Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 2022 10. Okt 2022 Von André Weikard Lesezeit: ca. 2 Minuten

Ökonomie-Nobelpreis geht an US-Bankenforscher

Die Finanzkrise 2008 war verheerend. Ihre Folgen hätten aber noch weitaus schlimmer sein können, wenn Forscher wie die diesjährigen Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften nicht Mechanismen untersucht hätten, um mit dem Kollaps des Bankensystems umzugehen.

Der ehemalige US-Notenbankchef Ben Bernanke gehört zu den drei US-Ökonomen, denen 2022 der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften zuerkannt wurde. Alle drei beschäftigten sich bereits in den 1980er Jahren mit den Ursachen und Auswirkungen von Bankenpleiten.
Foto: imago images/UPI Photo

Die Finanzkrise 2008 hat uns alle überrascht. Alle? Nein, die drei US-Ökonomen Ben S. Bernanke, Douglas W. Diamond und Philip H. Dybvig haben die Schwachstellen des Bankensystems bereits in den 1980er-Jahren erforscht – und vor seiner Instabilität gewarnt. Dafür wurden sie nun mit dem Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet.

Die Lehren aus der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre

Das Nobelpreiskomitee würdigte ihre Arbeit als bedeutsam, auch 40 Jahre nach ihrer Publikation. Denn der spätere US-Notenbankchef Ben Bernanke hatte bereits 1983 auf Basis historischer Quellen das Phänomen des sogenannten „Bankruns“ untersucht. Gemeint ist der panikartige Bankenansturm, bei dem Sparer aus Angst um ihre Einlagen in Massen Vermögen von ihren Konten abziehen und so schließlich die Bank illiquide werden lassen. Bernankes Forschungsansätze hätten damals in starkem Kontrast zum Konsens der Forschung gestanden, die sich mehr auf den Verlauf der Weltwirtschaftskrise und ihre Folgen konzentriert habe als auf ihre Entstehung aus dem Bankensystem heraus.

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Bankenpleite geht mit einem Verlust an Wissen einher

Auch die beiden anderen Preisträger, Douglas Diamond und Philip Dybvig, haben bereits 1983 ein Paper veröffentlicht, in dem sie einen grundsätzlichen Interessenkonflikt von Kreditnehmern und Sparern genauer untersucht haben. Die einen, Geldanleger, wollen möglichst kurzfristig Zugriff auf ihr Vermögen haben. Die anderen, die Kreditnehmer, benötigen aber langfristige Kreditzusagen, damit ihre Investitionen sich auszahlen und sie in die Lage versetzen, den Kredit zu tilgen. Banken als Mittler zwischen beiden Parteien schaffen einen Ausgleich zwischen diesen widerstreitenden Interessen, so die frisch ernannten Nobelpreisträger. Dies gelingt ihnen aber nur, wenn sie Wissen über den Kreditnehmer haben. Laut Diamond und Dybvig ist der Verlust dieses Wissens bei einer Bankenpleite das eigentlich verheerende Ereignis. Denn die Kreditnehmer werden kurzfristig von keiner anderen Bank übernommen und werden mit dem Untergang ihrer Bank selbst in die Pleite gerissen.

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Politik hat sich 2008 an den Empfehlungen der Ökonomen orientiert

Das Nobelkomitee führt aus, der Preis gehe an die drei Forscher, weil sie die Dynamiken hinter dem „Bankrun“ nicht nur untersucht und die Verletzlichkeit des Systems aufgezeigt hätten, sondern weil sie zudem Empfehlungen gegeben hätten, wie die Ausbreitung einer Bankenkrise eingedämmt werden kann. Das Mittel der Wahl seien „Versicherungen“. Genau die sind in Deutschland als „Einlagesicherung“ längst etabliert. Und die Reaktion der Bundesregierung 2008 um Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück, die mit der Zusage vor die Presse gingen: „Wir sagen den Sparerinnen und Sparern, dass ihre Einlagen sicher sind “, darf als Schlussfolgerung aus den Forschungen der drei US-Ökonomen gesehen werden.

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