Weltraumteleskop 22. Dez 2021 Von Iestyn Hartbrich

James Webb: Mission im roten Bereich

Das James-Webb-Teleskop, ein Jahrzehntprojekt der Nasa, ist am ersten Weihnachtsfeiertag gestartet. Seine messtechnischen Fähigkeiten sind schwindelerregend – ebenso wie die Kosten.


Foto: Nasa/Chris Gunn

Zwei Eckdaten sind in der Raumfahrt mit besonderer Vorsicht zu genießen – das gilt für jedes Programm. Erstens der angepeilte Startzeitpunkt, der ist immer zu früh. Zweitens das Budget, das ist zu niedrig.

Aktuelles Beispiel ist das James Webb Space Telescope (JWST) der Nasa, an dem auch die ESA und die kanadische CSA beteiligt sind. Im Jahr 1997 rechnete man mit Kosten von 0,5 Mrd. $. Am Ende sind es 10 Mrd. $ geworden. Der ursprünglich vorgesehene Starttermin lag im Jahr 2007. Jetzt ist es so weit: Am 25. Dezember 2021 ist das Teleskop an Bord einer Ariane-5-Rakete erfolgreich gestartet.

Ein Teil der Verspätung erklärt sich aus der Bedeutung des Teleskops. Als mächtiges Weltraumobservatorium spielt das JWST in einer Liga mit dem Hubble-Teleskop. „Hubble und James Webb sind beides Jahrzehntprojekte der Nasa, die sich nur noch hinter der Mondlandung und dem Shuttle-Programm einreihen“, sagt ESA-Forschungsdirektor Günther Hasinger im Interview.

Interview mit ESA-Forschungsdirektor Günther Hasinger:

Allerdings: Die Unterschiede zwischen den beiden Teleskopen sind groß. Hubble misst vor allem sichtbares Licht, das JWST hingegen ist ein Infrarotteleskop, arbeitet also mit Wärmestrahlung. Es muss deshalb durch einen Hitzeschild von der Erde und der Sonne abgeschirmt werden.

Der Spiegel des James-Webb-Teleskops – der größte je im Weltall installierte Spiegel – besteht aus 18 Segmenten. Foto: NASA/Chris Gunn

So sieht der mystic mountain (dt. mystischer Berg) im sichtbaren Bereich des Spektrums aus. Bestimmte staubreiche Regionen kann das Licht nicht durchdringen. Foto: NASA/ESA/M. Livio/STScI

... und so sieht derselbe Bereich im Infraroten aus, in dem auch James Webb beobachten wird. Durchblick garantiert. Foto: NASA/ESA/M. Livio/STScI

Einmal gestartet, ist das Teleskop dem menschlichen Zugriff entzogen. Entsprechend auswendig war das Testprogramm im Labor. Das Bild zeigt einen Entfalttest. Foto: Nasa/Chris Gunn

Zusammengefaltet muss alles in eine Oberstufe passen. So sieht James Webb zusammengefaltet aus. Foto: Nasa/Chris Gunn

10 Mrd. $ am Kran: James Webb beim Abstransport. Foto: Nasa/Chris Gunn

James Webb auf dem Weg zum Raketenstartplatz in Kourou, Französisch-Guayana. Foto: Nasa/Chris Gunn

Das James-Webb-Weltraumteleskop ist ein Jahrzehntprojekt der Nasa. Es soll 13,5 Mio. Jahre in der Zeit zurückschauen. Bild: Northrop Grumman

Das JWST soll in der Zeit zurückschauen, 13,5 Mrd. Jahre. Forschende, wie die US-Astrophysikerin Jeyhan Kartaltepe, wollen das Universum zu einem besonderen Zeitpunkt kartieren: just, als die ersten Galaxien entstanden. Es wären die ältesten Objekte, deren Licht eindeutig zuordenbar ist.

James-Webb-Forschung im Überblick

Darüber hinaus ist der Fragenkatalog, an dem sich das Teleskop abarbeiten soll, lang. Warum haben Galaxien aufgehört, Sterne zu bilden? Können Felsplaneten, die um Rote Zwerge kreisen, eine Atmosphäre nicht nur entwickeln, sondern auch behalten? Gab es Schwarze Löcher schon immer? Und wo ist sie eigentlich, die Dunkle Materie?

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