Wildbienen leichter bestimmen 29. Jun 2021 Von Bettina Reckter

Svenja Schulze: BMU fördert Initiativen zum Insektenschutz

Das Insektensterben und dessen Folgen für die Artenvielfalt und die Landwirtschaft rücken erst allmählich ins Bewusstsein der Menschen. Bundesumweltministerin Svenja Schulze fördert deshalb verschiedene Initiativen zum Schutz der Insekten in Stadt und Land. Auf ihrer Sommerreise gab sie gestern auch den Startschuss für eine neue App zum leichteren Bestimmen von Wildbienenarten. Diese App geht zurück auf das VDI-Projekt „BienABest“.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (re.) im Gespräch mit VDI-GVC-Geschäftsführerin Ljuba Woppowa (2. v. l.) über die Bestimmungs-App "Wildbienen Id BienABest".
Foto: BMU/Sebastian Bänsch

Rote Mauerbiene, Garten-Wollbiene, Rothaarige Wespenbiene – es ist gar nicht so einfach, die einzelnen Wildbienenarten auseinanderzuhalten, die durch unsere Gärten, Felder und Wiesen summen. Kein Wunder, denn es sind einfach so viele. Denn: Rund 560 Arten von Wildbienen tummeln sich allein in Deutschland, darunter auch etwa 40 Hummelarten. Doch sie sind in ihrer Existenz bedroht.

Eine App gibt hier jetzt praktische Unterstützung. Sie stammt aus dem Projekt „BienABest“, mit dem der VDI und die Universität Ulm gemeinsam den Rückgang der Wildbienen stoppen und deren Bestäubungsleistung nachhaltig sichern und wieder steigern möchten. Gefördert wurde ihre Entwicklung im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums (BMU).

Entwicklung der App „Wildbienen Id BienABest“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze gab am Montagnachmittag in Aachen im Rahmen ihrer Sommerreise den Startschuss für die App „Wildbienen Id BienABest“.


Foto: AppStore

Mit dem praktischen Bestimmungstool fürs Smartphone können auch Laien in freier Natur beobachtete Wildbienen einfach und sicher der richtigen Art zuordnen. In der App der Firma Sunbird finden sich detailreiche Fotos des Wildbienenexperten Hans Schwenninger von 101 Bienenarten, wobei Körperform, Farbe des Hinterleibs und Behaarung besonders deutlich dargestellt sind. Durch das Gegenüberstellen und Vergleichen von Fotos lassen sich zudem ähnliche Arten gut auseinanderhalten.

Die meisten Wild- und Nutzpflanzen in unserer Umgebung sind auf die Bestäubung durch fliegende Insekten angewiesen. Damit hängt die Nahrungsmittelproduktion ebenfalls direkt von den fleißigen Bienen ab. Experten schätzen den wirtschaftlichen Wert jener Produkte auf 235 Mrd. $ bis 577 Mrd. $, die von der Bestäubung abhängen.

„Stoppschild gegen das Artensterben“

Auch Bundesumweltministerin Schulze weiß um den Wert von Artenschutz und der biologischen Vielfalt. Auf ihrer Sommerreise in Aachen hatte sie gestern den Förderbescheid für noch ein weiteres Insektenschutzprojekt in der Tasche. „Beim Artenschutz denken viele an aussterbende Nashornarten oder an den tropischen Regenwald. Aber auch wir in Deutschland haben Arten und Ökosysteme, die aussterben“, sagte die Ministerin.

„Mein Ziel ist die Trendumkehr, das Stoppschild gegen das Artensterben“, so Svenja Schulze. Was der Regenwald für bestimmte Affenarten ist, sei etwa die Glatthaferwiese für bestimmte Insektenarten vor unserer Haustür. Diese Wiesen seien vielerorts verschwunden. In der Region Aachen sollen diese Ökosysteme mit Förderung des Bundesumweltministeriums zurückgewonnen werden. Schulze: „Insekten bestäuben unsere Obstpflanzen, sie sind zugleich Müllabfuhr, Kläranlage und Gesundheitsdienst unserer Ökosysteme. Eine Welt ohne Insekten wäre auch für uns Menschen nicht mehr lebenswert.“

Mehr als nur eine App

Ziel des seit 2017 mit rund 2,6 Mio. € geförderten Projekts „BienABest“ (Standardisierte Erfassung von Wildbienen zur Evaluierung des Bestäuberpotenzials in der Agrarlandschaft) ist es, den Rückgang der Wildbienen zu stoppen. Der Grund dafür: In Deutschland ist fast jede zweite der nach den Roten Listen bewerteten Wildbienenarten in ihrem Bestand gefährdet oder bereits ausgestorben. Zur Projektarbeit gehört auch das Anlegen von Nisthügeln und Wildbienenweiden, um den durch menschliche Tätigkeit vertriebenen Wildbienen neue Lebensräume zu geben. Standardisierte Erfassungsmethoden sollen zudem ein systematisches Langzeitmonitoring ermöglichen.

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