in ausgewählten Normenausschüssen pilotiert. Hierfür wird ein KI-Werkzeug entwickelt, das die Auswahl und Klassifikation KI-relevanter Normen beschleunigt. Das Tool soll das Normenwerk künftig auf relevante Normen prüfen und so schnell zu Ergebnissen beitragen können.

Vor 100 Jahren: erste DIN-Norm

„Wir setzen so auf eine besonders effiziente Vorgehensweise, um das Normenwerk auf KI-Tauglichkeit zu prüfen“, erklärt Stefan Wrobel, Professor für Informatik an der Universität Bonn und Sprecher der Fraunhofer-Allianz Big Data und Künstliche Intelligenz.

Industrie will schnell wissen, wie KI-tauglich jede DIN-Norm ist

Smarte Roboter in der Fertigungsindustrie, hier ein Greifroboter. Solche Anwendungen profitieren vom Einsatz künstlicher Intelligenz. Um die Prozessqualität zu sichern, sollen auch die entsprechenden Standards und Normen KI berücksichtigen.
Foto: PantherMedia/Fahroni

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